Interkommunales Geothermieprojekt:Fördergesellschaft wird gegründet

Interkommunales Geothermieprojekt: Auf diesem Grundstück zwischen Weißenfeld und Ottendichl, im Hintergrund erkennt man den Rastplatz Vaterstetten, soll bald nach heißem Tiefenwasser gebohrt werden. Die dafür nötige Firma wird nun gegründet.

Auf diesem Grundstück zwischen Weißenfeld und Ottendichl, im Hintergrund erkennt man den Rastplatz Vaterstetten, soll bald nach heißem Tiefenwasser gebohrt werden. Die dafür nötige Firma wird nun gegründet.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Verträge für die Geothermie-GmbH der Gemeinden Vaterstetten, Haar, Grasbrunn und Zorneding werden am Dienstag unterzeichnet. Spannend wird, wie sich die Anteile der Firma verteilen.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten/Haar/Grasbrunn/Zorneding

Das Anzapfen gehört bekanntlich zu den wichtigsten Aufgaben eines bayerischen Bürgermeisters - da wundert es nicht, dass gleich vier Rathauschefs kommende Woche ein ganz besonderes Zapf-Vorhaben auf den Weg bringen wollen: Im Rathaus Vaterstetten soll am Dienstag, 28. November, offiziell der Startschuss für das Geothermieprojekt der Gemeinden Vaterstetten, Haar, Grasbrunn und Zorneding fallen.

Seit Monaten wird die Gründung der Geothermie-Fördergesellschaft bereits von der Politik der vier Nachbargemeinden in den Landkreisen Ebersberg und München vorbereitet. Mittlerweile haben alle vier Gemeinderäte der Gründung einer GmbH zugestimmt, die auf einem Grundstück südlich des Vaterstettener Ortsteils Weißenfeld eine Förderanlage für heißes Tiefenwasser bauen und betreiben will.

Die offizielle Gründung sollte eigentlich direkt am künftigen Ort des Geschehens stattfinden, sagte Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) am Freitag - wegen des zu erwartenden Winterwetters hat er seine Amtskollegen, Andreas Bukowski (CSU) aus Haar, Klaus Korneder (SPD) aus Grasbrunn und Piet Mayr (CSU) aus Zorneding dann lieber ins Rathaus eingeladen.

Den größten Teil des Kapitals dürften wohl die beiden größten Gemeinden einbringen

Wenn dort dann um 14.30 Uhr die Geothermie-GmbH offiziell entstehen wird, ist neben jener nach den konkreten Zeitplänen eine Frage besonders interessant: Wer hält welchen Anteil an der Gesellschaft? Bereits bekannt ist, dass nicht alle beteiligten Kommunen zu gleichen Teilen in die Förderfirma einsteigen werden. So gut wie sicher dürften die beiden größeren der vier, also Haar und Vaterstetten, die außerdem bereits über ein nennenswertes Nahwärmenetz verfügen, auch die größten Anteilseigner werden.

Diese beiden sind es nach derzeitigem Stand auch, die ihre Netze direkt mit der Förderanlage nahe der Gemeindegrenze zwischen Vaterstetten und Haar verbinden. Die Gemeinden Grasbrunn und Zorneding, letztere verfügt aktuell noch nicht über ein Nahwärmenetz, würden wohl über das Netz der Gemeinde Vaterstetten versorgt. Dort, das wurde auf der vergangenen Bürgerversammlung im Oktober präsentiert, laufen gerade die Planungen für eine Ringleitung in der Kerngemeinde zwischen den beiden Bahnhöfen. Diese Hauptleitung könnte dann auch die Nachbarn mitversorgen.

Noch offen ist, ob das Aus des Klima- und Transformationsfonds den Ausbau verzögert

Dies, so Spitzauer, werde wohl auch Auswirkungen darauf haben, wann welcher Bereich in der Großgemeinde ausgebaut wird, schließlich müsse man ja die Netze der Nachbarn erreichen. Darum sei zeitnah eine Leitung Richtung Baldham nötig, wo es derzeit noch gar keine Nahwärmenetze gibt. Innerhalb der Gemeinde sind die Fixpunkte des Ringnetzes die großen Verbraucher, etwa der Baldhamer Marktplatz nördlich und die Schulen südlich des Bahnhofes.

Was die Anschlüsse von Privathäusern betrifft, hier soll es, ähnlich wie beim Glasfaserausbau, Befragungen der Anlieger geben: Immer wenn ein Abschnitt der Hauptleitung weitergebaut wird, sollen die Hauseigentümer entlang der Strecke angeschrieben werden, ob sie einen Netzanschluss wünschen. Dementsprechend würden dann die Verästelungen des Netzes ausgebaut.

Wie schnell der Netzausbau indes vorangeht, hänge auch davon ab, welche Auswirkungen das kürzlich vom Bundesverfassungsgericht verfügte Ende des Klima- und Transformationsfonds des Bundes auf die Fördermittel habe, so Spitzauer. Bislang war man davon ausgegangen, für ein auf sechs Jahre angelegtes Ausbauprogramm 40 Prozent der Kosten ersetzt zu bekommen.

Schon dies sei auch angesichts der nicht immer leichten Verfügbarkeit von Fachfirmen und Material wohl nicht ausreichend, um Vaterstetten und Baldham komplett zu erschließen, sagt der Bürgermeister. Bei einem Wegfall von Fördergeld werde der Ausbau dann noch länger dauern.

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