Protest gegen Rodung in München:Polizei holt Aktivisten von besetzten Bäumen im Forst Kasten

Polizei räumt Baumbesetzung gegen Waldrodung bei München

Ein Polizist bei der Räumung der Baumbesetzung im Forst Kasten.

(Foto: dpa)

Am Abend hatte das Landratsamt den Bau von Baumhäusern verboten und eine Verlegung des Protests angeordnet. Am frühen Morgen rückten deshalb 50 Einsatzkräfte an und räumten das Lager.

Von Thomas Anlauf und David Wünschel

Das Protestlager der Klimaaktivisten im Forst Kasten ist am frühen Donnerstagmorgen von der Polizei geräumt worden. Die Demonstranten hatten seit Dienstag zwei Bäume besetzt, um gegen die drohende Rodung von knapp zehn Hektar Wald für den Kiesabbau zu protestieren. Am Mittwochnachmittag verkündete das Landratsamt München, dass es verboten sei, auf Bäume zu klettern und bauliche Vorrichtungen daran zu errichten. Zusätzlich solle die Versammlung an einen geeigneteren Ort etwa 100 Meter weiter verlegt werden. Den Aktivisten sei eine Frist bis Mittwoch, 20 Uhr, gesetzt worden, um ihr Lager zu räumen. Weil das bis Donnerstagfrüh nicht geschehen sei, griff die Polizei ein.

Etwa 50 Beamtinnen und Beamte seien vor Ort gewesen, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Die Einsatzkräfte rückten gegen 5.15 Uhr an. Vier Personen haben sich zu dem Zeitpunkt auf dem Boden befunden, sie seien zu dem 100 Meter entfernten Ort getragen worden, wo der weitere Protest nun stattfinden darf. Zwei weitere Personen waren auf der Plattform auf den Bäumen. Spezialkräfte haben die beiden Aktivisten oben gesichert und auf den Boden abgeseilt - auch diese beiden wurden weggebracht.

Die ganze Räumung sei friedlich verlaufen, sagte der Polizeisprecher. Die Personalien der Demonstranten seien festgestellt worden, nun werde geprüft, ob Verstöße vorliegen. Die Plattform auf den Bäumen wird derzeit von der Polizei abgebaut. Ob und wie der der Protest nun weitergeht ist unklar, am Morgen teilte ein Sprecher der Aktivisten mit, dass die Demonstranten ihre Aktion zumindest fürs erste pausieren. Es werde aber weitere Baumhausaktionen geben, kündigte er an. "Wir geben definitiv nicht auf." Solange der Wald weiter gerodet werden solle, werde man weitermachen.

Die Klimaaktivisten demonstrieren seit drei Wochen im Wald nahe Neuried und haben ihre Kundgebung bis Ende Juni angemeldet. Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, dürfe kein Wald gerodet werden. Vor rund drei Wochen hatte der Sozialausschuss des Münchner Stadtrats beschlossen, dass das Neurieder Unternehmen Gebrüder Huber Bodenrecycling GmbH den Zuschlag erhält, etwa 10 000 Bäume zu schlagen, um aus dem Untergrund Kies zu schürfen. Doch zuvor muss noch das Landratsamt München eine Abbaugenehmigung erteilen, die betroffene Fläche liegt in einem Landschaftsschutzgebiet.

Für den Fall, dass die Bäume gerodet werden, kündigten die Waldbesetzer Zustände wie im Hambacher Forst an. Dort haben Aktivisten mehrere Jahre lang ein Waldstück besetzt, das einem Braunkohle-Tagebau von RWE weichen sollte.

© SZ/mmo, van
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