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ZDF-Interview:"Ein weiteres dunkles Kapitel"

B. Höcke beim ZDF Interview, das er später abbrach

Björn Höcke beim ZDF-Interview, das er später abbrach.

(Foto: ZDF/Youtube)

Björn Höcke bricht ein Interview mit dem ZDF ab. Was das über das schwierige Verhältnis der AfD zu den Medien sagt - und das zwischen Politikern und Journalisten allgemein.

Gut 13 Minuten dauert das eigentümliche Interview, dann kommt ein Satz, den man schwer nicht als Drohung verstehen kann. "Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat", erklärt Björn Höcke dem ZDF-Journalisten. Nein, dies sei keine Drohung, antwortet der AfD-Politiker auf Nachfrage, schiebt aber ein paar Minuten später nach: "Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Lande. Könnte doch sein." Zum Schluss fällt noch der Satz: "Dann wünsche Ihnen noch viel Erfolg in Ihrer Karriere."

Minutenlang geht es da bereits hin und her zwischen dem thüringischen AfD-Landesvorsitzenden, seinem Sprecher und einem ZDF-Redakteur. Es sollte ein Interview für die Sendung Berlin direkt werden, das ZDF hat es nun in voller Länge veröffentlicht, weil es am Ende zu diesem Eklat kommt. Höcke wird darin zunächst mit der Frage konfrontiert, ob es in seiner Sprache Anleihen aus der NS-Terminologie gäbe. Er erklärt sich wortreich, bis sein Pressesprecher eingreift und eine Wiederholung der Aufzeichnung verlangt. Fragen hätten "Herrn Höcke stark emotionalisiert", sagt der Sprecher. Dann bricht Höcke ab.

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Für das ZDF sind Höckes Sätze nicht nur eine Drohung, sondern auch ein Angriff auf Journalisten generell. Chefredakteur Peter Frey lobte im Mittagsmagazin den verantwortlichen Redakteur und sagte, dass Höcke die Rolle aller Journalisten in der Republik infrage stelle. Wichtig sei, wie sich die Partei dazu stelle, so Frey: "Deckt man das oder distanziert man sich?"

Dass Politiker mit Fragen oder dem Verlauf von Interviews nicht einverstanden sind, kommt immer wieder vor. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach verließ im Sommer 2017 öffentlichkeitswirksam die Sendung Maischberger in der ARD, wenige Wochen später tat es ihm die damalige AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel im ZDF-Wahltalk gleich. Von Ex-Kanzler Helmut Kohl ist bekannt, dass er mit dem Spiegel und dem Stern grundsätzlich nicht redete. Auch Prominente und Sportler brechen immer mal wieder Interviews ab.

Der AfD-Vorsitzende Gauland weigert sich, Zuschauerfragen zu beantworten

Gern versuchen Politiker auch, vorab genau festzulegen, was in Fernsehinterviews gefragt wird. Oder sie wollen aussuchen, welcher Reporter sie interviewt. Generell ist es bei Printinterviews üblich, dass Politiker sich Aussagen vor dem Abdruck noch zur Autorisierung vorlegen lassen. Nicht selten kommen dann stark veränderte Interviews zurück, in denen Referenten von Parteien oder Ministerien herumgestrichen haben, bis wenig vom Gesagten übrig ist. Die Texte können dann manchmal nicht mehr gedruckt oder online gestellt werden. Beim Fernsehen gibt es diese Autorisierung in der Regel nicht, auch nicht bei dem Interview mit Höcke, teilt das ZDF mit.

Die AfD schottet sich in Teilen besonders ab. Sie fühlt sich notorisch schlecht behandelt. In mehreren Landesverbänden hat sie Journalisten den Zugang zu Parteitagen verweigert. Gerade Höcke sagt Interviewanfragen insbesondere dann ab, wenn er politisch in Bedrängnis ist.

Aber Drohungen, selbst angedeutete, sind etwas anderes. Ähnlich gewichtig wie das ZDF ordnet deshalb auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) die Aussagen Höckes ein. Der Bundesvorsitzende Frank Überall nennt es ein "weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit". Es gebe allgemein immer wieder Versuche von Interviewten, eine Aussage zu wiederholen, die als nicht so gelungen wahrgenommen werde, sagt DJV-Sprecher Hendrik Zörner auf Nachfrage. Doch meist seien das keine spektakulären Fälle, "deswegen dringt das nicht nach außen". Er sieht vor allem in der versteckten Drohung eine "neue Dimension".

Höckes Parteivorsitzender Alexander Gauland machte es sich am Wochenende einfacher. Im Sommerinterview der ARD gab er zwar ausdauernd Antworten auf die Fragen der Reporterin. Aber er weigerte sich, anders als die Spitzen anderer Parteien, auf ihm vorher nicht bekannte Zuschauerfragen zu antworten, mit den Worten: "Warum muss ich sozusagen in ein schwarzes Loch gucken?"

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