Hochschule:Für manche ist die Krise eine organisatorische Zerreißprobe

Im April kam dann erst der Brief vom Gesundheitsamt. Den hat Eckhoff an seine Mitbewohner weitergeleitet. Sie müssten doppelt so lang in Quarantäne wie der 26-Jährige. Beginnend mit der Kontaktaufnahme mit einem Infizierten, endet die Quarantäne regelmäßig nach zwei Wochen nach dem letzten Tag der Ansteckungsmöglichkeit. Also weitere zwei Wochen ab dem Tag, an dem Eckhoff fast wieder raus darf. "Wie sich die Einzelnen daran gehalten haben, weiß ich gar nicht. Ich habe allen Mitbewohnern die Info weitergeleitet", erzählt er.

Viele seien sehr ängstlich gewesen, haben ihren Mitbewohner aber unterstützt, wenn es um das Kochen ging beispielsweise. Was er erst später erfährt: "Meine unmittelbare Zimmernachbarin muss echt gestresst gewesen sein, weil ich Corona hatte. Sie hat deswegen alle Kontakte komplett abgebrochen, sie hatte wohl so etwas wie einen kleinen Nervenzusammenbruch", sagt Moritz Eckhoff.

Hochschule: Yassamin Boussaoud hatte viel Zeit für ihre Kinder Ivor und Ismael, weil die Schule ausfiel. Damit ist jetzt Schluss.

Yassamin Boussaoud hatte viel Zeit für ihre Kinder Ivor und Ismael, weil die Schule ausfiel. Damit ist jetzt Schluss.

(Foto: Catherina Hess)

Die Quarantäne hat er vor allem für das Schreiben seiner Masterarbeit nutzen können. Im Sommer muss er nur noch ein paar Dinge im Labor erledigen. Eckhoff ist guter Dinge, dass er seinen Abschluss auch während der Pandemie fertig bekommt. Als nächstes will er aber zur Blutplasmaspende. Der Student ist dem Aufruf der Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) gefolgt und will seine Antikörper für die Therapie von schwer erkrankten Covid-19-Patienten zur Verfügung stellen.

Weniger optimistisch sieht die Philosophiestudentin Yassamin Boussaoud dem Semesterstart entgegen. Für sie bedeutet er eher eine weitere organisatorische Zerreißprobe. Die 29-Jährige lebt mit ihren beiden schulpflichtigen Kindern in einer 45 Quadratmeter großen Studentenwohnung am Harthof. So lange sie Ferien hatte, konnte sie sich daheim um ihren Nachwuchs kümmern und nebenbei ihrem Job als pädagogische Fachkraft in einer Kinderkrippe aus dem Home-Office noch gerecht werden.

Die Gesundheit ihrer Kinder steht bei ihr an erster Stelle. Das bedeutet aber auch, dass es ihnen in dieser Zeit auch seelisch gut geht. "Sie dürfen momentan eben genau die Dinge, für die im Alltag wenig oder kein Raum da ist: Ausschlafen, Pfannkuchen zum Frühstück backen, bis mittags im Schlafanzug bleiben, Filme schauen, spät ins Bett gehen", erzählt die Mutter. Die Herausforderung besteht für sie jetzt, genau auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen.

Der Gedanke daran, dass bald die Schulen nur für bestimmte Stufen geöffnet werden könnten, macht ihr Sorge: "Es ist schwieriger, wenn ein Kind in die Schule geht und das andere zu Hause bleibt." Die Schule würde dann einem Kind Aufgaben geben, die die Studentin noch zusätzlich mit ihm erledigen müsste. Und das alles, obwohl sie sich nun eigentlich auf das neue Semester und die Arbeit, die ihr eigenes Online-Studium mit sich bringt, einlassen sollte.

Boussaoud wünscht sich von der Regierung mehr Sicherheit, eine Art Stütze. Bis sich etwas ändert, kämpft sie sich aber weiterhin pflichtbewusst durch den Tag. Sie beschwert sich nicht, stellt aber fest: "Es ist herausfordernd, so vielen Menschen gleichzeitig gerecht zu werden."

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