Energiewende:Kommt eine Solaranlage geschwommen

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Energiewende: Eine PV-Anlage wie diese hier in den Niederlanden soll auch im Erdinger Stadtteil Eichenkofen entstehen.

Eine PV-Anlage wie diese hier in den Niederlanden soll auch im Erdinger Stadtteil Eichenkofen entstehen.

(Foto: Baywa/oh)

Ein Tochterunternehmen der Baywa plant auf zwei Erdinger Baggerweihern eine schwimmende PV-Installation. Bei der Präsentation im Rathaus kommt das Projekt gut an.

Von Regina Bluhme, Erding

Wer sagt denn, dass Solaranlagen immer nur auf Dächern und auf Wiesen montiert sein müssen: In Erding ist eine Photovoltaikanlage auf dem Wasser geplant, genauer gesagt auf zwei Baggerweihern im Stadtteil Eichenkofen. Bauherrin und Betreiberin ist die Baywa r.e. Solar Projects GmbH. Für das Unternehmen aus München, das bereits in den Niederlanden mehrere dieser Floating-Installationen errichtet hat, wäre es das erste Projekt dieser Art in Bayern.

Raphael Kempf und Julian Käs, die beiden Projektverantwortlichen von Baywa r.e. Solar Projects (die Abkürzung r.e. steht für renewable energy, also erneuerbare Energie), stellten jetzt im Erdinger Stadtentwicklungsausschuss die schwimmende Photovoltaikanlage vor. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits zwölf schwimmende Anlagen in den Niederlanden und eine in Thailand gebaut. Mit den Floating-PV-Anlagen habe man 2018 begonnen, so Käs. Auf diesem Gebiet sei man weltweit Marktführer.

Die Eichenkofener Gewässer liegen nicht in einem Naturschutzgebiet

Raphael Kempf verwies zunächst darauf, dass die beiden Eichenkofener Gewässer keine Badeseen seien und auch nicht in einem Naturschutzgebiet lägen. Auf dem Wasser soll einmal eine Konstruktion mit sogenannten Glas-Glas-Modulen, mit Wechselrichter und mit Trafo herumschwimmen. Oder eher schweben, wie Kempf erläuterte: Die Installation habe nur zu 15 Prozent Kontakt mit der Wasseroberfläche. Somit sei auch eine gute Zirkulation gewährleistet. Die Glasmodule wiederum ließen viel Licht durch. Langzeituntersuchungen gebe es noch nicht, aber mehrere Studien, darunter eine der Universität von Groningen. Und diese zeige, dass sich die Wasserqualität in Bezug auf Sauerstoff oder Temperatur nicht signifikant geändert habe. Die beiden Gewässer haben insgesamt eine Fläche von etwa elf Hektar, davon würden die Floating-PV-Anlagen etwa sechs Hektar einnehmen.

Vorgesehen ist eine Großanlage, die sich über beide Gewässer erstreckt und eine Leistung von 8,6 Megawatt erbringt, zusätzlich sind 750 Kilowatt für den Eigenverbrauch des Kiesbetriebs vorgesehen. Die Berechnung bezieht sich auf die sogenannte Peak-Variante, also auf die elektrische Höchstleistung bei optimaler, maximaler Sonneneinstrahlung. Wie Kempf weiter ausführte, ist eine jährliche Energieerzeugung von 10 000 Megawattstunden eingeplant, was den Verbrauch von circa 2700 Haushalten abdecken würde. Im Jahr könnten so 2900 Tonnen CO2 eingespart werden.

Wenn alles glatt läuft, kann 2024 mit dem Bau begonnen werden

Noch ist es nicht soweit, noch steht dem Unternehmen der Gang durch die Behörden bevor. So muss für den Bereich der Rekultivierungsplan angepasst werden. Die entsprechenden Unterlagen sind laut Kempf bereits beim Landratsamt eingereicht. Eine wasserrechtliche Genehmigung brauche es auch noch, dann könne, so Kempf, im Mai der Bebauungsplan auf den Weg gebracht, und wenn alles glatt läuft, 2024 mit dem Bau begonnen werden.

Der Erdinger Stadtentwicklungsausschuss hatte keine Einwände, man war sich einig, dass von Seiten der Stadtverwaltung das Projekt unterstützt werden soll. Wobei Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) den Zeitplan skeptisch sah. Ein Genehmigungsverfahren könne sich hinziehen, betonte er. Das liege aber nicht an der Stadtverwaltung, sondern "es hakt gewaltig bei der Zuarbeit" durch die übergeordneten Behörden. Er habe bereits mit dem Kiesbetrieb und dem Berufsfischereiverein ein Gespräch geführt, von deren Seite seien "keinerlei Schwierigkeiten zu erwarten", Gotz. "Wir sollten das Projekt wagen."

Die Anlagen seien "absolut wartungsfreundlich", sagen die Projektverantwortlichen

Ein paar Anmerkungen hatten die Stadträte dann noch. Zum Beispiel die Frage, warum das Unternehmen bislang mit den Schwimmkonstruktionen hauptsächlich in den Niederlanden tätig war. Dort gebe es sehr gute Einspeisetarife, erklärte Raphael Kempf. Neben Erding ist Baywa Solar Projects inzwischen aber auch mit einer Floating-Anlage in Nordrhein-Westfalen engagiert.

Befürchtungen wurden auch laut, dass es zu einer starken Verschmutzung durch Vogelkot kommen werde. Hier gab Raphael Kempf Entwarnung. Bislang habe sich aber gezeigt, dass die Vögel sich immer nur auf bestimmten Ecken niederlassen und das meiste dann doch vom Regen abgewaschen werde. Die mit GPS-versehene Anlage mit einer Laufzeit von circa 25 bis 30 Jahren Jahren sei ansonsten absolut wartungsfreundlich.

Dass das Unternehmen auf Eichenkofen aufmerksam geworden ist, das liegt an dem Verband der biologischen Flugsicherung (DAVVL) und der Stadt Erding. Weil sich die Weiher in der Einflugschneise des Flughafen Münchens befinden, hatte es schon länger Überlegungen gegeben, sie wegen der Vogelschlaggefahr zu verfüllen. Durch einen Mitarbeiter, so Kempf, habe sich ein Kontakt ergeben. So sei man ins Gespräch gekommen, dass es doch eine gute Alternative gebe.

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