Fernsehen & Streaming:Das sind die Serien des Monats

"Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands" ehrt den "Muppets"-Erfinder Jim Henson mit einem Fantasy-Puppenspiel. Die dritte Staffel "Tote Mädchen lügen nicht" ist eine brutale Version von TKKG.

Aus der SZ-Redaktion

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Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands (Netflix)

Dark Crystal Netflix Dunkler Kristall

Quelle: Kevin Baker/Netflix

Mit "Der Dunkle Kristall" erschuf der Muppets-Erfinder Jim Henson 1982 eine düstere Fantasysaga, allein mit Puppen erzählt. In der zehnteiligen Netflix-Serie Der Dunkle Kristall: Ära des Widerstands erzählen Hensons Tochter Laura und der Regisseur Louis Leterrier nun die Vorgeschichte zum Kultfilm. Auf dem vordergründig friedlichen Planeten "Thra" braut sich ein Unglück zusammen: Die bösartigen, geierartigen "Skekse" nutzen ihre gutgläubigen Untertanen schamlos aus. Nur drei elfenartige "Gelflinge" versuchen, sich gegen das Unrecht aufzulehnen. Wer die etwas verkitschte Achtzigerjahre-Ästhetik übersehen kann, wird in der Ära des Widerstands etwas zauberhaft Analoges finden. Die echten Puppen, die hier in echten Kulissen spielen, geben dem Ganzen eine warme Lebendigkeit. Ein schnelleres Erzähltempo und tiefschichtigere Charaktere sorgen außerdem dafür, dass die Serie um einiges kurzweiliger ist als das Original.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Luise Checchin.

2 / 8

Tote Mädchen lügen nicht, Staffel drei (Netflix)

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Quelle: David Moir/Netflix

Tote Mädchen lügen nicht ist eine der beliebtesten, aber auch kontroversesten Netflix-Serien überhaupt. In der dritten Staffel wiederholt sich ein problematisches Muster aus der ersten: Die Schüler versuchen, ihre Probleme selbst zu regeln. Clay, der Liebling aus der ersten Staffel, und seine Freunde ermitteln auf eigene Faust, sodass Staffel drei bald wie eine brutale, spätpubertäre Version von TKKG wirkt. Zugespitzte Teenagerprobleme sind Beiwerk zum klassischen Whodunit. Jugendlichen ist das nicht zu empfehlen. Und wer die Schulzeit überstanden hat, kann auf Ohnmachtfantasien von Teenagern ja eigentlich auch verzichten.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Benedikt Frank.

3 / 8

Es war noch einmal (Arte)

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Quelle: Christophe Offret

Damit diese Serie über die Liebe nicht zu flach gerät, spielen die nur vier Folgen an vier verschiedenen Orten (Bordeaux, Paris, London, Island) und auf verschiedenen Zeitebenen. Vincent (Gaspard Ulliel) reist mithilfe eines Würfels in die Vergangenheit, in der Louise (Freya Mavor) noch seine Freundin war. Aber auch in der Gegenwart wird er von seinem Sohn gebraucht. Und die mysteriösen Eigentümer fordern ihren Würfel zurück. Trotz ihrer Komplexität ist Es war noch einmal unbedingt sehenswert. Gaspard Ulliel spielt den zwischen Verführer und Verunsichertem schwankenden Vincent ganz wunderbar, ebenso wie Freya Mavor die kühle und undurchsichtige Louise.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Kathrin Müller-Lancé

4 / 8

Free Meek (Amazon Prime)

Free Meek

Quelle: Amazon

Die Dokumentarserie erzählt die Geschichte eines unglaublichen Justizirrsinns: Robert Rihmeek Williams, der mittlerweile ein bekannter Rapper ist, wurde 2007 in Philadelphia unter zweifelhaften Umständen bei einer Polizeirazzia festgenommen. Damals, 19-jährig, ist er ein Street Kid aus einem heruntergekommenen Viertel, ohne Geld, ohne Kontakte, ohne eine Chance sich angemessen zu verteidigen in einem System, das ihn 2008 wegen illegalen Besitzes von Drogen und Waffen verurteilt. Acht Monate Gefängnis und - viel entscheidender in dieser Geschichte - zehn Jahre Bewährung, die dafür sorgen, dass die Strafjustiz ihn immer weiter schikanieren kann. Dass Meek Mills Geschichte zwischen der Masse an Real-Crime-Serien und -Podcasts der letzten Jahre besonders sehenswert ist, liegt vor allem daran, dass sie sich auf gespenstische Weise als Parabel eignet für das zerrüttete Verhältnis von Amerikas Justizsystem und seiner schwarzen Bevölkerung.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Annett Scheffel.

5 / 8

23 Morde (Joyn)

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Quelle: Volker Roloff/Joyn

23 Menschen soll Maximilian Rapp (gespielt von Franz Dinda) umgebracht haben. Doch bald wird klar: Ein Serienkiller ist er nicht, zu viele Indizien sprechen dagegen. Aber weil er hypersensibel ist und damit ein besonderes Gespür für Tatorte und menschliche Abgründe besitzt, darf er der Berliner Polizei bei der Suche nach den wahren Mördern helfen. Dass ein Psychopath mit der Polizei ermittelt - neu ist diese Idee nicht. Dafür ist 23 Morde ziemlich unterhaltsam. Das Problem ist nur: Der Humor, der die Serie interessant macht, entzieht ihr zugleich die Daseinsgrundlage als ernstgemeinte Krimiserie.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Clara Lipkowski.

6 / 8

The Making of (Dazn)

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Quelle: DAZN

The Making of ist die erste globale Doku-Eigenproduktion des Streamingdiensts Dazn und sie folgt einer vergleichsweise simplen Dramaturgie: Es gibt einen Hauptdarsteller (José Mourinho, Cristiano Ronaldo und Neymar Jr.), einen besonderen Karrieremoment und einige Weggefährten, die sich mit dem Hauptdarsteller an diesen erinnern. Es gibt große Emotionen, ein bisschen Pathos und in jeder Folge ein Happy End. Nun sind natürlich keine kritischen Töne zu erwarten, wenn etwa Cristiano Ronaldo über Cristiano Ronaldo spricht, und natürlich ist auch The Making of eine weitere Erzählung seiner Heldengeschichte. Die Serie ist aber nicht überzeichnet wie die meisten neuen Fußball-Dokus. Durch ihre Schlichtheit schafft sie echte Intimität und macht vieles richtig, was andere zuletzt falsch machten.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Thomas Hürner.

7 / 8

The Murders (13th Street)

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Quelle: Bettina Strauss

An ihrem ersten Arbeitstag unterläuft der Mordkommissarin Kate Jameson (Jessica Lucas) ein folgenschwerer Fehler: Sie lässt ihre Dienstwaffe unbeaufsichtigt, so dass diese später in einer ihrer eigenen Ermittlungen als Mordwaffe wieder auftaucht. Weil eine solche Fahrlässigkeit ein Karriere-Aus bedeutet, nimmt sich ihr erfahrener Kollege Mike Huntley (Lochlyn Munro) der Sache an und vertuscht Kates Unachtsamkeit. Dieser Konflikt markiert den Ausgangspunkt für die Serie The Murders. Regisseur Damon Vignale spinnt darin Kates Versuch, ihren Fehler wieder auszubügeln, über die Episoden verteilt weiter, wobei jede einzelne Folge einen abgeschlossenen Kriminalfall darstellt.

Originell ist die Geschichte der jungen Kommissarin mit Vaterkomplex und Gewissenskonflikten, die sich in einer Männerdomäne durchsetzen möchte, eher nicht. Durch den klassischen dramaturgischen Aufbau und die wenig innovative Besetzung reiht sich "The Murders" als alte Bekannte in die Landschaft der Crime-Serien ein und tut eben das, was Krimi-Serien so tun: Mörder zur Strecke bringen - zur Not auch im Alleingang.

Jacqueline Dinser

8 / 8

Singles' Diaries (Joyn)

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Quelle: Markus S. Thiel

Die Miniserie Singles' Diaries erzählt in 16 Folgen, die alle nur zwischen fünf und neun Minuten lang sind, wie sie sich fünf junge Menschen auf dem Singlemarkt behaupten - mehr oder weniger erfolgreich. Manchmal wirken die Dialoge wie aus einer Frauenzeitschrift geklaut, aber die Serie zeigt auch, dass sie mit Stereotypen und klassischen Romcom-Elementen wunderbar spielen kann. Unterhaltsam ist Singles' Diaries vor allem dann, wenn man die gleiche Szene noch einmal aus einem anderen Blickwinkel sieht. Allmählich verstricken sich die Geschichten der fünf Singles miteinander, die Charaktere entwickeln sich weiter - aber da ist die Serie auch schon wieder vorbei.

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension von Maresa Sedlmeir.

© SZ.de/luch
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