Mehmet Scholl nach dem deutschen EM-Aus:"Absolute Gier nach Erfolg"

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Er wiederholte die Fragen, die Beckmann ihm stellte: "Woran liegt es, dass wir es nicht schaffen, Titel zu holen?" Und formulierte dann selbst Unklarheiten, auf die man gerne Antworten gehabt hätte. "Liegt es an der Struktur der Mannschaft, an der Zusammensetzung?" In dieser Richtung müsse man "so ein bisschen weiter machen".

Es ist kaum zu glauben: Aber in diesem Moment wuchs beim Zuseher der Wunsch nach Günther Netzer. Die argumentative Armut Scholls verhielt sich in dieser so entscheidenden TV-Situation umgekehrt proportional zu seinem Selbstbewusstsein - mit seiner versuchten Analyse scheiterte der sonst gewitzte 41-Jährige genauso wie das deutsche Team zuvor an den ausgebufften Italienern.

Beckmann versuchte es sogar noch einmal: Die Bedingungen für Erfolg? Scholl: "Brutaler Teamgeist, absolute Gier nach Erfolg und da oben drauf kommt der persönliche Erfolg." Scholl schaute seinen Worten hinterher, als würde er sie selbst nicht ganz glauben. Beckmann unterbrach ihn, wollte zu einem Interview schalten, sagte deshalb: "Behalte den Gedanken noch mal." Doch wer solche Gedanken behält, der hat bald nichts mehr im Kopf außer heißer Luft.

Es ging dann noch um "gesunde Streitkultur", darum, dass "Reibung Reibereien erzeugt" und dass es "die Mischung macht". Krämpfe nach einer Niederlage sollten laut Scholl normal sein. Beckmann fragte: "Hat Dir also die letzte Hingabe bei der deutschen Mannschaft gefehlt?" Jetzt endlich also die Gelegenheit für ein klares Wort? Scholl antwortete: "Das kann man so nicht sagen."

Jeder habe sein Bestes gegeben. Scholl sinnierte weiter vor sich hin, schaute wieder einen Punkt irgendwo im gedachten Nirwana an, ein Nirwana, in das er auch gerade seine Zuschauer hineinredete. Jeder müsse sich hinterfragen, erklärte Scholl irgendwann noch. Er meinte damit offenbar nicht sich selbst. "Aber keiner wird einem diese Fragen beantworten."

Auch Scholl beantwortete an diesem Abend keine Fragen. Die EM ist nicht nur für die DFB-Elf vorbei, auch für die ARD. Vielleicht ist das ganz gut so. Man hätte es kaum für möglich gehalten, das bei dieser EM noch einmal zu sagen: Danke, ZDF.

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