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Durchbruch bei den Benin-Bronzen:Erste Rückgaben im kommenden Jahr

Benin-Bronzen

400 Jahre schmückten die Bronzen den Königspalast der Edo-Völker im heutigen Nigeria. Dann wurden sie von britischen Soldaten in alle Welt verschleppt: Skulpturen und Reliefs im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.

(Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)

Eine Berliner Konferenz aus Museumsleuten, Bund und Ländern hat sich auf einen "Fahrplan" bis zum Sommer geeinigt. Von 2022 an sollen erste Stücke an Nigeria zurückgegeben werden.

Von Jörg Häntzschel und Sonja Zekri

Vom kommenden Jahr an will Deutschland die ersten Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben. Darauf haben sich am Donnerstagabend die Teilnehmer einer Online-Konferenz unter Leitung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters geeinigt. Bereits im Sommer sollen in einem konkreten "Fahrplan" die Schritte zu den Restitutionen festgelegt werden, heißt es im Abschlussdokument. Zu den Teilnehmern der Konferenz gehörten Vertreter der Museen mit substanziellen Benin-Sammlungen, darunter auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sowie kulturpolitische Verantwortliche aus Bund und Ländern. Damit ist nach Jahrzehnten des Streits ein großer Schritt in Richtung Restitution getan. Nun müssen die Absichtserklärungen in die Tat umgesetzt werden.

Die Debatte um die 1897 von britischen Soldaten geraubten und geplünderten Benin-Bronzen, die der Nachfolgestaat Nigeria seit Langem zurückfordert, steuerte in den vergangenen Wochen mehr und mehr auf Rückgaben zu. Baden-Württembergs Kunstministerin Theresia Bauer hatte einen Alleingang ihres Landes angekündigt, sollte es keine Einigung geben. Erleichtert wurde der Beschluss auch durch eine vor Kurzem in Nigeria gegründete Stiftung, die die Regierung, den Bundesstaat Edo und das Königshaus von Benin gemeinsam repräsentiert.

Der Zeitpunkt der Rückgabe erster Stücke von Deutschland an Nigeria hängt zusammen mit der Fertigstellung erster Gebäude des für die Bronzen geplanten Edo Museum of West African Art in Benin City. Dort will Deutschland den Bau eines Pavillons finanzieren, der bereits in eineinhalb Jahren fertiggestellt werden soll und der die ersten repatriierten Stücke aufnehmen kann, bis das Museum gebaut ist.

Grütters nennt es eine "historische Wegmarke im Umgang mit der kolonialen Vergangenheit".

Ein bedeutender Teil der etwa 5000 geplünderten Skulpturen und Reliefs aus dem Reich der Edo-Völker gelangte über den britischen Handel in deutsche Museen. Besonders die bevorstehende Fertigstellung des Berliner Humboldt-Forums erzwang nun eine Entscheidung. Ohne eine einvernehmliche und konkrete Festlegung auf Rückgaben ließe sich das neue deutsche Prestigemuseum kaum eröffnen.

Nun ist der Weg frei, eine Einigung mit den Nigerianern darüber zu erzielen, welche Stücke nach Benin City gehen werden - und ob oder wie viele der Bronzen als Leihgaben in Deutschland zu sehen sein können. Der Leiter der Kulturabteilung im Auswärtigen Amt, Andreas Görgen, wird demnächst weitere Gespräche mit den nigerianischen Verantwortlichen führen.

Monika Grütters nannte die Einigung eine "historische Wegmarke im Umgang mit der kolonialen Vergangenheit". Sie hob hervor, dass sich alle betroffenen deutschen Instanzen auf eine gemeinsam abgestimmte Haltung verständigt haben. Auch Barbara Plankensteiner war zufrieden, die als Direktorin des Hamburger Museums am Rothenbaum und Initiatorin der Benin Dialogue Group, eines Forums von Museumsleuten, seit Jahren an einer Lösung für die wertvollen Bronzen arbeitet. Die beschlossene Linie sei "beeindruckend". Sie sei sich sicher: "Es gibt keinen Weg zurück." Sie soll in den Gesprächen mit den nigerianischen Partnern die Museen vertreten, zusammen mit Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, lange Jahre einer der größten Bremser und Bedenkenträger.

Godfrey Ekhator, ein nigerianischer Historiker, der an der Vorbereitung der Restitutionen beteiligt ist, begrüßte die Entscheidung im Gespräch mit der SZ als "Schritt in die richtige Richtung" und als "Ölzweig" von der deutschen Seite. Mehr als ein Anfang könnten die jetzigen Beschlüsse aber nicht sein. Der nigerianische Künstler Enotie Ogbebor, der Mitglied im Aufsichtsrat des Legacy Restoration Trust ist, sagte am Telefon aus Nigeria, er hoffe, dass sich andere europäische Länder nun ebenfalls für Rückgaben entscheiden werden.

Kritisch äußerte sich hingegen der Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer: "Das Ergebnis des Benin-Gipfels ist eine Enttäuschung. Es verkündet lediglich, was in den letzten Jahren immer wieder verkündet, aber nicht mit Leben gefüllt wurde."

Kunstministerin Bauer aus Stuttgart entgegnete zu diesen Vorwürfen, mehr sei im Rahmen dieser informellen Konferenz nicht möglich gewesen, die Beschlüsse würden nun einmal in den Gremien von Bund und Ländern getroffen. Vor allem in den Bundesländern müssen teils noch Verfahren gefunden werden, um die Rückgaben der wertvollen Stücke aus öffentlichem Eigentum juristisch möglich zu machen.

Der erste bindende Beschluss über Rückgaben ist am 29. Juni zu erwarten. Dann wird im Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz über die Bronzen aus dem Ethnologischen Museum Berlin entschieden, mit 500 Werken die größte deutsche Sammlung und die zweitgrößte weltweit. Sollten die jetzt angekündigten "substanziellen" Rückgaben stattfinden wie versprochen, würde es sich um die weltweit umfangreichste Restitution von Raubgut aus Europas ehemaligen Kolonien handeln.

© SZ/cag
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