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Medien:Auf dem Scheck stand die Trump-Stiftung - ein Verstoß gegen geltendes Recht

Fahrentholds Recherchen illustrieren gut, wie bei der Post gearbeitet wird: Im Januar sah er in Iowa, wie Trump einen riesigen Scheck an eine Hilfsorganisation übergab. Zuvor hatte er getönt, Millionen für Ex-Soldaten zu sammeln und selbst eine Million spenden zu wollen. Auf dem Scheck stand der Name der Trump-Stiftung - ein Verstoß gegen geltendes Recht. Fahrenthold wollte aber vor allem prüfen, ob der Milliardär sein Versprechen eingehalten hatte. Als ihm dessen Sprecher keine Beweise lieferte, fragte er Veteranenverbände am Telefon, per Tweet oder E-Mail nach Spenden von Trump und hielt deren Antworten handschriftlich fest. "Die Fotos aus meinem Notizblock lud ich bei Twitter hoch. So konnte ich den Trump-Fans zeigen, dass dies keine Hexenjagd ist."

Unter dem öffentlichen Druck reagierte Trump: Im Mai überwies er eine Million Dollar an eine kleine Stiftung. Kurz darauf traf Fahrenthold Chefredakteur Marty Baron am Aufzug: "Er gab mir den Auftrag, alle Spenden zu prüfen, die Trump jemals gemacht hatte. Wenn Trump seine Versprechen nicht hält, während er fürs Weiße Haus kandidiert, was hat er dann früher verborgen?" Er konnte nachweisen, dass Trump seine Stiftung dafür genutzt hatte, Rechtsstreitigkeiten seiner Firmen beizulegen oder Ölporträts von sich zu kaufen.

"Trump mag es mit der Wahrheit nicht so ernst nehmen, aber wir sind ihr verpflichtet."

Die Herausforderung für 2017 umschreibt Fahrenthold so: "Dieser Präsident ist bereit, jederzeit zu lügen und wir müssen ihn sofort korrigieren." Entscheidend werde das Tempo sein. Bloßstellungen einzelner Reporter wie jüngst CNN-Korrespondent Jim Acosta dürften zur Routine werden. Fahrenthold rechnet nicht mit einer Solidaritätswelle unter den Politjournalisten. Dafür sei die Konkurrenz zu groß und das Klima zu rau.

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Zwei Fragen bleiben offen: Hält die Spendenbereitschaft an, sodass Medienunternehmen dauerhaft mehr Recherchen finanzieren können? Oder werden viele Solidaritäts-Abos bald gekündigt? Hier ist die Post dank ihres Mäzens Jeff Bezos in einer komfortablen Lage. Aber auch bei der Hauptstadt-Zeitung weiß man nicht, wie jene Millionen US-Amerikaner erreicht werden sollen, die alle "Mainstream-Medien" pauschal für voreingenommen halten.

Eines dürfe keinesfalls passieren, warnt Reporter Fahrenthold: "Trump darf uns nicht dazu verleiten, unsere Standards zu missachten." Die Veröffentlichung des Dossiers mit kompromittierendem Material über Trump sei fahrlässig. Bis heute hat die Post kein Detail genannt, weil man die Behauptungen nicht verifizieren konnte. Die pikanten Stellen einfach bei Buzzfeed abzuschreiben, kommt für Fahrenthold nicht in Frage: "Trump mag es mit der Wahrheit nicht so ernst nehmen, aber wir sind ihr verpflichtet."

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