Tiere in München Pelikane spielen Hase und Igel mit den Münchnern

Zwei vom gleichen Schlag: der inzwischen "Isarbelle" getaufte Rosapelikan (li.) und sein Double mit dem gelben Ring am Fuß.

(Foto: Rainer Endriss, Dominik Fahr, Collage: SZ)
  • Seit einigen Monaten ist der entflogene Rosapelikan "Isarbelle" in und um München unterwegs. Sein scheinbar großer Bewegungradius löste mehrfach Verwirrung aus.
  • Des Rätsels Lösung: Es gibt noch einen zweiten Rotpelikan. Das belegen nun eindeutige Fotografien der Tiere.
  • Woher der zweite Pelikan kommt, ist noch unklar.
Von Günther Knoll

Isarbelle hat wahrscheinlich ein Double. Der Rosapelikan, der seit Oktober immer wieder rund um München gesichtet wird und den die Münchner nach einem entsprechenden Aufruf des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) auf diesen Namen getauft haben, ist offenbar nicht allein im Großraum München unterwegs. Fast gleichzeitig wurden am Samstag nämlich zwei Pelikansichtungen gemeldet: Einmal war der Vogel auf dem Hinterbrühler See unweit des Tierparks Hellabrunn auf Nahrungssuche, ein anderer Beobachter sah ihn auf einer Kiesbank der Isar zwischen Freising und Marzling.

Dazu gibt es auch die entsprechenden Fotos - und die zeigen einen deutlichen Unterschied: Der Vogel bei Freising trägt links einen kleinen Metallring, der weist ihn als den Pelikan aus, der vor fast vier Monaten aus einem Raritätenzoo in Ebbs bei Kufstein in Österreich entflogen ist. Der Hinterbrühler Pelikan dagegen hat am linken Fuß eine große gelbe Plastikmanschette mit dem gut lesbaren Code AFP.

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Vogelbeobachter hatten sich schon über den großen Aktionsradius des Pelikans gewundert, der den Winter erfolgreich in der Region verbrachte, aber innerhalb kurzer Zeit an relativ weit voneinander entfernten Orten auftauchte. Kaum wurde er an der Isar bei Großhesselohe gesichtet, hieß es kurz darauf, jetzt sei er auf einem Speichersee bei Landshut.

Zwar legen wild lebende Rosapelikane, die gut segeln können, bei ihrer täglichen Nahrungssuche oft weite Strecken zurück, das Tier aus Österreich aber war es bis zu seiner Flucht gewohnt, gefüttert zu werden. Die Betreiberin des Zoos, Marion Mayr, bewundert den Ausreißer - und dass dieser den Winter "so bravourös gemeistert hat". Das aber hat offenbar auch ein Artgenosse. Für Sophia Engel vom LBV lassen die jüngsten Beobachtungen keinen anderen Schluss zu.

Bei dem zweiten Vogel, der sich München als Wahlheimat ausgesucht hat, geht sie allerdings nicht von einem sogenannten Gefangenschaftsflüchtling aus, sie sieht in dem gelben Codierungsring ein Indiz dafür, dass dieses Tier im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts beringt wurde. Denn solche Markierungen würden für Forschungszwecke benutzt.

Die nächsten Rosapelikan-Kolonien finden sich aber erst im Donaudelta und auf dem Balkan. Isarbelle, der eigentlich ein junges Männchen ist, hat sich nach Ansicht seiner ehemaligen Besitzerin Mayr inzwischen zu einem Wildtier entwickelt. Die vielen gut gemeinten Fangversuche hätten den Vogel, den der LBV in seinem Facebook-Aufruf noch als "ziemlich zahm" beschreibt, inzwischen scheu und misstrauisch gemacht. Und er hat auch seine eigene Methode entwickelt, um an Fische zu kommen. Während Pelikane sonst gemeinsam Fischschwärme ins seichte Waser treiben, um sie dort mit ihren großen Schnäbeln herauszuschöpfen, wurde der aus Ebbs stammende Vogel dabei beobachtet, wie er am Isarufer unter Grasbüscheln fischte.

Mayr sagt, ihr Zoo habe den Pelikan noch nicht aufgegeben; ihn nach den vielen vergeblichen Versuchen noch zu fangen, sei aber schwierig. Allein um ihn zu orten, gebe es zu viele Wasserflächen in der Region München. Mit einem Betäubungsschuss oder -pfeil werde man jedenfalls nicht arbeiten. Denn das Tier könnte dann kurz fliehen und irgendwo hilflos liegen bleiben als leichte Beute für Füchse etwa. Generell brauche man sich keine Sorgen zu machen um den jungen Pelikan. "Wenn er bisher alle Fangversuche überstanden hat, dann werden ihn auch Hunde nicht erwischen", zerstreut Mayr die Befürchtungen von Vogelfreunden.

Sie wünscht ihrem entflohenen Schützling, dass er irgendwann den Weg findet in Richtung Donau. Denn dort, so wisse sie, gebe es in Straubing einen Tierpark mit Artgenossen, die sich ziemlich frei bewegen könnten. Dabei könnte es gut passieren, dass er sogar im Münchner Umland noch Anschluss findet: Der Naturfreund, der den Rosapelikan mit dem gelbem Ring am Hinterbrühler See auf der Plattform ornitho.de meldete, hat unter dem zugehörigen Foto angemerkt: "Hoffentlich treffen sie sich mal."

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