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Infektionsschutz:Diese Regeln gelten jetzt an Bayerns Schulen

Seit dem 8. September gehen in Bayern 1,7 Millionen Kinder und Jugendliche wieder in die Schule - wenn sie nicht wegen Corona zu Hause bleiben müssen. Illustration: Jessy Asmus

Trotz Corona sollen alle Kinder wieder in den Präsenzunterricht - mit einem strikten Hygiene-Rahmenplan. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

Von Anna Günther und Kassian Stroh

Alle sollen wieder in die Schule: Seit dem 8. September läuft in Bayern der Unterricht. Dafür hat die Staatsregierung - im Einklang mit Schüler-, Eltern- und Lehrerverbänden - festgelegt, dass es generell einen Regelbetrieb gibt, wenn auch unter strengen Hygieneauflagen. Das wird allgemein aber als das geringere Übel angesehen - verglichen mit dem digitalen Unterricht daheim. Wie sehen die Regeln aus, die nun an den 6200 bayerischen Schulen gelten? Ein Überblick.

Wo gilt die Maskenpflicht?

In den ersten neun Schultagen, also bis zum 18. September, müssen Lehrer und Schüler aller weiterführenden Schulen in Bayern auf dem Schulgelände und im Unterricht eine Maske tragen. Damit sollen Infektionen durch Reiserückkehrer verhindert werden. Nach dem 18. September hängen die Regeln von den Infektionszahlen ab: Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von bis zu 35 Corona-Infizierten pro 100 000 Einwohnern gibt es grundsätzlich Regelunterricht. Masken müssen auf dem Schulgelände getragen werden, nicht im Unterricht.

Steigen die Infektionszahlen, gilt überall Maskenpflicht, sofern in den Räumen kein Mindestabstand von 1,5 Metern möglich ist. Grundschüler und alle mit Attest sind davon ausgenommen. Steigt die Inzidenz auf mehr als 50 je 100 000 Einwohner, gilt die Maskenpflicht im Unterricht auch an Grundschulen. Zudem muss Abstand gehalten werden. Viele Schulen dürften dann wieder auf den Wechsel zu Distanzunterricht daheim und in Kleingruppen in der Schule umsteigen. Vollständige Schulschließungen mit reinem Distanzunterricht sollen vermieden werden, sind aber möglich. Diese Maßnahmen sind aber kein Automatismus, sondern generelle Empfehlungen des Kultusministeriums. Was genau in einer Stadt oder in einem Landkreis bei steigenden Infektionszahlen gilt, entscheidet das jeweilige Gesundheitsamt im Einzelfall.

Wie sieht es in den Klassenzimmern aus?

In den Klassen müssen Schüler im Regelbetrieb keinen Abstand zueinander halten. Zwischen ihnen und den Lehrern gelten eineinhalb Meter Distanz. Die Kinder sollen an frontal ausgerichteten Einzeltischen sitzen und sich keine Lineale oder Stifte teilen. Mischen sich Gruppen wie in Ethik, Religion oder Fremdsprachen, sollen die Schüler einer Klasse beieinander sitzen und Abstand zur anderen Gruppe halten. Räume müssen spätestens alle 45 Minuten für mindestens fünf Minuten gelüftet werden, gekippte Fenster reichen nicht aus. Bei modernen Schulen mit Lüftungsanlagen sollten die Kommunen als Sachaufwandsträger in den Ferien die Anlagen für mehr Frischluft umprogrammieren und verriegelte Fenster öffnen.

Welche Regeln gelten auf dem Schulgelände?

Die Maskenpflicht und Abstand gelten überall auf dem Schulgelände, um die Vermischung aller Schüler gering zu halten, damit Infektionen nachvollziehbar bleiben. Schulleiter müssen Laufwege markieren und Pausen- sowie Unterrichtszeiten entzerren. Auf dem Schulhof und in der Mensa dürfen Kinder einer Klasse oder die Oberstufe zusammen sein, müssen aber zu anderen Gruppen Abstand halten. 1,5 Meter Distanz gilt auch in Warteschlangen vor dem Kiosk oder Toiletten. Dort müssen Papiertücher ausliegen, Handgebläse sind wegen der Aerosole verboten.

Wann müssen Kinder zu Hause bleiben?

Leichte Erkältungssymptome: Schüler mit einem Schnupfen und "gelegentlichem Husten" dürfen erst dann wieder in die Schule, wenn sie nach 24 Stunden kein Fieber bekommen haben. Wer trotzdem in der Schule auftaucht, muss wieder abgeholt werden. Sollte die 7-Tage-Inzidenz vor Ort mehr als 50 betragen, müssen Schüler zudem entweder ein Attest von einem Arzt oder einen negativen Corona-Test vorlegen. Eine Ausnahme gilt für Grundschüler: Sie dürfen analog zu Kitas auch mit einer Schniefnase in die Schule gehen - so lange die 7-Tage-Inzidenz nicht mehr als 50 beträgt.

Grippeähnliche Symptome: Kranke Schüler mit Symptomen wie Fieber, Husten oder Ohrenweh dürfen erst dann wieder in die Schule, wenn sie 24 Stunden symptom- und 36 Stunden fieberfrei sind. Ist die 7-Tage-Inzidenz höher als 50, brauchen sie einen negativen Corona-Test oder ein Attest, um wieder in den Unterricht gehen zu können.

Wann werden Schulen geschlossen, wann einzelne Klassen?

Erkrankt eine Schülerin oder ein Schüler an Covid-19, wird ihre oder seine Klasse als ganze nach Hause geschickt und für zwei Wochen in Quarantäne gesteckt. Danach findet wieder Unterricht statt, es sei denn, das örtliche Gesundheitsamt entscheidet etwas anderes. Erkrankt ein Lehrer oder eine Lehrerin, darf er oder sie nicht unterrichten und muss in Quarantäne. Ob das dann auch für weitere Lehrkräfte und Schüler gilt, entscheidet das Gesundheitsamt.

Tritt ein Covid-19-Fall in einer Abschlussklasse auf, so wird die gesamte Klasse oder der ganze Abschlussjahrgang auf Corona getestet. Die Schüler müssen in Quarantäne, können diese aber unterbrechen, wenn eine Abschlussprüfung ansteht - für diese gelten dann verschärfte Hygieneauflagen.

Schulen ganz zu schließen, so wie im Frühjahr 2020 flächendeckend geschehen, soll laut Kultusministerium eine Ausnahme sein. Das hängt von den jeweiligen Infektionszahlen ab, letztlich entscheidet darüber das örtliche Gesundheitsamt. Dann werden die Schüler im sogenannten Homeschooling unterrichtet, das Ministerium spricht von "Distanzunterricht".

Gibt es Fachunterricht?

Physik, Chemie, Musik und Sport sind im neuen Schuljahr unter Auflagen wieder erlaubt. In den ersten neun Schultagen gilt die Maskenpflicht auch im Sportunterricht. Lehrer entscheiden, ob und falls ja, welche Sportart möglich ist. Nach dem 18. September ist Sport ohne Maske erlaubt. Steigt die Inzidenz über 35, dürfen ältere Schüler nur ohne Maske Sport machen, wenn sie Abstand halten. Steigt die Infektionsrate auf mehr als 50, müssen auch Grund- und Förderschüler Masken tragen und Abstand halten. Distanz gilt in den Umkleiden, duschen ist nur unter strengsten Bedingungen möglich.

Können Kinder sich beispielsweise nicht nach jedem Sprung auf Barren oder Reck die Hände waschen, müssen das alle Schüler vor und nach der Sportstunde gemeinsam tun. Die gründliche Reinigung nach jeder Nutzung gilt auch für Computerräume, Geräte in Chemie oder Physik und Musikinstrumente. Im Musikunterricht ist der Ausstoß von Aerosolen besonders hoch. Daher müssen Schüler beim Singen und im Instrumentalunterricht mit Blasinstrumenten zwei Meter Abstand halten. Bis zum 20. September sind Bläserstunden verboten, danach muss nach jeder Stunde 15 Minuten gelüftet werden. Sänger sollen versetzt aufgestellt in eine Richtung singen. Musikräume müssen alle 20 Minuten für zehn Minuten gelüftet werden.

Was gilt auf dem Schulweg?

Im öffentlichen Nahverkehr und in Schulbussen gilt Maskenpflicht. Gehen oder radeln Jugendliche zur Schule, sollen sie Abstand halten. Für zusätzliche Verstärker-Schulbusse bezahlt der Freistaat mehr Geld.

© SZ vom 05.09.2020/wean
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