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Coronavirus:Bücherschränke dürfen offen bleiben

Bücherschrank Dreimühlenviertel

Bücher-Börsen-Schluss: Der Bücherschrank im Dreimühlenviertel bleibt verschlossen.

(Foto: Privat)

Noch gibt es Nachschub aus den öffentlichen Bücherschränken, einige wurden aber bereits geschlossen. Eine städtische Anordnung gab es dafür allerdings nicht.

Dürfen die öffentlichen Bücherschränke offen bleiben in Zeiten der Pandemie? Beim Referat für Gesundheit und Umwelt reagiert Sprecherin Bianca Titus mit Erstaunen auf diese Frage. Es gebe keine städtische Anordnung, diese zuzusperren, sagt sie und verweist auf die allgemeinen Hygienevorschriften des Robert-Koch-Instituts (RKI), die auch beim Umgang mit den Bücherschränken zu gelten hätten. Und doch kann es Literaturfreunden in diesen Tage passieren, dass sich die Glasschiebetüren ihrer Buchbox im Viertel nicht verrücken lassen. Eine Umfrage der SZ zeigt, dass die Verunsicherung bei vielen Betreibern groß ist, und die Sache unterschiedlich gehandhabt wird.

Offen ist, Stand Mittwoch, der Bücherschrank vor dem Pasinger Rathaus. Rüdiger Schaar, einer der Initiatoren und selbst Mediziner, verweist ebenfalls auf die Handhygiene-Empfehlungen des RKI und sagt: "Es besteht aus meiner Sicht kein Anlass, offene Bücherschränke zu schließen, weil das Übertragungsrisiko mit dem in der Umgebung vergleichbar ist. Aber auch am Bücherschrank gilt: Kranke Menschen sollten einfach zu Hause bleiben!". So sieht man es auch beim Trägerverein "Linie 1", für den sich Dieter Fuchs um den Bücherschrank an der Bunzlauer Straße kümmert. Er hat sich eine Expertise vom ehemaligen Leiter der Stabsstelle "Krankenhaushygiene und Infektionsprävention" der Münchenklinik eingeholt.

Würden die Hygienemaßnahmen eingehalten, sage dieser, gebe es keine Veranlassung, die Bücherschränke zu sperren. Das Risiko einer Infektion sei nicht größer als beim Einkauf im Supermarkt. Offen sind auch die Regaltüren der Schränke in Solln (Herterichstraße) oder am Thalkirchner Platz in Thalkirchen, ebenso die Büchertausch-Telefonzelle am stillgelegten Bushalt Kolumbusplatz in Untergiesing und der Schrank in Hadern, der dort erst vor drei Monaten neben der Feuerwache eröffnet wurde. "Rund um den Bücherschrank haben wir ja keine Menschenansammlungen", sagt Eva Schultheis, die Vorsitzende des Vereins "Kultur in Hadern". Auch der Schrank in der Au (Am Hergottseck) und die beiden am Schwabinger Nordbad und auf dem Stadtplatz am Ackermannbogen bleiben offen.

"Gerade jetzt, wo alle Bibliotheken geschlossen sind und die Menschen zu Hause bleiben sollen, ist das Angebot kostenloser Lektüre ein kleiner Lichtblick beim kurzen Spaziergang", schreiben Doris Niemann und Regina Bruder von den Schwabinger Betreibervereinen. Sie haben Hygiene-Hinweise an die Schrankpaten rausgegeben. Diese Verhaltensregeln liest man nun auch an vielen Schränken, in Moosach, und an der Bücherbox nahe der Tramhaltestelle Neuhausen, die noch offen ist. Jürgen Jensen vom Trägerverein diskutiert jedoch derzeit mit seinen Bücherschrankpaten, wie es weitergehen soll.

Bereits geschlossen ist der Tauschschrank an der Barbarossa- /Ecke Hörselbergstraße in Bogenhausen. Ein Klebeband versperrt die Tür. "Das tut uns sehr weh", sagt Hannah Pattalong, Sprecherin der Betreiber. "Aber wir wollen alle schützen, gerade unsere älteren Mitmenschen." Auch am Bücherschrank im Dreimühlenviertel an der Ecke Ehrengut- und Dreimühlenstraße wurden die Scheiben vorsorglich abgeklebt. Und in Laim, Standort Laimer Anger, bittet das Bücherschrank-Team die Leser per Aushang um Verständnis für den Tausch-Börsen-Stopp, lädt aber schon jetzt zu einer "feierlichen Wiedereröffnung" ein - Termin vorerst unbekannt.

© SZ vom 26.03.2020 / anna, bn czg, eda, raj, son, ole, wol/amm
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