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Sicherheit in Bayern:Wie die Menschen in Bayern mit dem Gefühl der Bedrohung umgehen

Nach Schießerei in München

Polizei in München am Tag nach dem Amoklauf in einem Einkaufszentrum.

(Foto: dpa)

Flüchtlinge spüren die Angst, in Bamberg wächst der Widerstand gegen eine Asylunterkunft, Autofahrer zeigen Verständnis für die Kontrollen.

Schleierfahndung

Der Fahrer des schwarzen Kombis lässt das Fenster runter, der Motor läuft noch. "Ist wieder irgendwas passiert? Ein Terroranschlag?", fragt er. In seiner Sonnenbrille spiegelt sich die Uniform der Polizistin. "Nein, reine Routinekontrolle." Im Hinterland der deutsch-österreichischen Grenze bei Simbach hält die Polizei Autos an. Der Mann öffnet Motorhaube und Kofferraum. "Ist wirklich nichts passiert?" Die Polizistin schüttelt nur den Kopf und lugt in eine Plastiktüte im Kofferraum. Der Mann hat sich inzwischen eine Zigarette angezündet. "Ist ja auch richtig so, wegen dem Terror", sagt er. Auch andere werden angehalten, aber niemand schimpft oder wirkt genervt. "Die Kontrollen sind sehr wichtig", sagt ein Fahrer in gebrochenem Deutsch, sein Transporter hat ein tschechisches Kennzeichen. "Waffen. Terror." Er zuckt mit den Schultern.

Flüchtling aus Syrien

Manchmal, wenn Khalil durch Regensburg läuft und Deutschen begegnet, sieht er die Angst in ihren Augen. Die Angst vor ihm, dem Flüchtling aus Syrien. "Ich kann die Leute verstehen", sagt Khalil, "nach allem, was jetzt passiert ist." Khalil heißt eigentlich anders, aber seinen richtigen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. "Khalil ist ein guter Name", sagt er, arabisch für "guter Freund".

Genau das möchte Khalil sein. Vor elf Monaten kam er in Regensburg an. "Ich habe mir von Anfang an deutsche Freunde gesucht", erzählt er, "ich will mich integrieren." Das funktioniere nur, wenn man Deutsche kenne und Deutsch spreche. Aber nicht alle in Regensburg wollen Khalil zum Freund haben. "Ja, ich bin Muslim, ich bin stolz darauf", sagt Khalil. Aber deshalb sei er kein Terrorist, er sei doch vor dem Islamischen Staat nach Deutschland geflohen.

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Khalil zitiert aus der fünfte Sure des Korans: "Wer ein menschliches Wesen tötet, so ist es, als ob er alle Menschen getötet hat. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält." Khalil hofft, dass nun die Stimmung nicht gegen Flüchtlinge wie ihn kippt. Falls es zu weiteren Anschlägen kommen sollte, befürchtet er das Schlimmste. "Schon davor hatten viele Menschen Angst vor uns", sagt Khalil. Und: "Wir müssen alle zusammenhalten gegen die Terroristen."

CSU-Arbeitskreis Polizei

In Holzkirchen trifft sich der Arbeitskreis Polizei und Innere Sicherheit des CSU-Kreisverbands Miesbach. Der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan hat aus Berlin Innenstaatssekretär Günter Krings und aus Rosenheim Polizeipräsident Robert Kopp eingeladen. Im Saal zwei Dutzend Gäste, meist Männer mit grauen Haaren, ein Trachtenhut, einige Uniformen. Radwan sagt, er höre bei seinen Veranstaltungen schon seit einem Jahr jedes Mal ein Wort, das er vorher nie gehört habe: "Angst." Dieser Abend, lang geplant, ist bedrückend aktuell geworden, und trotzdem ist er eine Ausnahme.

Hier wird lieber von Sorgen und vom schwindenden Sicherheitsgefühl gesprochen als von Angst. Davon, dass es jetzt jeden treffen kann, auch in Holzkirchen, wo die Sicherheitsbedenken sich sonst auf Einbrüche und auf ein paar Leute am Bahnhof beziehen. Auch bei der Polizei herrsche einige Aufregung, sagt ein Beamter am Rande. Statt Ansbach hätte es auch Rosenheim sein können, statt Würzburg auch Holzkirchen.

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Viele Kollegen waren neulich in München, andere hatten sich darauf vorbereitet, zu allem entschlossenen Terroristen die Fluchtwege nach Österreich abzuschneiden. Dabei kennen selbst erfahrene Polizisten solche Lagen nur aus den Erzählungen der älteren Kollegen über die bleiwestenbewehrte RAF-Zeit. Und jetzt ist dieser Druck wieder da, wenn nachts um zwei Uhr einer anruft und sagt, in den Nachbarwohnung hantierten seltsame Menschen mit Kanistern. Ein Zuhörer war am vergangenen Freitag auf einem Festival im nahen Bad Tölz. "Plötzlich schaut man sich um, schaut sich seinen Tischnachbarn genauer an", sagt er. Für gute Stimmung könne die Polizei nicht sorgen, antwortet Kopp, aber sie könne präsent sein, auch das Sicherheitsgefühl verbessern. "Ob wir das ganz schaffen?", fragt er zweifelnd.