Rückführung Kinder bekommen nur abgespeckten Schulunterricht

Der Putz bröckelt, die Farbe platzt ab. Grauer Alltag im Balkanzentrum in Manching, das früher einmal eine Kaserne war.

(Foto: Michaela Rehle/Reuters)

Es solle der Eindruck vermieden werden, "dass sich die Leute in irgendeiner Weise willkommen oder angenommen fühlen, um ja keinen Anreiz zu bieten, dass noch jemand nachkommt", sagt auch Gabriele Störkle von der Caritas, die in Manching für die Asylsozialarbeit zuständig ist.

Deshalb, erzählt Störkle, bekämen die Kinder in Manching und Bamberg auch nur einen abgespeckten Schulunterricht. In Manching zum Beispiel sind es eineinhalb Stunden Unterricht pro Woche - auf Englisch, weil sie Deutsch bald nicht mehr brauchen, so die Argumentation. Das gilt auch für Kinder, die bereits monatelang in die Schule gegangen sind, gut deutsch sprechen und dabei sind, sich zu integrieren. "Das ist Zynismus pur", sagt Störkle.

Wenn der Bundestag nun das geplante Asylpaket II beschließt, dann dürfte es in Manching und Bamberg noch ungemütlicher werden. Denn zum Paket gehört eine verschärfte Residenzpflicht. Wer den Bezirk der jeweiligen Ausländerbehörde verlässt, muss künftig damit rechnen, dass zur Strafe sein Asylverfahren eingestellt wird.

Flüchtlingsrat fordert Schließung der Rückführungszentren

Weil es in den Einrichtungen keine Asylrechtsanwälte gebe, sei ein Flüchtling aber drauf angewiesen, sich anderswo einen Anwalt zu suchen, sagt Alexander Thal vom Flüchtlingsrat. Wenn ein Bewohner des Bamberger Zentrums dies zum Beispiel in Nürnberg tue, sagt Thal, "und wenn er dabei erwischt wird, dann ist sein Asylverfahren beendet", das sei absurd. Der Flüchtlingsrat hat deshalb eine Online-Petition gestartet und fordert, die zwei Rückführungszentren zu schließen.

Die Gerüchte, in den Balkanzentren sollten bald auch Flüchtlinge aus anderen Ländern untergebracht werden, will bislang niemand bestätigen. Das sei eine politische Entscheidung, sagt ein Sprecher der Regierung von Oberfranken, die für das Zentrum in Bamberg zuständig ist. Bislang sei nichts bekannt, dass beispielsweise Menschen aus den Maghreb-Staaten auf das ehemalige Kasernengelände ziehen sollen.

Die Maghreb-Staaten Algerien, Marokko und Tunesien definiert das Asylpaket II neuerdings als sichere Herkunftsländer. Aber irgendwann, sagt der Regierungssprecher, "wird der Punkt erreicht sein, wo man sich fragen muss, wie geht es weiter".

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