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Mitten in Bayern:Was echte Sommerlochstars ausmacht

Tiere im Sommerloch

Kuh Yvonne narrte im Sommer 2011 monatelang ihre Verfolger.

(Foto: dpa)

Jeden Sommer gelangt mindestens ein Tier zu einer Art Berühmtheit - an Kuh Yvonne reichte aber keines mehr heran.

Kolumne von Maximilian Gerl

Und dann ging es los. Der Sommer hatte gerade begonnen, da waren die zwei Rindviecher von ihrer Weide in Rehlingen auch schon getürmt. Stattdessen kamen RTL-Reporter in das Örtchen bei Treuchtlingen. Allerdings ließen die Tiere sich erst nirgends blicken, dann kehrte laut Berichten zumindest eines freiwillig heim. Ähnliches ereignete sich zwei Wochen später in Pretzdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt. "Polizei sucht nach ausgebüxtem Bullen", meldete der BR am 27. Juli um 16.30 Uhr. "Mittelfränkische Polizei findet ausgebüxten Bullen", meldete er um 18.25 Uhr. Es war also eine eher kurze Flucht, deutlich kürzer als die der berühmtesten bayerischen Ausreißerin. Kuh Yvonne ging im Sommer 2011 stiften und amüsierte sich monatelang in Oberbayern - nicht ohne ab und an kurz aufzutauchen, alle zu narren und wieder mysteriös zu verschwinden.

Yvonne hat es so zu einem Ruhm gebracht, der ihren Artgenossen in Rehlingen und Pretzdorf versagt bleiben wird. Dabei ist bemerkenswert, wie viele Sommerstars der Freistaat schon hervorgebracht hat. Man denke nur an Problembär Bruno, Schildkröte Lotti oder Anakonda Ambrosius, die 2016 Söchtenau in Atem hielt. "Schlangenalarm" und andere alarmierende Schlagzeilen waren zu lesen, sodass sich das örtliche Nachrichtenportal Rosenheim 24 zu einer vorsichtigen wie verwunderten Einschätzung genötigt sah: "Verantwortlich für das mediale Interesse ist wohl das Sommerloch."

Der Titel eines Sommerlochtiers ist so gesehen eher zweifelhafter Natur. Trotzdem wissen sich seinem Reiz nur wenige zu entziehen. Kollege P. etwa, jeder Sommerlochtier-Hysterie gänzlich unverdächtig, erzählte dieser Tage, in seinem Urlaub einen Abstecher nach Gut Aiderbichl unternommen zu haben - jenem Refugium, das Kuh Yvonne schließlich eine Zuflucht bot. Eine Kuh war dort in einem Stall auch anzutreffen, sie machte, was Kühe machen, wenn sie nicht gerade flüchten: Sie stand herum. Ein an sich unspektakuläres Bild also, das Kollege P. zu berichten wusste, aber wie viele Prominente trifft man sonst schon im Urlaub. Leider mussten ihm alle Illusionen geraubt werden. Kuh Yvonne verschied 2019, eines Profis würdig in den Sommerferien. Ein echter Sommerlochstar durch und durch, bis zum Schluss.

© SZ vom 10.08.2020/huy

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