Ironischer Tweet:#SEKkommt, Zwinkersmiley

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Ironischer Tweet: "Da Geruchsbelästigungen eine schlimme Sache sind, schauen wir uns das mal an", twitterte die Polizei Mittelfranken am Wochenende wegen eines Kiffers und kündigte das SEK an - zum Spaß.

"Da Geruchsbelästigungen eine schlimme Sache sind, schauen wir uns das mal an", twitterte die Polizei Mittelfranken am Wochenende wegen eines Kiffers und kündigte das SEK an - zum Spaß.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Das Polizeipräsidium Mittelfranken twittert über "Geruchsbelästigungen" durch Cannabis und erlaubt sich einen Gag - dann bricht das Gewitter auch schon los.

Glosse von Johann Osel

Raumspray, Duftöl, absichtlich verbranntes Mikrowellenpopcorn - Tipps, um den Geruch beim Kiffen zu überdecken, finden sich zuhauf im Netz, ein Mann aus Nürnberg hat sie aber anscheinend am Wochenende nicht beherzigt. Er rauchte daheim Gras, was einen Nachbarn veranlasste, die Polizei zu rufen. Die kam dann auch mit einer Streife, so weit, so üblich, eine alltägliche Meldung. Zu Ende erzählt ist diese Geschichte indes noch nicht, weil das Polizeipräsidium Mittelfranken am Samstag nicht nur einen Twitter-Marathon veranstaltete, sondern auch einen spaßigen Tag hatte. Auf dem Profil hieß es: "Da Geruchsbelästigungen eine schlimme Sache sind, schauen wir uns das mal an. #SEKkommt." Spezialeinsatzkommando also. Dahinter gab es freilich einen Zwinkersmiley, nicht ernst gemeint. Und dann brach das Gewitter auch schon los.

Aber der Reihe nach: Beim Twitter-Marathon berichten die Beamten zwölf Stunden lang quasi live aus der Einsatzzentrale, man solle "hautnah dabei sein" am Polizeialltag in Mittelfranken, Stadt und Land. Telefonbetrüger rufen in Veitsbronn eine Seniorin an, die aber auf Zack ist, in Gutenstetten hat jemand Bier über ein Mischpult geschüttet und man streitet über den Schaden, am Airport Nürnberg hat es eine Schlägerei gegeben, Wildunfälle, randalierende Jugendliche, eine verwirrte Person - über solche Einsätze gab's da etwas zu lesen, zuweilen launig. Das Echo? Meist überschaubar. Bei den Cannabisschwaden und dem SEK: unzählige Kommentare, fast nur wütende. Und oft geht es um die von der Ampelkoalition angekündigte Legalisierung.

Da sind die einen, die den Smiley wohl übersehen haben und den vermeintlichen Brachialeinsatz gegen einen kleinen Kiffer Bayerns Polizei glatt zutrauen. "Gefahr im Verzug, Kifferbude stürmen, yiihaa, ihr seid peinlich." Oder: "SEK? Verrückt?" Tenor der Urteile: lächerlich, ekelhaft, Steuergeldverschwendung, Polizeistaat. Da sollte mal lieber bei der nächsten Dorfkirchweih das SEK anrücken wegen "Bierduft, Kotze und Pisse".

Viele andere wiederum erkennen den Gag, empören sich aber eben darüber - weil die Verfolgung von Kiffern Existenzen zerstöre. Einer stellt sich vor, wie "die Idiotenleute im Revier" sich jetzt auf die Schenkel klopfen. Ein anderer droht: Die Witze würden der Polizei vergehen, wenn Cannabis legal sei und es überall danach rieche, "ich kaufe dann extra stinkende Sorten".

Ein Polizeisprecher sagte am Montag: Als "ironischer Tweet" sei das gedacht gewesen, das klappe im Internet halt nicht immer. Zur Legalisierung habe man im Präsidium eine "eher kritische Haltung", der SEK-Scherz sei aber "keine politische Aussage" gewesen.

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