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Gerhard Schröder bei Beckmann:Mit den Amerikanern kann er noch immer nicht

Schröder will für Verständnis werben. Ja, er habe "sehr deutlich öffentlich gesagt, dass ich die Gesetz gegen homosexuelle Kontakte für falsch halte". Niemand solle darüber hinwegsehen, dass es in Russland Probleme mit der Demokratie gebe. Nur: Russland habe überhaupt keine oder nur wenig Erfahrung mit Demokratie. Das seien langwierige Prozesse. Russland solle dafür nur die nötige Zeit gegeben werden.

Auf der anderen Seite die Amerikaner. Mit denen kann Schröder nicht so. Kulturell und so. Nicht seins. Und jetzt sollen die sein Handy ausgespäht haben, als er Kanzler war? "Das kann nicht sein", sagt Schröder. Er grinst. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt ein Handy. Jetzt auch nicht." - Jetzt auch nicht? - Es sei wie damals. Wenn er telefonieren müsse, dann frage er einen Sicherheitsbeamten nach dessen Handy.

Im Übrigen: "Spionage hat es ja immer gegeben." Aber er findet auch, dass die Amerikaner offenbar die Kanzlerin und wahrscheinlich auch die gesamte Regierung ausspähen, das sei ein "ernstes Zerwürfnis". Das sei "ein Maß an Misstrauen der Amerikaner den eigenen Partnern gegenüber, das man nicht hinnehmen sollte".

Und wenn die Russen eine amerikanische Diplomatin abhören und einen europafeindlichen Satz an die Öffentlichkeit lancieren: Nicht gut, sagt Schröder. Aber "Was sich auch nicht gehört, ist: Fuck the EU." Er sagt das mit so einem diebischen Lächeln, als wenn er sich freut, dass die Amis bei einem bösen Fauxpas erwischt wurden.

Es geht noch ein wenig um Deutschlands Rolle in der Welt (Rad nicht neu erfinden, da weitermachen, wo Rot-Grün aufgehört hat), Europa, die Linke, Sigmar Gabriel, die Agenda 2010 ("Ich würde, was den Kern angeht, nichts anders machen").

Die SPD muss wohl vor Schröder zittern

Aber er muss auch noch etwas zur aktuellen Politik der großen Koalition loswerden. Die Rentenbeschlüsse treiben ihn um. 160 Milliarden Euro kosten bis 2030 die Rente mit 63 und die Mütterrente.

Ginge es nach ihm, würde er die Hälfte dessen, was für die Rente ausgegeben werde, in Bildung investieren. "Ich fürchte, durch diese Wohltaten kommt der Generationenvertrag ins Rutschen", sagt Schröder. Aber ist das gerecht, wenn ein Dachdecker noch bis 67 arbeiten müsse, fragt Beckmann? Schröder kontert: "Ist es nicht noch ungerechter, wenn die nächste Generation das bezahlen muss und dann noch weniger Rente bekommt?"

Da sagt Beckmann dann nichts mehr.

Schröder kann heute entspannt gegen die Regierung meckern. Er ist lange genug raus aus dem Kanzleramt. Jahrelang hat er sich eher zurückgehalten. Wenn überhaupt, hat er seine SPD hin und wieder aufgefordert, aus der Agenda 2010 kein Heiligtum zu machen. Das seien "nicht die zehn Gebote. Und ich bin nicht Moses." Aber die Rente, das geht wohl zu weit.

Ab jetzt scheint Schluss mit Ruhe: "Für mich ist entscheidend, das zu sagen, was ich denke", sagt er in der Beckmann-Sendung. Klingt wie eine Warnung. Seine Genossen dürften also Spaß mit ihm haben in den kommenden Jahren.

© SZ.de/gba/liv
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