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Corona-Krise in München:Museen, Bibliotheken, Tierpark - Stadtrat debattiert über weitere Lockerungen

Coronavirus - München

Die Geschäfte haben wieder geöffnet - allerdings unter strengen Auflagen.

(Foto: dpa)

Von Montag an sind in München Behördengänge wieder möglich. Viele Hoffnungen richten sich nun auf kommende Woche.

Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines normaleren öffentlichen Lebens trotz Corona: Von Montag an nimmt die Stadt den Parteiverkehr wieder auf, zumindest in eingeschränkter Form. So sind Behördengänge beim Kreisverwaltungsreferat nach Terminvereinbarung wieder möglich, und auch die Stadtinformation im Rathaus öffnet wieder. Zugleich aber wird auch in München die Debatte immer intensiver, welche Einschränkungen des öffentlichen Lebens noch angemessen sind. Das zeigte sich in der Sitzung des Stadtrats am Mittwoch, der aus Gründen des Gesundheitsschutzes wieder in reduzierter Besetzung als "Feriensenat" tagte. Zudem war es die letzte Sitzung dieser Amtszeit - am Montag kommt der neue Stadtrat zusammen.

"Die Situation macht Hoffnung." So leitete Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs ihren Bericht zur Corona-Lage ein. Am Mittwoch meldete die Stadt 50 neue Infektionen, zu Hochzeiten waren es mehr als 200 pro Tag. Zugleich betonte Jacobs, dass jede Lockerung der Beschränkungen "mit großem Bedacht gewählt werden muss. Denn wir brauchen zwei bis drei Wochen, um zu sehen, wie sich eine Maßnahme auswirkt." Schon eine moderate neuerliche Ausbreitung des Virus könne die medizinischen Kapazitäten schnell an die Grenze bringen.

Seit dieser Woche haben viele Geschäfte wieder offen, Schulen nehmen den Präsenzbetrieb wieder auf. Aber wie geht es weiter mit anderen Einrichtungen? FDP-Stadtrat Michael Mattar monierte, es sei nicht zu verstehen, dass die Regierung von Oberbayern es Bibliotheken untersage, eine kontaktlose Ausleihe einzurichten - weil die Abholung von Büchern kein triftiger Grund sei, die Wohnung zu verlassen. Zudem sei es "albern", dass Museen geschlossen seien, man könne die Buchung von Besuchszeiten einrichten. Kulturreferent Anton Biebl ergänzte: "Wir würden gern die Museen wieder öffnen, wir haben auch ein mit dem Gesundheitsamt abgestimmtes Hygienekonzept, aber wir dürfen nicht." OB Dieter Reiter (SPD) sagte, er habe Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Telefon gefragt, wann der Tierpark Hellabrunn wieder öffnen dürfe. Viele Hoffnungen richten sich auf kommende Woche, wenn Söder Neuerungen zu den Beschränkungen verkünden wird.

Den Grünen ging es in der Corona-Debatte vor allem um die Betreuung von kleinen Kindern. Für die Öffnung der Schulen gebe es Zeitpläne, für Kitas hingegen nicht, kritisierte Stadtrat Sebastian Weisenburger den Freistaat. "Die Familien brauchen einen Plan mit verbindlichen Daten." Gesundheitsreferentin Jacobs pflichtete ihm im Prinzip bei, betonte aber, dass man noch zu wenig wisse, inwiefern kleine Kinder das Virus in sich tragen und weitergeben. Sie berichtete von Drive-in-Tests, bei denen oft die Eltern infiziert waren, die Kinder im Auto aber nicht. "Die Zahlen sind aber nicht valide, deshalb brauchen wir mehr Erkenntnisse." OB Reiter betonte, er habe mit Söder auch über die Öffnung von Schulen und Kitas gesprochen.

0,73 Angesteckte

Die Basisreproduktionszahl, kurz R0 ("R Null"), gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person ansteckt. Am Mittwoch gab die Gesundheitsreferentin bekannt, dass der Wert für die Ausbreitung des Coronavirus in München aktuell bei 0,73 liegt. Vor den Schulschließungen am 14. März lag der Wert bei 2, vor den Ausgangsbeschränkungen am 21. März bei 1,6.

Immerhin eines hat sich inzwischen aufgelöst: die Verwirrung um Maskenpflicht auf Märkten. "Wenn wir am einen Tag von einer Maskenpflicht lesen, am anderen, dass es die nicht gibt, dann trägt das nicht zur Akzeptanz von Regelungen bei", sagte OB Reiter an die Adresse des Freistaats. Nun aber sei klar: Bei Märkten an der frischen Luft ist ein Mund-Nasen-Schutz keine Pflicht, in Marktgebäuden hingegen schon.

© SZ vom 30.04.2020/vewo

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