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Artenschutz:Die Rückkehr der Fischotter

Fischotter

Fischotter haben seltsame Essgewohnheiten: Sie knabbern Fische an und lassen sie dann liegen.

(Foto: Rolf Haid/dpa)

Die seltenen Tiere haben sich mitten in der Stadt an der Isar niedergelassen. Doch Naturschützer sind über die neuen Bewohner gar nicht so glücklich.

Wenn am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt, erinnert das so manchen Tierschützer daran, dass die 40-tägige Bußzeit Biber und Fischotter in Bayern einst aussterben ließ. Denn die Mönche, die während der fleischlosen Zeit weiter schlemmen wollten, erklärten alle im Wasser schwimmenden Lebewesen kurzerhand zu Fischen.

Auch wegen seines Pelzes wurde seit dem Mittelalter massiv Jagd auf den Fischotter gemacht. Bis in jüngster Zeit kamen die Tiere bayernweit fast nur noch an der tschechischen Grenze vor. Doch nun sind sie auf dem Vormarsch: Erst fanden Naturschützer einen überfahrenen Otter am Starnberger See, dann wurden am Staffelsee vereinzelt die schwimmenden Marder gesichtet. Jetzt gibt es Beweise, dass sich auch mitten in München Fischotter angesiedelt haben.

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Anfang Januar fanden sich am Isarufer verdächtige Spuren im Schnee: Pfotenabdrücke mit Schwimmhäuten. Wenig später entdeckten Angler angebissene Fische, eine besondere Eigenart von Fischottern. Schließlich installierten die Isarfischer eine Wildkamera am Fluss - die lieferte letztlich das Beweisfoto. Mittlerweile geht Willi Ruff, Vorsitzender der Isarfischer, davon aus, dass sich mindestens vier Fischotter mitten in München niedergelassen haben. Unterhalb des Maximilianeums soll es sogar Nachwuchs geben, auch am Hinterbrühler See wurde ein Exemplar gesichtet.

"Vor zehn Jahren hätte das noch niemand geglaubt", sagt Ruff. "Die Leute hätten uns gesagt, wir können einen Fischotter nicht von einer Bisamratte unterscheiden." Dabei gab es seit einigen Jahren immer wieder mal Sichtungen von Fischottern in München. Doch das hätten auch Durchzügler sein können, "schließlich schwimmen die Raubtiere pro Nacht schon mal 30 bis 40 Kilometer", sagt die Otterbeauftragte des Landesfischereiverbands Michaela Thiel. Die Otterexpertin will nun genau wissen, ob die gefräßigen Tiere, die sich auch mal über Enten hermachen, tatsächlich in München heimisch geworden sind und wie viele es insgesamt sind. Dazu untersuchen die Wissenschaftler die Hinterlassenschaften der Tiere unter den Isarbrücken und bestimmen die Otter-Gene.

Auch wenn die Isarfischer Naturschützer sind, so richtig glücklich sind sie nicht mit den Fischottern am Fluss. Schließlich fressen sie die zum Teil mühsam in die Isar eingesetzten Fische. Manchmal knabbern sie einfach auch nur an einem Fisch und lassen das tote Tier am Ufer liegen. "Warum die Fischotter das machen, ist mir ein Rätsel", sagt Willi Ruff. Der Otter frisst sich offenbar relativ wahllos durch die Flussfauna, aber nascht gerne mal nur an einer Barbe und mal an einer Ratte. Zum Abschuss werden die Münchner Fischotter aber sicherlich nicht freigegeben. Sie unterliegen dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen und sind streng geschützt. Auch in der Fastenzeit.

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