TV-Serie:Zeitlos

TV-Serie: Da war noch alles gut: Vincent und Louise.

Da war noch alles gut: Vincent und Louise.

(Foto: Christophe Offret)

Die Arte-Miniserie "Es war noch einmal" spielt an verschiedenen Orten und auf verschiedenen Zeitebenen. Verwirrend, aber sehenswert.

Von Kathrin Müller-Lancé

Wenn Arte eine Serie über die Liebe zeigt, darf die natürlich nicht zu platt sein. Die Macher von Es war noch einmal haben deshalb so einiges aufgefahren: Die nur vier Folgen der Miniserie spielen an verschiedenen Orten (Bordeaux, Paris, London, Island) und auf mindestens vier verschiedenen Zeitebenen (vergangene Vergangenheit, Zeitreise-Vergangenheit, Gegenwart, und wahrscheinlich auch noch die ein oder andere dazwischenliegende Ebene, die sich in all dem Durcheinander nicht so ganz zuordnen lässt).

Der Plot, der dahintersteckt, ist folgender: Eines Tages bekommt Vincent (Gaspard Ulliel) irrtümlicherweise ein Paket zu viel geliefert, ein Paket, in dem ein großer Holzwürfel steckt. Einmal aus Neugier hineingekraxelt, bemerkt Vincent, dass er mithilfe dieses Werkzeugs in die Vergangenheit reisen kann. Und zwar genau in die Vergangenheit vor vier Monaten, als er noch mit Louise (Freya Mavor) zusammen war. Plötzlich kann er seiner Ex-Freundin wieder beim Frühstücksorangen-Pressen zusehen, sie küssen und mit ihr schlafen. Vincent findet zunehmend Gefallen an diesem Instrument, würde gar am liebsten der Vergangenheit bleiben - wäre da nicht auch das Leben in der Gegenwart, das irgendwie gewuppt werden müsste. Das Leben, zu dem sein kleiner Sohn gehört, seine nach wie vor anspruchsvolle Ex-Frau und sein schizophrener Bruder.

Der Topos der Zeitreise ist ja bereits hinreichend verhandelt worden in Film und Fernsehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Szenarien wird hier aber endlich auch mal die Frage aufgegriffen, was eigentlich in der Gegenwart passiert, wenn der Protagonist zeitreisenderweise unterwegs ist. Während Vincent mal wieder in der Vergangenheit damit beschäftigt ist, seine Beziehung zu retten, muss sich sein kleiner Sohn frittenfutternd die Wartezeit in einem Bistro vertreiben. Hinterher folgt die Abrechnung: "Ich mag diesen Würfel nicht. Du hast mich vergessen vorhin." Auch der Inhaber des Aquarium-Shops, in dem Vincent arbeitet, wird langsam misstrauisch ob der vielen Fehlzeiten.

Langsam bekommt Vincent zu spüren, dass es trotz seines Zauberwürfels nicht so einfach ist, die Beziehung zu Louise zu retten. Als Vincent einmal Besuch von seinem an Schizophrenie erkrankten Bruder bekommt, sagt der einen ziemlich bedeutenden Satz: "Du gewinnst Zeit, aber die Vergangenheit holt dich immer wieder ein. Es gibt nur einen Weg, sie zu ficken: Lass sie glauben, dass sie gewonnen hat." Der Schlüsselmoment in dieser verzwickten Geschichte?

Womöglich sind die knapp vier Stunden Dauer dieser Serie etwas zu knapp bemessen für all die komplexen Zeitebenen und Handlungsstränge. Denn neben der Geschichte von Vincent und Louise ist da auch noch die von Vincent und seinem älteren Nachbarn, der ihm auf einmal alte Familiengeheimnisse offenbart und im Keller an einer Bombe baut. Und die von Louise und der Frau, die sich am Bahnsteig gegenüber auf die U-Bahn-Gleise geworfen hat. Und dann tauchen schließlich auch noch isländische Profikiller auf, die ihren Würfel zurückhaben wollen.

Regisseur und Autor Guillaume Nicloux scheint ein Faible zu haben für schwierige Stoffe, 2014 produzierte er die etwas irre halbfiktionale Doku Die Entführung des Michel Houllebecq über den gleichnamigen französischen Schriftsteller. Trotz ihrer Komplexität ist auch seine neue Serie unbedingt sehenswert. Gaspard Ulliel spielt den zwischen Verführer und Verunsichertem schwankenden Vincent ganz wunderbar, ebenso wie Freya Mavor die kühle und undurchsichtige Louise. Die Musik ist in der Regel behutsam und dramaturgisch klug dosiert - bis auf die Szene, in der sich das junge Paar zum ersten Mal kennenlernt, zu Mick Softlys Song "Time Machine". Aber so ein bisschen Offensichtlichkeit ist eigentlich auch mal ganz erfrischend in dieser ansonsten sehr mysteriösen Serie.

Es war noch einmal..., abrufbar bei Netflix*

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© SZ vom 29.08.2019
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