Drittes "Wetten, dass..?" mit Markus Lanz:Lanzweilig!!!

Lesezeit: 4 min

In seiner dritten Sendung laviert Markus Lanz zwischen Pink, Maria Furtwängler und den Chippendales hin und her und wirkt dabei alles andere als souverän. Es hätte ein "fantastischer Frauenabend" werden sollen. Weit gefehlt, Herr Lanz!

Eine TV-Kritik von Carolin Gasteiger

Als "fantastischen Frauenabend" hatte Markus Lanz seine dritte Sendung "Wetten, dass..?" angekündigt. Mit so viel Frauenpower wie selten. Allein das musikalische Line-Up ließ mit Pink, Rihanna und Alicia Keys Großes erwarten. In der Reihe fehlt nach eigener Aussage nur noch Cindy aus Marzahn, die - aber erstmal nur für diese Show aus Freiburg - Lanz' Assistentin gab. Eines sollte sich bewahrheiten: Der Abend lag in Frauenhand. Aber anders, als Markus Lanz sich das vermutlich gedacht hatte.

Denn mit Nena und Maria Furtwängler saßen zwei auf dem Sofa, die das Moderier-Heft gern selbst in die Hand nahmen. Von Lanz auf die Anfänge ihrer Karriere angesprochen, wehrte "Wetten, dass..?"-Neuling Nena energisch ab: "Ich bin nicht hier, um über damals zu reden, Leute. Das Leben ist schön hier und jetzt." Überhaupt, Nena und ihr Leben! Die Sängerin kam eingangs schon jauchzend die Treppe heruntergehopst, freute sich natürlich "tierisch" da zu sein und herzte ihren Wettkandidaten, als wären sie uralte Freunde. "Das Leben ist schön", säuselte sie auch später immer wieder als müsse sie extra betonen, mit sich und der Welt ja so sehr im Reinen zu sein.

Furtwängler toppt Nena

Im Laufe der Show wurde die "The Voice"-Jurorin aber immer ruhiger und irgendwann fragte sich der Zuschauer, ob sie überhaupt noch da war. Als hätte sie eingesehen, dass es eben nicht nur um sie geht. Und nachdem ihre Wette die erste in der knapp dreistündigen Sendung war, dürfte ihr mit der Zeit einfach langweilig gewesen sein. Gegen Ende hob sie nur noch wortlos den Daumen, um Lanz zu signalisieren, dass sie einem Kandidaten seine Wette zutraute. Spätestens da war klar, warum Nena nie zuvor bei "Wetten, dass..?" war - und wahrscheinlich auch nie wiederkommen wird.

Nun war Nenas "Die Welt ist schön"-Gerede schon dominant, hörte aber irgendwann auf. Maria Furtwängler konnte das noch toppen. Die "Tatort"-Kommissarin bemühte sich stetig, doch noch ein bisschen mehr von sich loszuwerden: Bei der Frage, ob sie für oder gegen einen Wettkandidaten sei ("Also, ich hab noch nie in eine Fußball-Torwand getroffen"), bei dem Auftritt von Pink (die nicht nur live sang, sondern auch eine großartige Akrobatic-Show hinlegte), den sie mit "Tolle Frau. So kraftvoll. Und doch so zart. Das ist es, was eine Frau ausmacht." begeistert kommentierte (hat Alice Schwarzer sie dafür bezahlt?), oder schließlich bei ihrem Wettkandidaten Jonas, der Golfschläger am Geräusch des Abschlags erkennen wollte. "Darf ich auch mal schlagen?" fragte Furtwängler, tat's und brachte den Jungen damit gehörig aus dem Konzept.

War es dieses Mal weniger Cindy aus Marzahn, die an Lanz' Seite plapperte (für ihren Assistentinnenjob war sie erstaunlich wenig präsent), so mischte sich Furtwängler immer wieder ein. Nicht zuletzt damit: "Ich spiele ja auch im Tatort, den das ZDF ignoriert. Ich bin die Einzige, die heute keinen Einspieler bekommen hat."

Der Welpenschutz ist vorbei

Der Moderator konnte sich die ganze Sendung über nur schwer in Position bringen. Mal hängte er sich zu lange an Nebensächlichkeiten auf (dass Nena und Maria Furtwängler das gleiche oder zumindest ein ähnliches Kleid trugen: Wen stört's?), dann wiederholte er den für ihn ach so komischen Dialog zweier bayerischer Wettkandidaten ("Host du a Ahnung? I hob koa Ahnung.") in Endlosschleife.

Lanz' Welpenschutz ist in der nunmehr dritten Sendung endgültig vorbei und eines ist klar: Lanz ist ein Talker, kein Entertainer. Zu angestrengt will er sich bei den Couchgesprächen auf den jeweiligen Gast konzentrieren, wie er es in seiner Talkshow macht, und lässt sich nicht abwimmeln, auch wenn sein Gegenüber das noch so sehr wünscht. So war es Florian David Fitz (der, wie Lanz nicht müde wurde zu betonen, in seinem neuen Film Jesus spielt) sichtlich unangenehm, als der Gastgeber beharrlich nach einem Ausrutscher in seiner Jugend fragte. Nur geht es bei "Wetten, dass..?" nicht nur um die Gäste auf der Couch.

Spannende Wetten, platte Sprüche

Gut, dass da einige Wetten tatsächlich eine angenehme Abwechslung boten. Max Fabian, der eine Fußball-Torwand auf seinem Kinn balancierte, in die zwei Profikicker treffen mussten. Oder Guido Reiter, der aus dem Stand zehn Luftballons nacheinander in 2,50 Metern Höhe kaputt kickte, waren schon unterhaltsam.

Aber besonders beeindruckte der Wettsieger, ein Kajakverein aus Illingen. Zehn Kinder sollten eine 50-Meter-Schwimmbahn auf 25 umgedrehten Kajaks überqueren - in denen Mitglieder des Kajakclubs sitzen und eine Eskimorolle nach der anderen ins Wasser drehen. Die Wette gelang. Und auch Florian David Fitz hatte als Wettpate am Beckenrand Spaß - sichtlich mehr als auf Lanz' Couch. Karl Dalls Kommentar "eine der spannendsten Wetten der letzten 55 Jahre" war auch der einzige Gag, den der 71-Jährige landen konnte. Ansonsten ließ er nur platte Sprüche los.

Wenn Lanz, wie ursprünglich angekündigt, die Wetten wirklich mehr in den Vordergrund stellen und einmal mehr mit den Kandidaten und weniger mit den Stars plaudern würde, hätte "Wetten, dass..?" vielleicht noch eine Chance. Aber so hetzte der Moderator durchs Programm und schaffte es einfach nicht, dabei souverän zu sein. Ganz zu schweigen von der peinlichen Schlussnummer mit den Chippendales, zwischen denen Lanz und die TV-Köche Alfons Schuhbeck und Alexander Herrmann "die Hüllen fallen ließen".

Aus dem fantastischen Frauenabend wurde ein Abend, der alles andere als fantastisch war. Und schon gar kein Grund, "Wetten, dass..?" noch einmal anzuschauen. Die anderen haben das ähnlich gesehen: Nach 13,62 Millionen Zuschauern zur Premiere schauten diesmal nur 8,89 Millionen zu.

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