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Bayern und Großbritannien:London not calling

Bayern eröffnet Repräsentanz in Tschechien

Bayerns "Botschaft" in Prag untersteht der Staatskanzlei, meist aber dreht sich die Außenpolitik des Freistaats um Wirtschaft.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Wegen der Brexit-Folgen versprach Ministerpräsident Söder eine Bayern-Repräsentanz in Großbritannien. Die aber lässt auf sich warten.

Von Johann Osel

Natürlich geht es manchmal auch um das Oktoberfestbayern, um Bier, Bratwürste und ein zünftiges Humptata. Manches Foto aus Auslandsrepräsentanzen des Freistaats zeugt davon, auf einem stehen Damen im Dirndl zwischen weiß-blauen Rauten und Senfspender. Doch im Zentrum von Bayerns Drang in die weite Welt steht die Wirtschaft. In den Achtzigern hatte die Staatsregierung begonnen, ein Repräsentantennetzwerk aufzubauen. Eine erste "kleine Botschaft" eröffnete 1988 in Tokio, Investoren sollten sich für Bayern begeistern.

Heute gibt es um die 30 Standorte, überwiegend im Beritt des Wirtschaftsministeriums, vereinzelt der Staatskanzlei: von Vietnam über Israel bis Mexiko, in Europa etwa in Tschechien oder der Schweiz. Als Drehscheibe für gute Geschäfte quasi, weniger für Lebensart und Kulinarik - auch wenn neulich ein Seminar des Standorts Moskau einen "Erfahrungsbericht Käseproduktion" bot.

Bislang keine Repräsentanz unterhält Bayern in Großbritannien. Das sollte sich freilich zügig ändern. "Nach Brexit: Söder kündigt Bayern-Botschaft in London an." So lautete die Schlagzeile vor gut einem Jahr. "Die Briten werden uns in Europa sehr fehlen", teilte der Ministerpräsident da mit. Die Verbindung dürfe nicht abreißen, eben über eine Repräsentanz. Noch vor Sommer 2020 werde man diese in London eröffnen. Doch nach wie vor gibt es diese Bayern-Botschaft nicht. Wieso? Das Wirtschaftsministerium verweist auf Anfrage an die Staatskanzlei. Dort teilt ein Sprecher mit: Die Eröffnung der Repräsentanz in London sei "vorübergehend zurückgestellt" worden - "ausschließlich aufgrund der Corona-Pandemie".

Markus Rinderspacher, europapolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, wähnt dagegen eine Verschleppung des Themas. Natürlich präge die Pandemie die Situation, zumal angesichts des Infektionsgeschehens in London. Dass die Staatskanzlei aber im vergangenen Jahr seiner Kenntnis nach wenig vorangebracht habe und auch nicht bei der Immobiliensuche fündig geworden sei, wundere ihn, sagte Rinderspacher neulich bei einem Pressetermin zur Europapolitik. In Kreisen um die Regierungsfraktionen hört man dagegen, sowohl beim Dach über dem Kopf als auch bei der Person des Repräsentanten im Königreich "steht intern eigentlich alles" - die Pandemie bremse Konkretes.

Großbritannien ist der achtwichtigste Handelspartner Bayerns, zuletzt wurden jährlich Waren im Wert von 13 Milliarden Euro exportiert. Auslandsrepräsentanzen helfen bayerischen Unternehmen im Zielland wie daheim, vermitteln Kontakte oder beraten bei Problemen, wie sie jetzt durch Zollregeln beim Brexit entstehen dürften. In Saudi-Arabien, 2020 eröffnet, ging es kürzlich etwa um die Chancen von Unternehmen aus Bayern bei einem großen Wasserstoffprojekt am Roten Meer.

Auch die jüngste Klausur der Freien Wähler widmete sich den Brexit-Folgen. Tobias Gotthardt, europapolitischer Sprecher der FW, sagt: Augenmerk sei auch auf Schottland zu legen, das die Unabhängigkeit anstrebt und wieder in die EU kommen könnte. Bayern solle da Brückenbauer sein, das schottisch-bayerische Partnerschaftsabkommen müsse weiterentwickelt werden. Er verweist auf die "sehr geschwisterliche Beziehung", man habe mehr gemeinsam als den Hang "zu Trachten und gutem Alkohol". Was er sich auch gut vorstellen könnte: eine Repräsentanz in Edinburgh. "Das kann mit Sicherheit Teil eines Weges sein."

© SZ vom 18.01.2021/vewo/van
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