Mitten in Bamberg:"Franken ist ein göttliches Land"

Mitten in Bamberg: Bamberg zur blauen Stunde, da zeigt sich Franken von seiner schönsten Seite.

Bamberg zur blauen Stunde, da zeigt sich Franken von seiner schönsten Seite.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Elogen solcher Ausprägung entfalten ihre Wirkung erst dadurch, dass der Urheber genannt wird. Denn es macht schon einen großen Unterschied, ob sie von Markus Söder, Georg Gänswein oder jemand ganz anderem kommen.

Glosse von Katja Auer

Die Brisanz eines Satzes ergibt sich aus dem Kontext. Fällt die Aussage "Franken ist ein göttliches Land" etwa bei einer Stadtführung in Bamberg, wie kürzlich geschehen, so erzielt sie in ihrer ganzen Unbescheidenheit zwar ein gewisse Wirkung, trifft jedoch ziemlich sicher auf Zustimmung. Würden der grüne Vizekanzler Robert Habeck oder FDP-Chef Christian Lindner so etwas vortragen, wissend, dass dieser Landstrich nicht nur bestes Bier und unzählige Wurstsorten hervorgebracht hat, sondern auch Markus Söder, den Plagegeist der Ampelkoalition, fielen die Reaktionen vermutlich etwas überraschter aus.

Loblieder auf Franken verwundern beim schon genannten bayerischen Ministerpräsidenten niemanden mehr, permanent verbalisierte Heimatliebe gehört zum Markenkern. "Will man sich heimisch und wohl fühlen (...), so muß man nach Franken", lautet so eine Äußerung, die sich jederzeit Söder zuschreiben ließe.

Würde aber Georg Gänswein, der langjährige Privatsekretär des gestorbenen Papst Benedikt vor einem Schäuferla sitzend ausrufen:"Ich befinde mich in diesem Augenblicke so behäbig, daß ich glaube der Erzbischof von Bamberg zu seyn", könnte das eine gewisse Unruhe auslösen, da der Stuhl des Oberhirten gerade vakant ist. Indes, Gänswein wird es wohl nicht, wie manche gehofft und noch mehr befürchtet hatten, er soll den jüngsten kirchlichen Gerüchten zufolge Nuntius in Costa Rica werden.

Der Job in Franken ist also weiter zu haben und wer es auch werden wird, er kann sich freuen, denn: "Die ganze Gegend ist ein Festtag, und so muß denn auch einem jeden festlich und feyerlich froh zu Mute seyn." Das erkannte der eine oder andere schon lange vor Markus Söder, in diesem Fall der Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy, der im Jahr 1827 mit gerade 18 Jahren durch Franken reiste. Er unternahm sogar - ebenfalls lange vor der CSU - einen Ausflug nach Kloster Banz und spielte dort die Orgel.

Seine Eindrücke hat er in Briefen an die Familie festgehalten, aus denen nun der Bamberger Autor Andreas Reuß womöglich erstmals öffentlich zitierte. Ohne Widerspruch, versteht sich. Einige Jahre später stimmte auch Mendelssohns Schwester Fanny in die Elogen ein und pries in ihrem Tagebuch Bamberg und auch Erlangen, "was ein allerliebstes Städtchen scheint". Das wiederum hört man dort - zumindest von Besuch aus Bamberg - heutzutage nicht mehr so oft.

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