Erster Weltkrieg und PropagandaMobilmachung der Kartoffel

Die Ausstellung "Krieg & Propaganda 14/18" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe demonstriert anhand zahlreicher zeitgenössischer Artefakte, wie die Hetze zum ersten Sieger im Ersten Weltkrieg wurde. Leider ist die Freude am Kunstgewerbe dann aber größer als die an der Analyse.

Von Willi Winkler

Die Ausstellung "Krieg & Propaganda 14/18" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe demonstriert anhand zahlreicher zeitgenössischer Artefakte, wie die Hetze zum ersten Sieger im Ersten Weltkrieg wurde. Leider ist die Freude am Kunstgewerbe dann doch aber größer als die an der Analyse.

Auch Krieg ist eine Kunst. Kaum ging es los am 1. August 1914, wandelte sich der Kaiser- und Soldatenkritiker Ludwig Thoma zum finstersten Militaristen und bettelte um gefl. Verwendung im Felde.

Theodor Heuss, den Redakteur der von Thoma herausgegebenen Kunst- und Literaturzeitschrift März, wies er an, statt "internationaler Gerechtigkeiten" den Krieg ins Blatt zu heben. "Heute interessiert man sich in Deutschland unendlich mehr für die Qualität eines Stahlrohrs als für den ganzen, eitlen kunsthistorischen Mist."

Der Krieg braucht diese Propaganda, und der von 1914 bis 1918 bot die erste Gelegenheit für ein multimediales Flächenbombardement. Die Werbung, das belegt die Ausstellung "Krieg & Propaganda 14/18" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, war der erste Sieger in einem Krieg, in dem die Deutschen mit ihrem Kaiser "durch Dick und Dünn / durch Not und Tod" gehen sollten. Werbung gab es seit Evas Angebot mit dem Paradiesapfel, aber jetzt wurde aus allen Rohren gefeuert.

Ansicht der Ausstellung "Krieg und Propaganda 14/18" im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg

Bild: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg / Michaela Hille 23. Juli 2014, 11:362014-07-23 11:36:48 © SZ vom 23.7.2014/pak/odg