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Hauzenberg:Wenn 20 Minuten Sturm einen Landkreis verwüsten

Aufräumen nach dem Unwetter

Mittlerweile sind die Straßen geräumt und es gibt wieder Strom - doch die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter sind noch lange nicht vorbei.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Im Landkreis Passau sind nach den schweren Unwettern vom vergangenen Freitag noch zahlreiche verheerende Zerstörungen sichtbar.
  • Helfer werden voraussichtlich noch tagelang beschäftigt sein, beschädigte Häuser und kaputte Dächer notdürftig zu sichern.
  • Besonders schlimm betroffen sind auch die Landwirte und Waldbauern.

Der Sturm hat eine Schneise durch die Landschaft geschlagen, man kann ihren Weg über Kilometer hinweg verfolgen. Der Sturm hat Bäume niedergerissen, hat Baumstämme abgeknickt, als wären es Grashalme, hat Maisfelder plattgemacht. Drei Tage danach sind die Straßen wieder frei, aber wer nach links und rechts schaut, der kann ahnen, wie brutal er gewütet haben muss am späten Freitagabend.

Verbogene Leitplanken, umgeblasene Verkehrsschilder, abgedeckte Häuser. Am schlimmsten aber sehen die Wälder aus. Die Bäume liegen kreuz und quer, mancherorts stehen nur noch nackte Stämme. "Es ist verheerend", sagt Forstminister Helmut Brunner (CSU), der am Sonntagabend das Katastrophengebiet im Landkreis Passau besucht hat. "Solche Schäden habe ich noch nicht gesehen."

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Keiner in der Region kann sich erinnern, je ein so schlimmes Unwetter erlebt zu haben. Zwar waren am Freitagabend auch für den Bayerischen Wald Gewitter und ein Wettersturz angekündigt. Aber dass es so heftig kommen würde, ahnte niemand. Dabei dauerte der Spuk keine halbe Stunde. Er traf ein Gebiet, das im Südwesten von Thyrnau, Büchlberg und Huthurm über Hauzenberg und Waldkirchen in der Mitte bis nach Neureichenau und Breitenberg im Nordosten reicht.

Das Unwetter zog von München über Landshut gen Nordosten. Gegen 23.30 Uhr erreichte es Passau. Kurz darauf setzte im Bayerischen Wald heftiger Wind ein, er baute sich zu Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 130 Kilometern pro Stunde auf. Parallel dazu gab es sintflutartigen Regen, Hagelschlag, Blitz und Donner. So plötzlich wie das Unwetter gekommen war, war es wieder weg. Nach 20 Minuten zog es nach Tschechien weiter.

"Das ist schon gigantisch", sagt Alois Fasser, der eigentlich nach Hauzenberg gekommen ist, um Gasleitungen zu verlegen. Doch statt zu graben, schaufelt sein Bagger am Montagmittag Schutt durch die Kussnerstraße, vor allem Dachziegel und Holzbalken. Die Schreinerei hinter ihm ist keine Schreinerei mehr, sie ist eine Ruine. Der Sturm hat den Dachstuhl weggerissen, der Rest des Hauses schaut aus wie ein offenes Puppenhaus. Fasser, der Baggerfahrer, wohnt ein paar Kilometer nordöstlich, in Sonnen, auch eine dieser Gemeinden, die das Unwetter besonders schwer getroffen hat. "Wie Sardinenbüchsen hat es die Dächer aufgerollt", sagt Fasser.