Kritik an Mathe-Prüfung Kultusministerium greift nicht in Abiturnoten ein

Die Matheklausuren sind offenbar minimal schlechter ausgefallen als im vergangenen Jahr.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • "Es gibt keinen Anlass, in die diesjährigen Abiturprüfungen einzugreifen", sagt Schulminister Michael Piazolo.
  • Zwar ist das Mathe-Abitur offenbar etwas schlechter ausgefallen als 2018, die Aufgaben seien aber "insgesamt angemessen" gewesen.
  • Bis dato haben mehr als 75 400 Menschen eine Petition unterzeichnet, die das Niveau, die Aufgabenstellung und die Textlastigkeit der Prüfungen kritisiert.
Von Anna Günther

Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler) wird nicht nachträglich in die Bewertung des Mathe-Abiturs eingreifen. Das verkündete das Kultusministerium am Freitag. Bis zum Mittag hatten zwei Drittel der 430 bayerischen Gymnasien die endgültigen Abiturnoten ans Ministerium gemeldet. Demnach ist die Matheprüfung zwar etwas schlechter ausgefallen als 2018, wirkt sich aber offenbar kaum auf den Gesamtschnitt des Abiturs aus. "Es gibt keinen Anlass, in die diesjährigen Abiturprüfungen einzugreifen", sagte Piazolo dazu.

Einige der 37 000 Abiturienten hatten kurz nach der Matheprüfung Anfang Mai in einer Online-Petition Niveau, Aufgabenstellung und Textlastigkeit des Mathe-Abiturs kritisiert. Mehr als 75 400 Menschen haben bis dato die Petition unterzeichnet. Piazolo hatte den Schülern früh zugesichert, ihre Kritik sorgfältig zu prüfen - und sich damit den Zorn der Lehrer zugezogen. Damit suggeriere er, dass tatsächlich Fehler passiert seien, hieß es.

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Für viele Lehrer war dies angesichts der zahlreichen Prüfschleifen kaum vorstellbar, die Abituraufgaben durchlaufen, bevor sie vor den Schülern auf dem Tisch liegen. Was die Jugendlichen berechnen müssen, wählen deren Lehrer am Prüfungsmorgen aus - nachdem sie die Aufgaben selbst durchgerechnet haben. Während die Landtags-SPD und Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, früh forderten, nachzugeben, falls etwas an der Kritik der Schüler dran sei, mahnten die Gymnasiallehrer zur Ruhe. Entsprechend zufrieden gab Philologenchef Michael Schwägerl sich am Freitag.

Das Ministerium wurde offenbar vom Protest der Schüler überrascht: Weder in den Prüfschleifen, noch nach dem frühmorgendlichen Durchrechnen der Lehrer am Prüfungstag oder nach der Abiturprüfung sei Kritik aus den Schulen im Ministerium angekommen, sagte Adolf Präbst, Chef der Gymnasialabteilung. Deshalb mussten die Gymnasien mehrmals in den vergangenen Wochen Zwischenergebnisse nach München melden. Die Tendenz sieht Piazolo nun durch die Noten bestätigt: Die Aufgaben im Mathe-Abitur seien "durchaus ambitioniert", aber "insgesamt angemessen" gewesen. Trotzdem soll die Kritik der Schüler in die Konzeption der Aufgaben für 2020 einfließen.

Dass einige Schüler das Mathe-Abitur in diesem Jahr schwieriger fanden als die Aufgaben 2018, liegt unter anderem daran, dass im vergangenen Jahr in Niedersachsen ein Schultresor aufgebrochen wurde. Die Mathe-Aufgaben waren weg und alle Bundesländer, die sich am gemeinsamen Aufgaben-Pool beteiligen, mussten Ersatzaufgaben einsetzen. Diese seien sehr schülerfreundlich gewesen, sagen bayerische Lehrer.

Auch wegen dieser Pool-Aufgaben richten sich mittlerweile in zwölf Bundesländern Petitionen gegen das jeweilige Mathe-Abitur. Aber nur Hamburg, Bremen und das Saarland wollen bisher nachträglich eingreifen. Die Stadtstaaten ermöglichen nun zum Beispiel jedem Schüler den Zugang zur mündlichen Nachprüfung. Sie schaffen damit Bedingungen, die in Bayern längst gelten, sagte Adolf Präbst, Chef der Gymnasialabteilung im Ministerium. Das Saarland lockerte den Bewertungsschlüssel, der dort bisher strenger war, als es die Kultusministerkonferenz (KMK) vorsieht. Das ist erlaubt. Aber diesen vorher von der KMK festgelegten Bewertungsschlüssel über die Vereinbarung hinaus zu lockern, sei verboten.

Amtliche Abiturergebnisse aller bayerischen Gymnasien erwartet das Ministerium in der kommenden Woche. Piazolo geht aber davon aus, dass die bayerischen Abiturienten im bundesweiten Vergleich wieder zu den "Spitzenreitern" gehören. 2018 hatte Bayern mit 2,28 im Landesdurchschnitt einen neuen Rekord erreicht, auch die Einserschnitte nehmen seit Jahren stetig zu.

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