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Anschlag in Ansbach:Ansbach: Herrmann bestätigt Verdacht auf Hintermann

  • Der Attentäter von Ansbach hatte "unmittelbaren Kontakt" mit einer unbekannten Person, die "maßgeblich" auf das Attentat Einfluss genommen habe, sagt Bayerns Innenminister Herrmann.
  • Der Syrer Mohammad D. hatte seinem Therapeuten berichtet, im bulgarischen Gefängnis einen Landsmann kennengelernt zu haben, der ihn mit Geld versorgte.
  • Ein Gutachter hat schon 2015 bei dem Mann einen aufsehenerregenden Suizid für möglich gehalten.

Nach dem Bombenanschlag in Ansbach haben die Ermittler Hinweise darauf entdeckt, dass der Attentäter von einer unbekannten Person in einem Chat direkt beeinflusst wurde. "Es hat offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Es handle sich um einen "intensiven Chat", sagte Herrmann weiter. "Der Chat endet unmittelbar wohl vor dem Attentat." Wie lange der Kontakt bestanden habe, ob er etwa Wochen oder Monate zurückreiche, wisse man allerdings noch nicht.

Schon zuvor hatte es Fragen gegeben, ob ein Hintermann mit der Tat in Verbindung stehe. Der Attentäter Mohammad D. hatte seinem Therapeuten erzählt, dass er als Flüchtling in Bulgarien zunächst zwei Monate im Gefängnis saß und misshandelt worden sei. "Zu meinem Glück fand ich einen Syrer, der mir einen Flug nach Österreich spendierte", berichtete er. Ein recht mysteriöser Glücksfall, denn kaum ein Syrer in Bulgarien hat das Geld, um einem anderen einen Flug zu zahlen.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Am Dienstag wollte sie diese Ungereimtheiten noch nicht kommentieren. "Es wird einige Zeit brauchen, weil wir die Hintergründe sorgfältig aufklären müssen", hatte eine Sprecherin gesagt.

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Bereits Anfang 2015 hat ein psychologischer Gutachter bei dem Attentäter einen aufsehenerregenden Suizid für möglich gehalten. Der 27-Jährige sei ein "extremer Geist", und es sei ihm "durchaus zuzutrauen, dass er selbst seinen Selbstmord noch spektakulär in Szene setzt", heißt es in einer Stellungnahme eines Therapeuten, die für das Asyl-Gerichtsverfahren des späteren Attentäters erstellt wurde.

Ein Sprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestätigte diesen Inhalt des Gutachtens, über das zuerst die Bild berichtet hatte. Weiter schrieb der Gutachter demnach: D. " hat nach dem Tod seiner Frau und seines sechs Monate alten Sohnes nichts mehr zu verlieren."

Vieles ist weiterhin noch offen. D. hatte eine Rolle mit 50-Euro-Scheinen bei sich, als er starb. Woher kam das Geld? D. hatte keinen Job. Hermann bezeichnete es als "unwahrscheinlich", dass er dieses Geld allein durch seine Zuwendungen als Flüchtling habe sammeln können. Zeugen hatten beobachtet, dass er vor der Tat hektisch telefoniert habe. Unklar ist bislang auch, woher er wusste, wie man eine Bombe baut.

Zudem prüfen die Ermittler, ob der Attentäter die Bombe tatsächlich in dem Moment zünden wollte, als sie explodierte. "Es gibt aufgrund der ganzen Zeugenaussagen des Geschehens und übrigens auch des Chat-Verlaufs in der Tat Fragen, ob das in dem Moment jedenfalls von ihm beabsichtigt war, in dieser Minute die Bombe zu zünden", sagte Herrmann.

Der Syrer war wegen Depressionen und Suizidversuchen in psychiatrischer Behandlung. Seinen Asylantrag in Deutschland hatte das BAMF im Dezember 2014 abgelehnt, weil der 27-Jährige bereits in Bulgarien einen Schutzstatus erhalten hatte. Das BAMF ordnete daher die Abschiebung des Mannes nach Bulgarien an. Dagegen klagte der Syrer. Im Rahmen des Gerichtsverfahrens im Februar 2015 wurde laut dem BAMF-Sprecher das nun diskutierte Gutachten eingereicht. Wegen der Reiseunfähigkeit des Mannes wurde das Verfahren eingestellt, die Ausländerbehörde sprach eine Duldung aus.

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