Verdi hofft auf Signalwirkung:Erster Haustarif über 35-Stunden-Woche in der Pflege

Für Pflegekräfte der Arbeiterwohlfahrt Augsburg wird die Wochenarbeitszeit um vier Stunden abgesenkt - bei vollem Lohnausgleich.

Die Gewerkschaft Verdi hat für die Pflegekräfte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Augsburg einen Tarifabschluss erzielt, von dem sie sich eine bundesweite Signalwirkung verspricht. Bis September 2023 wird die Wochenarbeitszeit in zwei Schritten um je zwei Stunden bei vollem Lohnausgleich auf 35 Stunden abgesenkt. Ab Ende 2024 werden auch Erzieherinnen in Kitas und das pädagogische Personal in Heimen oder Beratungsstellen eine 35-Stunden-Woche haben. Verdi-Landesfachbereichsleiter Robert Hinke sagte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag, es handle sich um die erste tarifvertragliche Einführung der 35-Stunden-Woche in dieser Branche in Bayern, möglicherweise sogar in Deutschland. Die AWO Augsburg sei mit rund 1000 Beschäftigten ein relativ kleiner Träger im Vergleich zu Caritas und Diakonie. Die Gewerkschaft sei aber überzeugt, dass dem guten Beispiel über kurz oder lang auch andere Verbände folgen würden. "Wir waren uns mit der Gewerkschaft einig, nicht nur über oftmals belastende Arbeitssituationen zu sprechen, sondern auch konkrete Verbesserungen vorzunehmen", sagte Werner Weishaupt, Sprecher der AWO-Geschäftsführung. Es sei ein organisatorischer und wirtschaftlicher Kraftakt. "Aber wir machen es gerne, weil wir damit deutlich in die Attraktivität der Pflege- und Sozialberufe investieren." Die betroffenen Beschäftigten können sich nach der Tarifeinigung außerdem bis Mitte Juni für eine Lohnerhöhung anstelle der Arbeitszeitreduzierung entscheiden.

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