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Fußball-Bundesliga:Feiern wie noch nie

Sonst immer mit dabei, bei dieser Meisterfeier aber nicht: Die Spielerfrauen.

Der Frauenbann hat nichts mit einer übervorsichtigen Auslegung des Alten Testaments zu tun, sondern vielmehr mit den Corona-Vorgaben der Liga (Symbolbild).

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Bei der Ehrung der Meister des FC Bayern dürfen die Spielerfrauen dieses Mal nicht dabei sein, aus hygienischen Gründen. Das wirft so einige Fragen auf.

Kolumne von Andreas Schubert

Manche Erfolgsgeschichte beginnt unter widrigen Umständen. Weil ihm die Schafsdärme ausgegangen waren, hat sich der Münchner Wirt Sepp Moser einst die Weißwurst ausgedacht. Ein paar Jahrzehnte später setzte Franz Xaver Kugler, seines Zeichens ebenfalls Wirt, vor den Toren der Stadt mit dem Radler noch einen überaus erfolgreichen Verkaufsschlager drauf. Ihm soll das Bier zur Neige gegangen sein, weshalb er die Krüge halt zur Hälfte mit Kracherl auffüllte. Ob diese Entstehungsmythen nun wahrer werden, je öfter man sie erzählt, ist einerlei. Fest steht: Sie senden eine klare Botschaft aus, nämlich die, dass in der Not der Teufel Fliegen frisst respektive farbloses Kalbsbrät, und ein verpanschtes Helles dazu trinkt.

Apropos Teufel: Weil nicht nur Wirten in der Krise Geistesblitze kommen, hat der FC Bayern Corona-bedingt soeben die Geisterfeier erfunden - ohne Fans, ohne Freibiersause am Marienplatz, ohne Weißbierdusche, ohne Jubelarien des FC Bayerischen Rundfunks. Die Fete, die dem Vernehmen nach wohl eher eine Art Andacht wird, soll diesen Samstag in kleinstem Kreise stattfinden. Spielerfrauen seien aus hygienischen Gründen nicht zugelassen, heißt es. Wer jetzt spontan an das Buch Levitikus denkt, liegt völlig daneben. Der Frauenbann hat nichts mit einer übervorsichtigen Auslegung des Alten Testaments zu tun, sondern vielmehr mit den Corona-Vorgaben der Liga. Ob sich die Beteiligten nicht einfach hätten vorher alle testen lassen können, wurde nicht erst groß öffentlich diskutiert.

Aber wer weiß, wozu das Ganze sonst noch gut ist. Das frauenlose Zeremoniell könnte auch der Beziehungshygiene nutzen. Wer möchte schon die Frau als Spaßbremse dabei haben, wenn er sich mit seinen Fußballkumpels dezent einen hinter die Binde kippt? Andererseits hat so eine Spielerfrau sicher Besseres zu tun, als ihrem Tschamsterer beim Jungsabend mit seinen Kameraden zuzuschauen, nur um ihn dann hinterher besoffen in den Wagen zu packen. Gibt alles nur Ärger, erst recht, wenn so ein Spieler dann auch noch spontan das Sponsorenbier wieder auf den hirschledernen Beifahrersitz loswerden sollte.

Aber das wird natürlich nicht passieren. Die Spieler werden brav miteinander eine gepflegte Tasse Tee trinken und dann mit ihrer Liebsten daheim auf die Meisterschaft und was noch so komme anstoßen. Vielleicht mit einem Radler. Wie man aus Bayern-Kreisen so hört, sollen dazu wunderbar vergoldete Weißwürste passen.

© SZ vom 20.06.2020/wean

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