Berufseinstieg Wer braucht schon BWL?

Selten wird in einer Stellenausschreibung gezielt eine Geografin gesucht. Ariane Bernecker hat mit ihrer Studienwahl trotzdem alles richtig gemacht.

(Foto: Clemens Eulig)

Qualifikation und Tätigkeit müssen heute nicht mehr zusammenpassen. Das zeigt der Weg von Ariane Bernecker.

Interview von Larissa Holzki

Für Eltern steht bei der Studienwahl und Karriereplanung ihrer Kinder oft Sicherheit im Vordergrund. So war es auch bei Ariane Bernecker, 33. Dass sie schließlich doch ihrer Leidenschaft für andere Länder folgte, bereut sie nicht.

SZ: Frau Bernecker, was kann man mit einem Geografiestudium anfangen?

Ariane Bernecker: Es gibt nur wenige Positionen, für die gezielt eine Geografin gesucht wird - es sei denn bei einem Landesamt in der Abteilung Bodenkundliche Baugenehmigungen. Aber durch das Studium ist man relativ breit aufgestellt.

Studium Studiert doch, was ihr wollt!
Studium

Studiert doch, was ihr wollt!

Viele Abiturienten sind mit dem Angebot an grundständigen Studiengängen überfordert. Dabei wird die Tragweite der Entscheidung überschätzt.   Von Larissa Holzki

Der typische Fall von alles und nichts. Wie haben Sie sich orientiert?

Ich musste automatisch in alle Richtungen denken. Zunächst habe ich an der Uni als Projektassistentin in einem internationalen Projekt gearbeitet. Eine mögliche Doktorarbeit habe ich abgelehnt, weil die Abteilung kein Geld hatte. Dann habe ich mich beworben: bei der Stadt, als Klimaschutzmanagerin des Landkreises Göttingen und bei einer Berliner Firma, die Wetter- und Bodendaten visualisiert.

Haben Sie die schwierigen Zukunftsaussichten als Studentin verunsichert?

Es gibt so viele Studiengänge, dass niemand weiß, welcher tatsächlich auf einen Job vorbereitet. In einer meiner ersten Vorlesungen hat der Professor gesagt, nur drei Prozent der Geografen blieben arbeitslos. Stimmt. Weil einige in einem anderen Feld landen oder Taxi fahren. Da hätte ich mir Aufklärung gewünscht. Aber ich war relativ optimistisch.

Auch Sie zeichnen keine Landkarten . . .

Ich verkaufe und berate in einem Laden für Drachen, Outdoor- und Kinderspielzeug. Langfristig möchte meine Chefin mir als leitende Geschäftsführerin mehr Verantwortung übertragen.

Sie sind Geografin, können Sie denn ein Unternehmen führen?

Das habe ich auch bezweifelt. Ich habe während des Studiums in dem Outdoorladen gejobbt. Es war meine Chefin, die auf die Idee kam, ich könne dort richtig arbeiten. Sie ist selbst gelernte Lehrerin und hat gesagt, du lernst das von mir. Weil ich aber ein Sicherheitsmensch bin, habe ich gerade berufsbegleitend eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen.