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Oberpfalz:Der Weckruf der Sirenen

Jeder ist froh, dass Feuerwehrleute sich für andere auch die Nächte um die Ohren schlagen. In Wiesent löst der Alarm in einer Senioren-WG jedoch üble Erinnerungen aus.

Kolumne von Johann Osel

Wer - nur als Beispiel - im Münchner Osten wohnt, Ecke Giesing und Ramersdorf, der weiß, worauf er sich da eingelassen hat. Quasi nebenan steht nicht nur eine wuchtige Anlage der Bereitschaftspolizei, sondern auch eine große Feuerwache samt Rettungswagen. Ständiges Tatütata gehört so zum Grundsound der Stadt. Ob es wirklich nötig ist, dass auch nachts um halb vier mehrere Fahrzeuge mit gleichzeitig tönendem Martinshorn die Straßen entlangbrettern, so dass Anwohner im Bett stehen?

Könnte man durchaus fragen; allerdings ist man eben in einer Großstadt und in Großstädten ist viel los und jeder erwartet in Notfällen rasch Hilfe. Wem's nicht passt, der kann ja aufs Land ziehen, in dörfliche Ruhe. Vielleicht in die Oberpfalz, irgendwo in den Landkreis Regensburg, nah an der Stadt und trotzdem idyllisch. Wie Wiesent, 2700 Einwohner, an den Ausläufern des Bayerischen Waldes.

In Wiesent haben sie seit Kurzem eine neue Feuerwehrsirene: gleich neben und in Schallrichtung zu einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für Senioren, teils mit Schwerstpflegebedürftigen. Seitdem ist die Welt in der Einrichtung nicht mehr in Ordnung, wie die Betreiberin im Bayerischen Fernsehen sagte. Bei Senioren, die den Zweiten Weltkrieg miterlebten, rufe die Sirene üble Erinnerungen an Bombennächte wach. Der beschauliche Garten der Lebensabend-WG - perdu!

Nun könnte man meinen, dass in so einem Ort mal eine Scheune brennt oder eine Katze auf dem Baum festsitzt und das war's. Tatsächlich aber müssen die Feuerwehrler durchaus häufiger alarmiert werden, die nahe A 3 mit schweren Unfällen ist ein Grund. Dass eine weitere Sirene im Norden des Orts hermusste, begründen die Verantwortlichen damit, dass im Neubaugebiet dort Aktive wohnen - die aber den Alarm im Dorfkern nicht hören.

Ausschließlich stille Funkmelder zu verwenden, sei weder üblich noch (wegen Funklöchern) zuverlässig. Generell, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher der SZ am Telefon, gelte: "Jeder will im Ernstfall Hilfe, doch keiner will die Sirene vor der Haustür." Die Standortsuche habe man sich nicht leicht gemacht, natürlich täten ihr die Senioren leid - ein "Zwiespalt", kaum unter einen Hut zu bringen. Nach ersten Erfahrungen könnte zumindest die Richtung der Sirene geprüft werden.

© SZ vom 12.08.2020/huy
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