Arbeitsmarkt:In fachfremden Bereichen lässt sich mehr Geld verdienen

Ähnlich sieht es bei den Stellenangeboten aus: Das Portal Joblift sammelt die Offerten aller Online-Jobbörsen und wertet sie aus. Für die Geisteswissenschaften stieg die Zahl der Ausschreibungen in den letzten 24 Monaten um 17 Prozent an. Zum Vergleich: Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften waren es 14 Prozent. Insgesamt gibt es für Bewerber mit BWL-Abschluss immer noch weitaus mehr Angebote. Aber der Markt für Geistes- und Kulturwissenschaftler verbreitert sich - und zwar längst nicht nur im Bereich Marketing und PR.

Eine, die davon profitiert, ist Susanne Gildehaus. Die 30-Jährige sitzt am Flughafen von Peking, wartet auf ihren Flug nach Seoul und schildert ihren Arbeitstag: "Heute Vormittag habe ich Daten von Elektrofahrzeugen aus China eingelesen. Wir schauen, wie sich diese Fahrzeuge durch den Verkehr in Peking bewegt haben. Heute Nachmittag hatten wir dann einen Erfahrungsaustausch mit Big-Data-Professionals anderer Firmen aus China."

Gildehaus arbeitet als Big-Data-Scientist bei einer Außenstelle des Autobauers Daimler in Peking. Ihr Job ist es, große Mengen von Daten zu analysieren und passende Algorithmen dazu zu schreiben. In Kiel hat sie Psychologie studiert, im weitesten Sinne ebenfalls eine Kulturwissenschaft. Es war "das einzige Fach, das mich gereizt hat". Nach dem Vordiplom folgte das erste Praktikum bei Daimler.

Info

Wenn Geisteswissenschaften in herkömmlichen Berufen arbeiten, verdienen sie im Schnitt deutlich weniger als Absolventen von Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften. Das ändert sich auch im Laufe ihrer Berufsbiografie nicht. Wie Auswertungen der Datenbank Gehalt.de zeigen, ist der Abstand auch noch nach Jahrzehnten groß. Während Geisteswissenschaftler mit 33 000 Euro ins Berufsleben einsteigen, erzielen Ingenieurwissenschaftler 49 000 Euro und Wirtschaftswissenschaftler 43 000 Euro im Jahr. Anders sieht es aus, wenn Geisteswissenschaftler Führungspositionen einnehmen oder in fachfremden Bereichen Fuß fassen.

Gildehaus hat beobachtet, dass sich seit einiger Zeit im Unternehmen etwas ändert: "Mittlerweile findet bei Daimler ein Umdenken statt. Das liegt daran, dass amerikanische Firmen wie Amazon und Facebook auf dem globalen Markt immer wichtiger werden und der amerikanische Gedanke auch bei deutschen Unternehmen um sich greift: Es ist nicht mehr so wichtig, was man studiert hat, sondern vor allem, was man heute kann."

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