Viel Kulturkampf, wenig Ertrag: Der Start von Wolfram Weimer als Kulturstaatsminister verlief holprig. Nun cruist er auf dem Roller durch Bayreuth und sucht auf roten Teppichen nach einem neuen Image. Kann das gelingen?
Kulturpolitik in München
:Was bedeuten die ersten möglichen Einschnitte im Kulturetat 2027
Erste Zahlen sorgen in der Freien Szene für Beunruhigung. Kulturreferent Marek Wiechers spricht von Vorsorge. Er möchte ändern, dass sich sein Ressort überproportional an den Einsparungen beteiligt.
Sunny Hill Festival
:Dua Lipa, Königin von Kosovo
Das Land galt lange als düster, Touristen kamen so gut wie nie. Bis Dua Lipa und ihr Vater hier in Rekordzeit das hippste Popfestival im Balkan hinstellten. Was bekommt die Familie dafür im Gegenzug?
Wolfram Weimer
:Für wirklich jeden Spaß zu haben
In der „Bunten“ zeigt sich der Kulturstaatsminister verträumt auf einem Klavier liegend und mit seiner Frau auf einem Motorroller. Eine Lovestory zwischen Politik und Boulevard, wie sie große Tradition hat.
Eröffnung der Bregenzer Festspiele
:Die Frau für Schanzentisch und Seebühne
Lilli Paasikivi ließ sich als Opernsängerin mal für einen Auftritt im Schnee anseilen und scheute sich auch später nicht davor, Neues zu wagen. Eine gute Vorbereitung auf ihren Job als Intendantin am Bodensee.
Debatte
:Die Stunde der Dilettanten
Städte wie München und Berlin führen ein gefährliches Schauspiel auf: Wie beschädigen wir die Kultur durch Arroganz und Ahnungslosigkeit? Es ist eine Revue mit gewissem Ausgang.
Staatsgemäldesammlungen
:Ist das die Wende im Umgang mit dem Nazi-Erbe?
Bayern will die Erforschung seiner NS-Raubkunst in die Hände unabhängiger Experten legen – als Konsequenz des Skandals im vergangenen Jahr. Wie ernst ist es Kunstminister Blume mit seinen neuen Plänen?
Debatte
:Wir werden uns noch wundern
Der miserable Umgang der Münchner Politik mit der Kammerspiel-Intendantin Barbara Mundel passt in eine Zeit hohler Worte und Bekenntnisse. Wenn es ernst wird, sind Menschen und Institutionen nichts mehr wert in diesem Land.
Berliner Fördergeldaffäre
:„Untreue in einem besonders schweren Fall“
Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die frühere Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson aufgenommen. Der Vorwurf: Veruntreuung von Mitteln für die Antisemitismusprävention. Droht ihr sogar Haft?
Kulturaustausch
:Wir in der Welt: Das war mal selbstverständlich
Das Goethe-Institut feiert 75. Geburtstag – doch ausgelassen geht es dort gerade eher nicht zu: Der Spagat zwischen der deutschen Israel-Politik und der Haltung der weltweiten Kulturszene ist kaum noch zu schaffen.
Buchhandlungspreis
:Der „Golden Shop“ hat sich verkleidet
Statt linker Slogans zeigt die Bremer Buchhandlung seit dem Wochenende Zitate des Kulturstaatsministers auf der Fassade. Nun dürfte der staatlichen Förderung nichts mehr im Wege stehen.
MeinungKennedy Center
:Ein Ausblick auf den Tag, an dem Trump und seine Bewegung Vergangenheit sein werden
Auf Geheiß eines Richters musste der Name des US-Präsidenten an der Fassade des Kulturzentrums wieder abgeschraubt werden. Das Beispiel zeigt: Der Schaden, den er angerichtet hat, ist nicht so leicht zu beheben.
Theater
:Kannst selbst schauen, wo du bleibst, liebe Kunst
Höhere Kosten, klamme Kommunen und ein enormer Sanierungsbedarf bei den Gebäuden: Auf die Theater kommen harte Zeiten zu.
Kulturbauten
:Neubau der Düsseldorfer Oper abgesagt
Der prestigeträchtige Bau des Architekturbüros Snøhetta hätte die Innenstadt verändert. Jetzt wird er aus Spargründen komplett gestrichen. Stattdessen soll die „Deutsche Oper am Rhein“ saniert werden.
Theater
:Von der Politik im Stich gelassen
Saftige Mieterhöhung: Die Belegschaft des Berliner Maxim-Gorki- Theaters fürchtet um die Zukunft des Hauses.
Kulturpolitik
:Alles Ideologen, nur wir nicht
Sound der Verachtung: In ihren Programmen zu den Landtagswahlen im Herbst reduziert die AfD die Kultur zur Heimatpflege – und kündigt Überprüfungen an.
Slowakei
:Die Kulturszene begehrt auf gegen den nationalen „Hammer“
Künstler aus der Slowakei und dem Ausland wehren sich gegen die staatliche Zerschlagung der kulturellen Freiheit. Sie wollen ihre Arbeit nicht nur hier, sondern in ganz Europa verteidigen.
AfD
:„Das ist keine Provokation, das ist Ernst“
In Sachsen-Anhalt schwebt der AfD ein radikaler Umbau des Kulturbetriebs vor. Kein Wunder, in Museen und Theatern könnte sie viel schneller Fakten schaffen als in der Migration.
Merchandising
:Kitsch ist Königin
Für Museen wird Merchandising immer wichtiger als Einnahmequelle. In Versailles zum Beispiel machen sie mit Souvenirs von Marie-Antoinette beste Geschäfte. Und nicht nur dort.
Kulturpolitik
:Wo ist eigentlich Wolfram Weimer?
Theaterpreis? Nö. Musikpreis? Nö. Ein Jahr im Amt und viele, viele Absagen: Welche Termine der Kulturstaatsminister wahrgenommen hat – und welche nicht.
Kulturpolitik in Augsburg, Nürnberg, München
:Kann der weg? Wie Bayerns Metropolen gerade ihre Kulturreferenten abschaffen
Bis Sonntag war Jürgen Enninger Augsburgs Kulturreferent. Infolge der Kommunalwahl hat nicht nur er seinen Posten eingebüßt – dieser wurde gestrichen und der Bildungsreferentin zugeschlagen. Schwabens Metropole ist nicht die einzige Kommune, die so handelt.
Kulturpolitik
:Getrieben von der AfD
Stammt die Idee, Buchhandlungen und Verlage vom Verfassungsschutz überprüfen zu lassen, wirklich von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer? In Wahrheit stecken andere dahinter. Eine Rekonstruktion.
SZ-Podcast „In aller Ruhe“
:„Die gesamte Kulturbranche misstraut jetzt dem Ministerium“
Wolfram Weimers Umgang mit der freien Kultur richtet großen Schaden an, sagt der Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Berlin
:Wenn die To-do-Liste explodiert
In Berlin übernimmt Finanzsenator Stefan Evers nach dem Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson nun auch das Kulturressort. Sparen kann er – aber das wird nicht reichen, um der Hauptstadt gerecht zu werden.
Nach Fördermittel-Skandal
:Stefan Evers wird neuer Berliner Kultursenator
Der CDU-Politiker, seit drei Jahren Finanzsenator, übernimmt nun auch die Kulturverwaltung. Dort musste seine Vorgängerin gehen, weil sie Fördermittel rechtswidrig vergeben hatte.
Debatte
:Wo sind die Konservativen, wenn man sie braucht?
In Berlin hat sich Vetternwirtschaft als Kampf gegen Antisemitismus getarnt, Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson musste gehen. Dabei wäre eine bürgerliche Kulturpolitik derzeit so wichtig.
Kulturpolitik
:Haste mal ’n Euro?
Der Kulturetat des Bundes ist auf einem Höchststand – und trotzdem kämpft die freie Szene ums Überleben. Könnte man sich nicht ein Beispiel an Irland nehmen und ein Grundeinkommen für freischaffende Künstler einführen?
Italien
:Opernhaus von Venedig trennt sich von Meloni-Vertrauter
Beatrice Venezi wird doch nicht Generalmusikdirektorin am Theater „La Fenice“. Mitarbeiter des Hauses hatten bereits protestiert. Nun gab wohl eine Aussage der Dirigentin in einem Interview den Ausschlag.
Kunst und Politik
:Brüssel bestraft Venedig
Wegen der Teilnahme Russlands bei der Biennale friert die EU-Kommission Fördergelder ein. Die Jury erklärt unterdessen, sie werde keine Preise an Künstler aus Russland und Israel vergeben.
Berlin
:Aus nach elf Monaten
Zunächst wollte Sarah Wedl-Wilson bei der vom Landesrechnungshof gerügten Fördermittelvergabe „Fehler korrigieren“, nun ist die Senatorin zurückgetreten. Wer führt künftig Berlins Kulturverwaltung?
MeinungFördermittelaffäre
:Die Berliner CDU führt sich mit diesem Bauernopfer selbst vor
Im Streit um die Vergabe öffentlicher Gelder hat nur ein Politiker eine akzeptable Figur gemacht. Doch ausgerechnet er muss jetzt gehen.
Berlin
:Kulturstaatssekretär Friederici muss gehen – Streit über Fördermittel
Im Raum steht der Verdacht unzulässiger Einflussnahme bei der Vergabe von Fördermitteln, auch Verstöße gegen das Haushaltsrecht werden nicht ausgeschlossen. Nun hat der Vorgang personelle Konsequenzen.
Migrationsgesellschaft
:Wirklich offen für alle?
Ein Drittel der deutschen Bevölkerung sind Einwanderer. Das muss sich auch in den Museen niederschlagen, fordert der Museumsbund. Der Leitfaden, den er dazu jetzt herausgegeben hat, rührt an das Selbstverständnis der Institutionen – und des Landes.
Restitution
:Kunstraub gilt nun als Bruch internationalen Rechts
Ein neues Gesetz erleichtert es amerikanischen Staatsbürgern, NS-Raubkunst ihrer Vorfahren zurückzuerlangen – auch aus deutschen Sammlungen. Wird es die Gerechtigkeit bringen, auf die sie so lange warten mussten?
Debatte
:Ungarn? Trinken und auf Handys starren
Viktor Orbán und seine Leute reden ständig von nationaler Kultur. Aber was das ist, außer Wurst und Paprika, weiß kaum noch jemand. Selbst wenn der Premier nicht noch eine Wahl gewinnt: Was zerstört ist, wird schwer wieder aufzubauen sein.
Kulturpolitik
:„So einen Eingriff hat es noch nie gegeben“
Wolfram Weimer scheint weiterhin kein Problem damit zu haben, sich in die Arbeit unabhängiger Jurys einzumischen. Jetzt ist der Hauptstadtkulturfonds dran. Wird die Praxis bald zur Routine?
Kulturpolitik
:Was bedeutet das Sparpaket für die Münchner Kammerspiele?
Die Kammerspiele und die Stadt München haben ein Sparpaket vereinbart. Es bedeutet weniger Geld für das Theater und langfristig weniger Stellen. Warum diese Einigung trotzdem vom Theater gewollt war.
Buchhandlungspreis
:Extremisten überall
Will Kulturstaatsminister Weimer bald Jurys für Preise und Stipendien auf ihre Gesinnung überprüfen? Die Buchmesse ist alarmiert. Auch im Bundestag geht das vielen zu weit. Aber nicht allen.
Die Prinzen
:Dann hasst mich doch
Sebastian Krumbiegel hat immer gepfiffen auf die oberste Regel des Showgeschäfts: keine Politik. Er kann gar nicht anders, als den Mund aufzumachen, als Musiker, als Deutscher, als Kind der DDR. Und ja, das hat seinen Preis.
Verfassungsrecht
:Im Gesetz nicht vorgesehen
Mit dem Verfassungsschutz gegen Buchläden und Umweltprojekte? Über das politische Weltbild hinter dem „Haber-Verfahren“ und dessen wackelige rechtliche Grundlage.
Verfassungsschutz
:„Wir halten diese Art der Gesinnungsprüfung für vollkommen inakzeptabel“
Wolfram Weimer verteidigt sein Vorgehen gegen drei linke Buchhandlungen als Kampf gegen den Extremismus. Ein Gespräch mit Sebastian Guggolz, Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, darüber, ob ein Boykott des Buchhandlungspreises die richtige Lösung ist.
Debatte
:Von wegen Freiheit
„In diesen Zeiten“ sei Literatur unverzichtbarer denn je, behauptet Wolfram Weimer – um dann drei Buchhandlungen von einer Preisliste zu schmeißen. Warum das der falscheste Ort für Terrorabwehr ist.
Kunst
:Warum wurde ein Programm für Künstler im Exil eingestellt?
Eigentlich sollte „Goethe-Institut im Exil“ noch bis Juni laufen – nun wurde die Reihe mit sofortiger Wirkung beendet. Fragt man bei den Verantwortlichen nach den Gründen, bekommt man Antworten zwischen Schweigen und Verzweiflung.
Film
:Willkommen am Abgrund
Die Berlinale erlebt die schlimmste Krise ihrer Geschichte. Nahost-Debatten, Aktionismus und auch die deutsche Kulturpolitik beschädigen das Festival massiv. Die Zukunft von Intendantin Tricia Tuttle ist völlig unklar. Rekonstruktion eines Totalschadens.
Sachbuch
:Labern gegen rechts?
Christoph Bartmann nimmt den Kulturkampf von AfD und Co. leider zu oberflächlich in den Blick – und tut fatalerweise auch noch so, als wäre die harte Rechte an Feinheiten der Ästhetik interessiert.
Bayerische Kulturpolitik
:Theater Regensburg wird im Mai zum Staatstheater
Das Haus am Regensburger Bismarckplatz ist künftig Staatstheater Nummer sechs im Freistaat. Festakt am 8. Mai.
Jack Lang
:Frankreichs berühmtester Kulturpolitiker stürzt über Epstein-Akten
Jack Lang und seine Tochter waren in Millionen-Deals mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verwickelt. Die Justiz ermittelt.
Theater
:„Die Bühne ist ein gefährlicher Raum, und sie muss gefährlich bleiben“
Ersan Mondtag inszeniert am Münchner Residenztheater „Munich Machine“ von Albert Ostermaier. Ein Gespräch über die coole Uncoolness von München und darüber, warum das Theater kein sicherer Ort sein darf.
Die Munich-Speech-Reihe von Dietlinde Behncke
:Menschen, die etwas bewegen wollen
Großes Netzwerk, feine Gäste: Die Munich Speeches von Dietlinde Behncke haben sich in mehr als zehn Jahren zu einer festen Institution entwickelt. Sprecher sind Menschen aus Kultur, Politik und Wirtschaft. Die Zuhörer: so bunt wie die Pop-Seats der Veranstaltungsreihe.
Berühmte Arie
:Buuuuuuuuuh!
Im Londoner Opera House quittieren die Zuschauer eine „Turandot“-Aufführung ohne „Nessun dorma“ mit Buh-Rufen – und bekommen Geld zurück. Richtig so.