Musikvideo zu "Famous" Kanye West nackt im Bett mit Taylor Swift und Donald Trump

"I feel like me and Taylor might still have sex": Die Kardashian-Wests im Bett mit Taylor Swift.

(Foto: Screenshot Tidal)

Das neue Musikvideo von Kanye West ist der ultimative Klickköder. Und doch große Kunst.

Von Julian Dörr

Kanye West feiert eine Orgie mit Donald Trump und Taylor Swift. Mal ganz ehrlich, würden Sie auf so eine Geschichte klicken? Eben. Und weil Kanye West weiß, was die Welt in ihrem dunkelsten Innern zusammenhält, hat er mit seinem neuen Musikvideo den ultimativen Klickköder geschaffen. Donald Trump, Taylor Swift, Rihanna und Bill Cosby - alle nackt im selben Bett.

Am Freitagabend präsentierte Kanye West das Video zu seinem Song "Famous" vor 8000 geladenen Gästen in Los Angeles. Zeitgleich startete der exklusive Stream auf Tidal, der Musikplattform von Geschäftspartner Jay Z. Monatelang hatte West an diesem ersten Video zu seiner unvollendeten Album-Baustelle "The Life of Pablo" gearbeitet. Wobei man hier eigentlich kaum noch von einem Musikvideo sprechen kann. Der Song selbst ist kaum drei Minuten lang, der Rest sind Schnarch- und Schmatzgeräusche.

Das Video zu "Famous" ist das letzte Abendmahl nach People

Zehn Minuten lang gleitet die Kamera über die schlafenden Körper der nackten Berühmtheiten, oder genauer: die wächsernen Nachbildungen der schlafenden Körper der nackten Berühmtheiten. Ein grobkörniges Homevideo - eine Ästhetik, reserviert für die privaten, die intimen Momente des Lebens. Beinahe obsessiv verharrt die Kamera für ein paar Sekunden auf einer Brust, einer Tätowierung, einem im Schlaf geöffneten Mund. Berühmt sein, das heißt, ständig beobachtet zu werden - von einem unerwünschten Eindringling. Ein Kommentar zur Celebrity-Kultur in den USA soll "Famous" sein, wie West selbst in einem Interview sagte. So weit, so platt.

Schon zur Albumveröffentlichung hatten Wests lyrische Sex-Fantasien mit Taylor Swift einen kleinen, wohlkalkulierten Skandal ausgelöst. Wenn er nun zur Textzeile "I feel like me and Taylor might still have sex" die nackte Wachs-Sängerin zeigt, dann funktioniert seine Paparazzo-Kritik nach denselben Mechanismen, die sie verdammt. Einerseits. Andererseits ist Kanye Wests "Famous" gleichzeitig so fein arrangiert und grobschlächtig hingeklotzt wie es nur große Pop-Kunst sein kann.

Rihanna liegt neben Chris Brown, ihrem handgreiflichen Ex-Partner, Schwiegermutter Caitlyn Jenner ist dabei und George W. Bush, dem West einst vorgeworfen hat, sich nicht um Schwarze zu kümmern. Hinter Kim Kardashian liegt ihr Ex Ray J, mit dem sie einmal ein intimes Video in ähnlicher Optik gedreht hat. Und mittendrin: Donald Trump und Taylor Swift. Ein Pseudo-Skandal als Pseudo-Skandal. Gebt den Leuten, was sie begehren! "Famous" ist Boulevard-Kunst, das letzte Abendmahl nach People. Und Jesus Yeezy schläft über allen, als Star der Stars.

Er sei inspiriert von Matthew Barneys lebendigen Skulpturen und den Werken des amerikanischen Malers Vincent Desiderio, sagte West im Interview. Doch das kümmert kaum jemanden. Denn das Netz rätselt: Wer ist echt? Wer ist Wachsfigur? Und geht damit prompt in die Falle. Denn das spielt hier überhaupt keine Rolle. Der echte Kanye West hat sein Leben zur Kunst gemacht. Er hat mit Kim Kardashian die Frau geheiratet, die wie keine Zweite in der westlichen Welt berühmt dafür ist, berühmt zu sein. Er hat seine Kinder North und Saint genannt. Das ist bisweilen lächerlich, überkandidelt und nervtötend. Es ist aber auch große Kunst.

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