Bürgermeisterwahl Uli Proske, der Herr der Elemente

Uli Proske SPD Bgm Kandidat EBE (c)HR Archivnr: 19hr0360_09 / 17.05.2019 / Ebersberg, SPD stellt Bgm Kandidaten vor. Uli Proske hält seine Vorstellungsrede.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Uli Proske ist Wasserversorger und Feuerwehrkommandant - und nun auch offiziell Bürgermeister-Kandidat der Ebersberger SPD. Die Mitglieder haben abgestimmt.

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Am Freitagabend kehrte die Sonne nach Ebersberg zurück. Um kurz vor acht blitzte sie zwischen den Vorhängen in die Stube und brachte so manchen Gast zum Blinzeln. Der rote Feuerball strahlte über Ebersberg, als wäre er für ihn bestellt worden: Uli Proske, ein Mann, der sich mit Feuer und Wasser gleichermaßen auskennt - und bei den Kommunalwahlen 2020 für die Ebersberger SPD antritt. Seit Freitag ist dies nun offiziell: Die Mitglieder des SPD-Ortsverbands Ebersberg wählten den Feuerwehrkommandanten und Wasserversorger Proske einstimmig zu ihrem Bürgermeisterkandidaten. Der 48-Jährige tritt damit gegen den 23-jährigen Alexander Gressierer von der CSU um die Nachfolge von Walter Brilmayer an.

Im Restaurant Akropolis kamen 50 Gäste zusammen, zwei Drittel davon SPD-Parteimitglieder. Bevor es zur Wahl kam, hielt Proske eine Rede, in der er die aus seiner Sicht wichtigsten Aufgaben des kommenden Bürgermeister umriss. Ganz vorne nannte der das Verkehrsproblem, das er "in den Griff bekommen" wolle, "ohne weiter in großem Maß Flächen zu versiegeln", eine Umgehungsstraße lehnt Proske bekanntermaßen ab. Weitere Themen: Firmen in Ebersberg halten und "neue, gute Arbeitsplätze schaffen", und die Stadt "grüner, ökologischer, klimafreundlicher, fahrradfreundlicher" machen. Und: "Extremisten - egal aus welcher Richtung - zeigen: Wir sind nicht wie ihr."

Ganz konkret erklärte Proske, er wolle sich für einen "verkehrsberuhigten blühenden Marienplatz" einsetzen, den Ausbau und Erhalt des Sportparks und die "dringende" Sanierung des Hallenbads. Zudem liege ihm die Kinderbetreuung am Herzen, "die sich an den Bedürfnissen der Familien und Eltern orientiert". Für seine Rede erhielt Proske einen 30 Sekunden langen Applaus. In einer geheimen schriftlichen Wahl sprachen sich von 29 Stimmberechtigten im Saal 29 für ihn als Kandidat aus.

Auffällig viele junge Gesichter bei der Ebersberger SPD

Auffällig an diesem Abend in Ebersberg: An den Tischen mit den roten Deckchen saßen auch Jugendliche und junge Erwachsene, anteilsmäßig deutlich mehr als üblich. Das neueste Mitglied saß mit Proske am Tisch und bekam an diesem Abend das Parteibuch überreicht: Pia Gilg, 18 Jahre alt. Sie steht kurz vor dem Abitur, den Proske Uli kennt sie von der Feuerwehr. "Ansonsten gehe ich gerne auf Demos", so Gilg, etwa für den Klimaschutz. Für die 18-Jährige das wichtigste Thema für den kommenden Ebersberger Bürgermeister: "Die Umwelt steht auch bei uns zu weit hinten an."

Ein halbes Jahrhundert hat die CSU den Chef im Ebersberger Rathaus gestellt, 22 Jahre lang Hans Vollhardt, bei Walter Brilmayer werden es am Ende gar 26 Jahre sein. Proske ist nun der Mann, der diese Ära beenden kann - und könnte gleichermaßen zu jenem Politiker werden, der die SPD-Fahnen bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 hoch hält. Mit Albert Hingerl und Georg Hohmann treten die beiden langjährigen SPD- Bürgermeister in Poing und Markt Schwaben nicht mehr an, in beiden Gemeinden könnte es also zu einem Parteiwechsel kommen.

Wohl auch deshalb sprach der Ebersberger Ortsvorsitzende Dirk Schött von einer "historischen Chance". Doris Rauscher, zusammen mit Proske im Ebersberger Kreistag und für die SPD im bayerischen Landtag, hatte Proske im Januar angefragt und nach dessen Einwilligung auch vorgeschlagen. Er sei "mitten aus Ebersberg", so Rauscher, "einer mit Bodenhaftung und einem sehr guten Gefühl für Menschen." Proskes Ehefrau Brigitte erklärte, sie werde ihren Mann bei dem Vorhaben Bürgermeister unterstützen. "Ich stehe da voll dahinter", sagte sie. Mit ihr und den drei Kindern sei das abgesprochen. Sollte es mit der Wahl zum Bürgermeister klappen, werde er bei der Feuerwehr bleiben, aber nicht mehr als Kommandant, so Proske. Ein Nachfolger stehe bereit.

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