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Politik:Die Münchner CSU sortiert sich neu

69. Sudetendeutscher Tag

Bernd Posselt (rechts) sitzt beim 69. Sudetendeutschen Tag neben Ministerpräsident Markus Söder.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Bernd Posselt kandidiert für Europa, Ludwig Spaenle hofft auf den Landtag - vielleicht weil Ernst Weidenbusch Flughafen-Chef wird?

Nach dem Debakel bei der Landtagswahl sortiert sich die Münchner CSU gerade, eine Personalie steht seit Montagabend fest: Bernd Posselt führt das Team aus der Stadt für die Europawahl an. Mit 16 von 22 Stimmen erzielte er im Bezirksvorstand das mit Abstand stärkste Ergebnis. Hinter den Kulissen wird zudem spekuliert, wie es mit Bezirkschef Ludwig Spaenle nach seiner gescheiterten Landtagskandidatur weitergeht. Er selbst würde sein Amt als Antisemitismusbeauftragter der Staatsregierung gerne fortführen. Zudem könnte er in absehbarer Zeit doch ins Maximilianeum einziehen, sobald ein oberbayerischer CSU-Abgeordneter ausscheidet, wäre er der erste Nachrücker auf der Liste.

Aktuell werden könnte das in jedem Fall bei der Kommunalwahl 2020. Nicht selten kandidiert ein Abgeordneter in seiner Heimat als Landrat oder Oberbürgermeister. Womöglich ergibt sich aber auch schon Ende 2019 eine Chance. Dann verabschiedet sich Flughafen-Chef Michael Kerkloh in den Ruhestand. Wenn nun zum Beispiel Ernst Weidenbusch, der für die CSU das Direktmandat in München Land Nord geholt hat, dessen Nachfolger würde, wäre ein Platz im Landtag frei.

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Diese Rochade wird hinter den Kulissen von manchen gerade durchgespielt, die Bild-Zeitung machte sie am Wochenende öffentlich. "Seitdem bekomme ich viele positive Mitteilungen, dass ich es machen soll - von Mitarbeitern am Flughafen und aus der Politik", sagt Weidenbusch. "Das alles amüsiert mich sehr. Ich habe bislang kein Angebot erhalten, und ich müsste es wissen, ich sitze ja im Aufsichtsrat."

Nicht nur das. Weidenbusch vertritt die Staatsregierung als Beauftragter für staatliche Beteiligungen. In dieser Funktion führte er im Auftrag des damaligen Finanzministers und Airport-Aufsichtsratschefs Markus Söder (CSU) manches vertrauliche Gespräch. Die Nähe zu Söder hatte er einst mit Parteifreund Spaenle gemeinsam, ehe dieser vom gerade gekürten Ministerpräsidenten aus dem Kabinett geworfen wurde. Spaenle verlor dann auch noch sein Landtagsmandat, manche in der CSU glauben, dass die Partei ihm noch etwas schuldig ist. Würde Weidenbusch Flughafen-Chef, wäre Spaenle wieder Mitglied der Fraktion.

Dass Weidenbusch das gerne werden würde, halten Parteifreunde für durchaus realistisch. Handwerklich hätte er wohl auch das Zeug dazu, heißt es. Fix sei aber nichts. Weidenbusch sei nicht immer ein einfacher Charakter, um es vorsichtig zu sagen. Es sei noch zu früh, um das jetzt zu entscheiden. Der Freistaat hält zwar eine Mehrheit von 51 Prozent am Flughafen, doch auch der Bund und die Stadt München wollen bei der Bestellung des neuen Chefs mitreden. "Einfach wäre es nicht", sagt ein CSUler.

Auch ein anderes Szenario ist in der CSU denkbar: Weidenbusch müsse ja nicht gleich Vorsitzender der Geschäftsführung werden. Gehandelt wird auch Thomas Weyer, in der Flughafen-Gesellschaft für Finanzen und Infrastruktur zuständig. Weidenbusch könne vielleicht in die Geschäftsführung einrücken. Aber ob ihm das reicht?

Spaenle selbst sagt, von solchen Planspielen wisse er nichts. Eines steht seit Montag aber definitiv fest: Für das Europaparlament kandidiert er nicht. "Ich habe mir das einmal überlegt, aber es kam für mich nicht in Frage." Immerhin hatte der Bezirksvorstand seine Sitzung auf Montag verschoben, in der er nun Posselt seine Unterstützung erklärte. Er hat damit wohl als einziger Münchner CSUler Chancen, ins EU-Parlament einzuziehen. Entscheidend wird nun aber sein, wo er auf der bayernweiten CSU-Liste unterkommt. "Ich freue mich über das starke Votum", sagt Posselt. Er hofft, hinter den vier amtierenden CSU-Abgeordneten Platz fünf zu ergattern. Die Entscheidung will die CSU am 24. November treffen.

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