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CDU:Wahl-Desaster in Sicht

Sitzung Landtag Nordrhein-Westfalen

Laschet während einer Landtagssitzung in Nordrhein-Westfalen (Archivfoto).

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Diese Umfragen bilden wohl mehr ab als nur den Moment: Die Christdemokraten stehen im März vor zwei Niederlagen. Nicht gut für ihren neuen Vorsitzenden Armin Laschet - wohl aber für jemand anders.

Kommentar von Detlef Esslinger

Mal kurz in die Psyche von Wahlkämpfern und Kanzlerkandidaten-Kandidaten hineinversetzen? Im Grunde ist es wie bei einem Fußballspiel: Wenn's läuft, dann läuft's; dann geht alles leichter, und im besten Fall spürt man vor Euphorie die Anstrengung nicht. Dann gibt es die Spiele, in denen man schauen muss, was bei diesem Gegner möglich ist - und wehe, man hat ein Match, in dem es zur Pause schon 0:5 steht. Dann geht es letztlich nur darum, das alles mit Würde zu Ende zu bringen. Womit vor den Landtagswahlen im März die Lage beschrieben wäre, in der sich Winfried Kretschmann, Armin Laschet und Susanne Eisenmann befinden.

Umfragen sind in aller Regel Momentaufnahmen. Aber das ZDF-Politbarometer und der ARD-Deutschlandtrend vom Wochenende, fünf Wochen vor den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, weisen deutlich über den Moment eines Wochenendes hinaus. Vor allem für die CDU in Baden-Württemberg ist das Ergebnis verheerend. Praktisch aussichtslos für sie ist der Wahlkampf nicht deshalb, weil sie mit 28 Prozent sechs Prozentpunkte hinter den Grünen liegt. Solch ein Rückstand ist schon des Öfteren aufgeholt worden. Die mindeste Voraussetzung dafür wäre aber eine Spitzenkandidatin, die es an Popularität mit dem Amtsinhaber aufnehmen kann. In Baden-Württemberg ist es laut Politbarometer so: 65 Prozent der CDU-Anhängerschaft will nicht die eigene Spitzenfrau Eisenmann an der Spitze der künftigen Landesregierung, sondern den grünen Amtsinhaber Kretschmann.

Das ist nicht nur ungeheuer deprimierend für sie und ihre Partei; es ist desaströs: Wie will man zusätzliche, noch unentschlossene Wähler mobilisieren, wenn nicht einmal die eigenen Leute überzeugt sind? Und dies in einem Wahlkampf, der nicht auf Marktplätzen und in Hallen, sondern nur online und in den klassischen Medien ausgefochten wird? In einem Wahlkampf zudem, der umso irrelevanter werden wird, je näher man dem 14. März, dem offiziellen Wahltag, kommt? Gut die Hälfte der Stimmen dürfte diesmal per Brief abgegeben werden - wer etwa am 3. März den Wahlbrief abgeschickt hat, bei dem geht ein Livestream am 9. März ins Leere.

Die CDU-Kandidatin Eisenmann trifft das Lebensgefühl der Leute nicht

Erneut zieht die CDU Baden-Württemberg mit jemandem in den Wahlkampf, der das Lebensgefühl der Leute nicht trifft. So war es bereits 2011, als ihr Ministerpräsident Stefan Mappus bei der eigenen Klientel schlechter abschnitt als der Grünen-Herausforderer Kretschmann. Die relative Unpopularität von Susanne Eisenmann ist so groß, dass es für Armin Laschet fast wieder gut ist: Er kann eine Niederlage in Baden-Württemberg glaubhaft rein baden-württembergisch begründen.

Anders ist es mit Rheinland-Pfalz. Niemand wird es Laschet vorwerfen können, falls es dort nicht zum Machtwechsel reicht. Dort ist die SPD-Amtsinhaberin Malu Dreyer populär; wie schon 2016 ist sie gerade dabei, ihren Rückstand auf die CDU aufzuholen. Und was kann Laschet dafür, dass die SPD bereits für Dreyer mit einer virtuellen "Wir-mit-ihr-Tour" wirbt, der CDU-Kalender indes sehr ausführlich mit der Sommertour des Herausforderers Christian Baldauf; allerdings der von 2020?

Nur ist es so: Im Wettbewerb um die Kanzlerkandidatur braucht Laschet im März einen Erfolg, ob er etwas dazu beiträgt oder nicht. Alles andere führt dazu, dass es auf Markus Söder hinausläuft.

© SZ/usc
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