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Das ist schön:Bäume für Beuys

Bayern pflanzt Eichen zum 100. Geburtstag des Künstlers

Von Sabine Reithmaier

Merkmal großer Kunst sei, "dass sie sich überhaupt nicht aufdrängt, sondern vollkommen eingeht, fast verschwindet in der Natur", sagte Joseph Beuys 1979 in einem Gespräch. Und bewies das Jahre später mit dem Projekt "7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" in Kassel, einer zumindest in ihrer Gesamtheit unsichtbaren Skulptur.

Der Mann mit dem Hut pflanzte die erste Eiche als Beitrag zur Documenta 7 im Jahr 1982; den letzten Baum setzte Sohn Wenzel 1987 daneben, gut ein Jahr nach Beuys' Tod. Neben jedem Baum steht ein Millionen Jahre alter Basalt. Die Finanzierung der 7000 Basaltstelen ermöglichte seinerzeit die Dia Art Foundation, die Heiner Friedrich, Stifter des Museums DasMaximum in Traunreut, 1974 mit Philippa de Menil gegründet hatte.

Als Galerist hatte Friedrich früh Beuys' zukunftsweisende Arbeit erkannt. Ihm und Franz Dahlem verdankt das Hessische Landesmuseum Darmstadt sein Herzstück, den "Block Beuys", da es den beiden gelang, den Sammler Karl Ströher zu überzeugen, fast alle in der Beuys-Ausstellung 1967 in Mönchengladbach gezeigten Arbeiten zu erwerben. Friedrichs Stiftung war es auch, die als Erinnerung an Beuys jahrelang Eichen in New York pflanzen ließ. Schließlich regte er 2012 die Eichenpflanzung in und um Traunreut mit den letzten verfügbaren Stelen an.

2015 wurden die ersten Eichen in Traunreut gepflanzt. Dank der beharrlichen Arbeit des Museums hat die Aktion inzwischen Kreise gezogen. Nicht nur die Stadt Traunreut und diverse Einrichtungen dort haben gepflanzt. Auch Seebruck am Chiemsee, die Schule Schloss Stein, die Stadt Burghausen oder das Hessische Landesmuseum schlossen sich an.

Beuys' 100. Geburtstag in diesem Jahr nimmt Das Maximum als Anlass, die Pflanzung bayernweit voranzutreiben. Mit von der Partie ist "Stadtkultur", das Netzwerk bayerischer Städte. Traunstein, Erlangen und Ingolstadt haben sich angemeldet, andere denken noch nach. Ziel ist es, die bisher vorhandenen 23 Basaltsteine auf 64 und damit auf die Zahl der Lebensjahre des Künstlers zu erhöhen.

Als Startsignal hat Das Maximum am Todestag des Künstlers - Beuys starb am 23. Januar 1986 - die Dokumentation der bisherigen Eichenpflanzungen online gestellt. Auf einer interaktiven Karte ist jede einzelne Setzung festgehalten. Schnell merkt man, dass nicht nur Eichen gepflanzt wurden, sondern auch andere Bäume. Aber das war schon in Kassel so, da setzte man auch Eschen, Linden, Platanen, Robinien, Kastanien, Ahorne.

Wer sich an der "sozialen Plastik" beteiligt und mitpflanzt, nimmt an jenem gemeinsamen Handeln zum Wohl der Gesellschaft teil, das Joseph Beuys so wichtig war. So verstanden ist jeder Mensch ein Künstler, kann eine Demokratie als Kunstwerk betrachtet werden. Und das ist doch schön.

Wer eine Baumpatenschaft übernehmen möchte, wendet sich an die Museumsleiterin Birgit Löffler (Telelefonnummer 086 69/120 37 13, E-Mail-Kontakt: Eichen@dasmaximum.com)

© SZ vom 30.01.2021
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