Ungleiche Bezahlung:Seine Kollegen nennen Zimmermann herzlos

2003 stellte das Schulkommissariat, die Verbindungsstelle der kirchlichen Schulen ins Ministerium, klar: "Eine Versorgung nach beamtenrechtlichen Grundsätzen ist nicht identisch mit einer Beamtenpension." Dies sei "immer unstrittig" gewesen, "nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Besteuerung" von Rente und Pension. Zwar hätten die Schulträger "intensiv" über "freiwillige Kompensationsleistungen" gesprochen, sähen aber "keine Möglichkeit".

Spricht Zimmermann über diesen Brief, wird er laut. Am liebsten würde er gegen das Schulkommissariat klagen, sagt er, die seien schuld, aber sein Ansprechpartner ist Seligenthal. Für ihn ist die Sache eindeutig: Die Diözesen wollen sich drücken. Das Schulkommissariat sei seit den Fünfzigerjahren an Schulgesetzen beteiligt gewesen, plötzlich kam der Richtungswechsel.

Seinen Beweis fand Zimmermann im Hauptstaatsarchiv: Bis 1986 stand im Privatschulleistungsgesetz, dass Schulträger vom Staat einen Versorgungszuschuss für Lehrer bekommen, denen sie eine Altersversorgung nach "für die Beamten des Freistaates Bayern geltenden Vorschriften einräumen". Den Zuschuss bekommen Schulen auch für Lehrer, die Versorgung nach "beamtenrechtlichen Grundsätzen" bekommen. Für Zimmermann ist die Gleichwertigkeit damit klar.

Nur, solange das kein Richter so sieht, bleibt ihm allein der Appell. Von Lehrerverbänden und Politikern fühlt er sich im Stich gelassen. "Mit der Kirche will sich niemand anlegen", sagt Zimmermann. Seine früheren Kollegen werfen ihm Herzlosigkeit vor. "Die sehen gleich die Schwestern vor leeren Tellern sitzen." Das nimmt er hin. Andere sagen, dass er die kirchlichen Schulen in den Ruin treibe. Das nimmt ihn mit.

"Ich habe ein gutes Verhältnis zur Schule", sagt Zimmermann. Das sei auch bei den anderen Lehrern so, bestätigt Schwester Hanna Sattler. Böses wolle niemand. "Das Problem ist, dass die Lehrer sich mit Beamten vergleichen und nicht mit den angestellten Lehrern", sagt Sattler. Im Vergleich zu denen gehe es kirchlichen Lehrern viel besser. "Und das Bundesarbeitsgericht hat 2007 festgestellt, dass es keinen Anspruch auf eine Beamtenversorgung gibt."

Wieso Zimmermann keine Ruhe gibt, verstehen sie im Schulwerk nicht. Die Lehrer haben längst eine Verbesserung erstritten: Das BAG hatte 2007 bei einer Realschullehrerin und 2008 bei der Seligenthaler Solidargemeinschaft festgestellt, dass die Zusatzrente neu berechnet werden muss. Die Schulträger sind verpflichtet, einigen Lehrern mehr zu bezahlen. "Das war für uns alle eine große Überraschung", sagt Schulwerksdirektor Andreas Hatzung. Auf 100 Millionen Euro schätzt er die Zuschlagsrente für alle Betroffenen. "Das hätte viele Schulen in den Ruin getrieben", sagt er.

Obwohl der Richterspruch nur für die Landshuter gilt, habe er allen Schulträgern geraten, das Urteil zu akzeptieren. Bloß keine weitere Klagewelle. Vier Jahre zahlten die kirchlichen Schulen. Dann hatte Hatzung mit dem Mettener Abt Wolfgang Hagl, Abtpräses Barnabas Bögle des Klosters Ettal und der Waldsassener Äbtissin Laetitia Fech 2013 einen Termin bei Horst Seehofer. Das Timing war günstig kurz vor der Landtagswahl, der Ministerpräsident spendabel.

Seehofer entschied, dass der Freistaat diese Zahlungen übernimmt. Trotzdem zittern sie im Schulwerk vor jeder Gerichtsverhandlung, auch wenn das so niemand sagt. Was ist, wenn die Lehrer wieder gewinnen, wenn ein Richter beamtenrechtliche Versorgung und Beamtenrecht gleichsetzt? Aber 2018 ist wieder ein Wahljahr - vielleicht haben sie Glück.

Helmut Zimmermann zog 2012 wieder vor Gericht: Zwar bekommt er 260 Euro Zuschlag, aber keine Pension. Seligenthal halte sich nicht an die Weisung des Bundesarbeitsgerichts, sagt er, und scheiterte im Juli vor dem Landesarbeitsgericht. Das BAG habe alles gesagt, heißt es. Ans Aufgeben denkt er nicht. Wenn sein Anwalt Fehler findet, legen sie beim BAG Verfahrensklage ein. Es gehe ihm auch um die jungen Kollegen, sagt Zimmermann. Wenn 2025 die ersten Gymnasiasten in die 13. Klasse kommen und wieder der Kampf um Lehrer losbricht, werden die Privatschulen wieder Versprechungen machen. Die jungen Lehrer müssten dann genau hinsehen.

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