"Tatort" aus Stuttgart:Alle hängen sich an David

"Tatort" aus Stuttgart: Thorsten Lannert (Richy Müller, links) baut Vertrauen zu dem jungen David (Louis Guillaume) auf.

Thorsten Lannert (Richy Müller, links) baut Vertrauen zu dem jungen David (Louis Guillaume) auf.

(Foto: Benoit Linder/SWR/dpa)

Im neuen Fall mit Lannert und Bootz geht es um einen Mord durch einen Clan. Und niemand traut niemandem - nicht mal sich selbst.

Von Claudia Fromme

Der Patriarch fackelt nicht lang: "Wenn du die Familie aufgibst, bist du tot." Der Alte sitzt im Knast, die Kontrolle über seine Familie hat er trotzdem. Er macht seinem Sohn David (Louis Guillaume) bei einem Besuch klar, was er von ihm erwartet: Dass sich der 13-Jährige, der noch nicht strafmündig ist, allein der Familienehre verpflichtet. Also steht er Schmiere, als seine Cousins einen Juwelier überfallen. Und er hält die Tür zu, als eine Kundin flüchten will, am Ende ist sie tot. Und er nimmt die Waffe, die seine Cousins ihm in die Hand drücken und zielt auf den einzigen Zeugen. Für die Ehre.

Wer den Überfall begangen hat, weiß man sofort, wenn man nicht bereits in den ersten Minuten eine Toilettenpause eingelegt hat. Auch die Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) brauchen nicht lange, um auf den Clan zu kommen. Aber wer von ihnen war dabei? Wer ist der Mörder? Um das herauszufinden, hängen sie sich an das schwächste Glied: David.

Ist es okay, sich das Vertrauen eines Teenagers zu erschleichen?

So ist die Aufstellung im Krimi "Zerrissen" aus Stuttgart. Ambivalent sind alle. David, der seine Familie liebt, aber herauswill aus dem Schlamassel. Seine Betreuerin Annarosa, die auf der Straße gelebt hat und das sogenannte System hasst, obwohl sie weiß, dass es ihre Arbeit auf dem Jugendhof finanziert. Und schließlich die Ermittler, die einen Fall lösen wollen, aber sich zerstreiten über die Frage, ob es okay ist, sich das Vertrauen eines Teenagers zu erschleichen, um ans Ziel zu kommen. Natürlich nicht.

Keiner traut dem anderen, keiner traut sich selbst in dem Film von Sönke Lars Neuwöhner (Buch) und Martin Eigler (Buch und Regie). Und alle möchten David mit seinem klaren Kindergesicht für sich einspannen. Der Clan, die Polizei, die Sozialarbeiterin. Wem kann er trauen? Wer kann ihm trauen? Louis Guillaume spielt souverän und leise den verletzlichen David. Die Spannung in dem Film speist sich dabei vor allem aus der Frage: Schafft er es, sich von seiner kriminellen Familie zu lösen? Wem der Sinn nach einem stillen Psychogramm statt nach einer Verbrecherjagd steht: einschalten.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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