Coronavirus:"Die Fälle purzeln im Moment"

Coronavirus: Touristen mit Mundschutz in Neuschwanstein

Sightseeing in Zeiten der Pandemie: Touristen aus Taiwan tragen nahe dem Schloss Neuschwanstein Mundschutz. Dessen Nutzen ist allerdings umstritten, Händewaschen gilt als effektiver.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
  • Die Zahl der Corona-Patienten in Bayern ist in dieser Woche sprunghaft angestiegen.
  • Mehrere hundert Menschen in Bayern stehen unter Quarantäne, weil sie Kontakt zu einem Infizierten hatten.
  • Das Positive: Man weiß, wo sich die bayerischen Patienten mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Von Kassian Stroh, Oberschleißheim

Manchmal ändert sich die Lage schneller, als es selbst Bayerns oberster Bekämpfer der Coronavirus-Krise mitbekommen kann. Andreas Zapf, der Leiter des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), hat am Mittag eben erst Platz genommen in der LGL-Zentrale und begonnen, den aktuellen Stand zu referieren ("34 weitere Fälle"), da sind die Zahlen schon nicht mehr gültig. Denn just in derselben Minute meldet das Gesundheitsministerium per E-Mail, dass sich die Zahl der Patienten in Bayern auf 37 erhöht habe. "Die Fälle purzeln im Moment", sagt Zapf und lächelt dabei. Mag er auch viel zu tun haben, den Eindruck, die Fachleute seien massiv beunruhigt oder hätten die Lage nicht im Griff, will er unbedingt vermeiden.

37 bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 also seit einer Woche, am Mittwochnachmittag werden es dann sogar 42. Ein sprunghafter Anstieg der Zahlen, quer durchs Land, nur Unterfranken und die Oberpfalz sind bis dahin noch Coronavirus-frei. Zudem stünden in Bayern "mehrere hundert Menschen" zu Hause unter Quarantäne, weil sie Kontakt zu einem Infizierten hatten, sagt Zapf, und "das werden natürlich immer mehr".

Doch er mag auch Positives in der Situation erkennen: Alle bisherigen bayerischen Fälle seien auf Begegnungen in einem der Coronavirus-Risikogebiete (in Italien etwa) zurückzuführen oder beträfen Menschen, die Kontakt zu einem bekannten Infizierten hatten. Man weiß also, woher die Ansteckungen rühren, es gibt kein eigenes, gar unkontrollierbares "Infektionsgeschehen in Bayern", wie Zapf beteuert.

Nicht einmal im Landkreis Freising, dem aktuell größten Infektionsherd im Freistaat, wo allein 14 dieser 42 Betroffenen leben. Ein Mann aus der Gemeinde Au hatte sich in Nordrhein-Westfalen den Erreger eingefangen und später elf Menschen angesteckt. Aber selbst dieser Fall ist für Zapf Beleg dafür, dass die bisherige Strategie seines Hauses, das die Arbeit der örtlichen Gesundheitsämter koordiniert, richtig ist. Nur, wie lange sie noch durchzuhalten ist, das weiß auch er nicht.

Die Strategie ist bislang: Wird jemand positiv auf den Erreger getestet, wird er in einem Krankenhaus isoliert - so lange, bis in seinem Körper kein Virus mehr nachweisbar ist. Zugleich ermittelt man rasch die Personen, die mit ihm in Kontakt standen; war dieser Kontakt enger, müssen sie zwei Wochen zu Hause bleiben und werden mehrmals getestet. "Das ist wichtig, um die Infektketten zu unterbrechen", sagt Zapf. So gelang es ja auch, bis Mitte der vergangenen Woche den Coronavirus-Ausbruch bei der Firma Webasto zu stoppen. Bis am vergangenen Donnerstag dann - von Italien her kommend - der Erreger wieder Fuß fasste im Freistaat.

"Weil die Fälle zunehmen, ist die Frage, ob diese Linie gehalten werden kann", räumt Zapf ein. Inzwischen nämlich kommen auch in Bayern nicht mehr alle Infizierten in eine Klinik, manche dürfen daheimbleiben - unter welchen Bedingungen, das schreibt das LGL gerade in einem Kriterienkatalog zusammen. Eine generelle Änderung der Strategie, etwa sich künftig auf den Schutz von Risikopatienten wie zum Beispiel älteren Menschen zu konzentrieren, müsse dann aber zwingend bundesweit einheitlich sein, sagt Zapf.

Gleichwohl wollen die bayerischen Behörden ihr Augenmerk nun verstärkt auch auf Altenheime richten, dort über Vorbeugung informieren und zusammen mit den Apotheken versuchen, die Engpässe bei der Herstellung von Desinfektionsmitteln für Heime und Krankenhäuser zu beheben. Und sie wollen eine Million Schutzmasken kaufen: Man habe nun einen Hersteller gefunden, bei ihm bestellt und sei optimistisch, dass die Masken bald geliefert würden, sagt Zapf. "Wir haben uns intensiv darum bemüht und hoffen, dass sich die Situation in den nächsten Tagen entspannt." Insbesondere Ärzte hatten zuletzt laut geklagt, dass sie schlecht ausgerüstet seien und keine Schutzausrüstung mehr bekämen - und damit gedroht, notfalls ihre Praxen zu schließen.

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