Bamberg Balkanzentrum: Kinder können nicht in ihre Schulen zurück

Flüchtlinge vom Balkan spielen in der Rückführungseinrichtung für Balkanflüchtlinge in Bamberg Fußball.

(Foto: dpa)
  • Viele Flüchtlinge aus dem Westbalkan, die bisher woanders untergebracht waren, müssen jetzt in das Ankunfts- und Rückführungszentrum für Asylbewerber in Bamberg umziehen.
  • Dadurch können auch etliche Schüler, die vorher Regelschulen besucht haben, nicht mehr ihre bisherigen Einrichtungen besuchen.
  • Die Grünen im Bamberger Stadtrat fordern nun eine Ausnahmeregelung für Schulkinder.
Von Katja Auer, Bamberg

Der Protest gegen den staatlich verordneten Umzug von Flüchtlingen in das Balkanzentrum nach Bamberg nimmt zu. Vor allem, weil Kinder nicht mehr zur Schule gehen dürfen, sondern in der Einrichtung unterrichtet werden.

"Das Herausreißen von jahrelang bei uns lebenden und die Regelschule besuchenden Kindern und die Überstellung in eine große Erstaufnahmeeinrichtung ist nicht nur unmenschlich und unsinnig, da es bisherige Integrations- und Schulleistungen zunichtemacht, sondern auch rechtswidrig", kritisiert etwa die Grünen-Landtagsabgeordnete Christine Kamm.

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Die Grünen im Bamberger Stadtrat forderten am Mittwoch eine Ausnahmeregelung wenigstens für die Schüler, die bislang Bamberger Schulen besucht hatten. Auch sie dürfen nicht mehr in ihre Klassen, wenn sie in das Balkanzentrum umgezogen sind. Der Verein "Freund statt fremd" lädt am Freitag aus Protest zum gemeinsamen Buchstabensuppe-Essen gegen den Schulausschluss ein.

Kein Deutschunterricht mehr

168 schulpflichtige Kinder leben zurzeit in der ehemaligen US-Kaserne, die neben Manching bei Ingolstadt zum zweiten "Ankunfts- und Rückführungszentrum" für Asylbewerber aus dem Westbalkan umgebaut wurde. Seit der Verschärfung des Asylrechts vor wenigen Wochen müssen auch jene Flüchtlinge aus Franken, der Oberpfalz und Niederbayern dorthin umziehen, die bisher anderswo untergebracht waren.

"Diese Menschen werden mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit zurückgeführt", sagt ein Sprecher der Regierung von Oberfranken. "Diese stehen grundsätzlich nicht zur Integration, sondern zur Rückführung an", heißt es auch in einem Schreiben des Kultusministeriums an Christine Kamm. Also hat der Unterricht "eine andere Zielrichtung", wie es der Regierungssprecher formuliert. Um Integration geht es nicht mehr.

Die Kinder im Bamberger Balkanzentrum werden in fünf Altersgruppen ein paar Stunden am Tag in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften unterrichtet. Deutschunterricht gebe es keinen mehr. Dass schon entstandene Bande auf diese Weise gekappt werden, ist den Verantwortlichen durchaus bewusst. Aber darum geht es nicht, sondern um die politische Entscheidung, Flüchtlinge aus dem Westbalkan so schnell wie möglich zurückzuschicken.

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Gut 800 Menschen leben zurzeit im Bamberger Balkanzentrum, Platz soll im nächsten Jahr für 4500 sein. 158 Abschiebungen gab es bislang, 435 Menschen seien freiwillig ausgereist, sagt der Sprecher der Regierung.