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Digitales Lernen:Unterricht mit Zoom und Slido

Initiative Bildungsbooster, Lernen zu Corona-Zeiten

Rupert Schäfer, Lea Klick und Claudia Linnhoff-Popien (von links).

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Initiative Bildungsbooster unterstützt Münchner Schulen bei der Digitalisierung. Sie bietet Lehrerinnen und Lehrern Hilfe, wenn sie technisches Neuland betreten.

Zwei Laptops, ein Tablet und ein Smartphone leuchten vor Claudia Linnhoff-Popien auf dem Schreibtisch. Für mehr als 800 Studenten hält die LMU-Professorin eine Zoom-Vorlesung von zuhause aus. Hunderte Fragen haben sie währenddessen über ein weiteres Tool namens Slido erreicht. Eine riesige Datenmenge, die die Professorin mit ihren Assistenten sortiert. Nicht alle Lehrenden gehen so sicher mit digitalem Unterricht um, wie Linnhoff-Popien. "Manche meiner Kollegen würde ihre Vorlesungen lieber aufzeichnen als live zu halten. Die Angst, online Fehler zu machen, ist oft größer als im Hörsaal", sagt Linnhoff-Popien.

Lehrern und Lehrerinnen, die im Zuge der Coronakrise oftmals technisches Neuland betreten, möchte der Verein Digitale Stadt München mit der Initiative Bildungsbooster zur Seite stehen. Gemeinsam mit der Digitalberatung Nunatak gibt der Verein Lehrkräften in München sein Wissen über digitale Infrastruktur und Methoden weiter. Dafür veranstaltete die Kooperation im April drei Webinare. Knapp 40 Lehrer haben sich jeweils eine Stunde für den digitalen Unterricht rüsten lassen.

"Die Lehrer in den Webinaren kamen von allen Schularten. Besonders zu Datenschutz und den verschiedenen Tools gab es viele Fragen, zum Beispiel welches Programm wofür gut ist", sagt Rupert Schäfer, Mitgründer von Nunatak. Als virtuelle Tafel eignet sich beispielsweise ein Trello-Board oder die Aww-App, als digitaler Klassenraum eine Zoom-Konferenz oder Google-Hangouts.

Für Meldungen am Bildschirm gibt es das Programm Slido. Die vielen Möglichkeiten sowie ihre Vor- und Nachteile haben die Mitglieder von Digitale Stadt München auf ihrer Webseite zusammengetragen. Neben dem Knowhow vermittelt der Verein auch kostenlose Leistungen seiner Mitglieder, zu denen mehr als 120 Firmen gehören. So stellen unter anderem die Firmen Cisco und Google ihre sonst kostenpflichtigen Versionen von Videokonferenzprogrammen zur Verfügung. Hardware ist über die Plattform "Das macht Schule" erhältlich.

"Eines unserer ersten Mitglieder im Verein war Nunatak, die mit uns gemeinsam überlegen, was digital gesehen für München nützlich sein könnte", sagt Linnhoff-Popien, die neben ihrer Professur Vorsitzende von Digitale Stadt München ist. Ausführlich hat man sich bei Nunatak zunächst mit der aktuellen Situation des Bildungssystems befasst. "Mehr als die Hälfte der Schüler sehen den Einsatz digitaler Medien als dringlichstes Problem", sagt Lea Klick von Nunatak. "Außerdem zeigen aktuelle Studien, dass sich 85 Prozent der Lehrer eine Weiterbildung in diesem Bereich wünschen."

Im europaweiten Vergleich bildet Deutschland auf Platz 27 das Schlusslicht bei der Digitalisierung der Schulen. Bei Nunatak könne man je nach Bedarf weitere Webinare und Leitfäden anbieten. Die Umsetzung des Gelernten findet Linnhoff-Popien beeindruckend. Zum Teil bis in den späten Abend beantworten Lehrkräfte die Fragen ihrer Schüler über digitale Kanäle. "Diese Zeit ist auch eine Chance für die Lehrer, den digitalen Wandel mitzugestalten", sagt die Professorin.

© SZ vom 08.05.2020/syn

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