Baden-Württemberg: Elefantenrunde im TV:"Wir sind ja nicht ganz blöd"

Lesezeit: 4 min

Schon beim TV-Duell zwischen Schmid und Mappus vor einer Woche sah manch ein Beobachter den SPD-Mann als Gewinner. Der Finanzexperte bleibt auch in der Elefantenrunde seinem sachlichen Stil treu und bietet der Konkurrenz kaum Angriffsfläche. In Umfragen liegt er Kopf an Kopf mit dem Grünen-Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann, mit dem er sich gut versteht. Jüngst ließen sich beide Hand in Hand mit einem rot-grünen Schal fotografieren.

BDI Dokument Brüderle

Das BDI-Dokument zu der protokollierten Aussage Brüderles.

(Foto: sueddeutsche.de)

Angesichts der Atomdebatte galt Kretschmann bislang als leichter Favorit gegenüber Schmid. Doch an diesem Abend patzt der Grüne. Sein Eingangsstatement versemmelt er völlig. Von einem "klaren Ja" spricht er, um sich dann räuspernd zu korrigeren: Ein klares Nein zur Atomkraft, das stehe schon in der Gründungsurkunde seiner Partei. Später nennt er das havarierte Kraftwerk in Japan "Fujiyama" statt Fukushima - und schüttelt darüber selbst verärgert den Kopf.

Ministerpräsident Mappus bleibt auch bei den Themen Bildungspolitik, EnBW oder Stuttgart 21 in seinen Statements fehlerlos. Nach vielen Wochen Wahlkampf sind sie bei allen Beteiligten gut abgehangen. Mappus echauffiert sich jedoch zwei Mal, weil er findet, Moderator Michael Zeiß gebe ihm nicht genügend Redezeit. Einmal kann er Zeiß umstimmen, ein zweites Mal blitzt er ab. Die Regie ist gnädig: Mappus ist nicht zu sehen, nur im Hintergrund zu hören, während er lautstark auf Zeiß einredet.

Die Konkurrenz nimmt es gelassen hin. Zurückhaltend ist vor allem Roland Hamm, der Kandidat der Linken. "Wir sind ja nicht ganz blöd", hatte er eingangs auf die Frage geantwortet, ob seine Partei sofort aus der Atomkraft herauswolle. Das ist dem Gewerkschaftler anschließend offenbar so peinlich, dass er sich in der Folge beinahe bei jeder Frage der Meinung von SPD und Grünen anschließt - und bloß kein Risiko eingeht.

Auch Mappus bleibt sich treu und rechnet zum Schluss noch einmal seine Erfolgsbilanz vor - wirtschaftlich sei das Ländle kaum zu schlagen, die Jugendarbeitslosigkeit etwa sei die niedrigste in ganz Europa. Um 21:46 Uhr ist dann Schluss, und während der Abspann läuft und die Kamera das Studio aus der Vogelperspektive zeigt, hört man einen der Teilnehmer zum Moderator sagen: "Ich bin wirklich begeistert". Dem ironischen Tonfall zufolge könnte es Mappus gewesen sein.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB