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Volkstrauertag:Deutsche und Briten gedenken "Seite an Seite"

Volkstrauertag-Britischer Thronfolger und Ehefrau besuchen Berlin

Der britische Thronfolger Prinz Charles hat 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Partnerschaft zwischen Großbritannien und Deutschland beschworen.

(Foto: dpa)

Zum ersten Mal nimmt in Prinz Charles ein Mitglied der britischen Königsfamilie an der Veranstaltung zum Volkstrauertag teil. Es war nicht die einzige Besonderheit 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Von Robert Roßmann, Berlin

Es war ein Volkstrauertag, wie es ihn im Bundestag noch nie gegeben hat. Wegen der Pandemie durften am Sonntag lediglich 50 Teilnehmer in den Plenarsaal. Es gab keine Bläser, sondern nur Streicher. "An die Musik" von Franz Schubert wurde als Aufzeichnung auf dem Bildschirm gezeigt, weil Singen im Plenarsaal genauso wenig erlaubt war wie die Bläser.

Und vor allem war Prinz Charles da. Zum ersten Mal nahm damit ein Mitglied der britischen Königsfamilie an der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag teil. 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand das Gedenken im Zeichen der deutsch-britischen Freundschaft. Und der Prinz von Wales hielt die Gedenkrede.

"Wir Deutsche sind Prinz Charles und Herzogin Camilla tief dankbar für diese außergewöhnliche Geste der Versöhnung und der Verbundenheit in außergewöhnlichen Zeiten", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

"Uns einen der Wunsch und die feste Absicht, die gute Nachbarschaft und enge Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland auch in Zukunft zu erhalten und zu stärken."

Steinmeier hatte Prinz Charles eingeladen. Damit reagierte der Bundespräsident auch darauf, dass die britische Königin ihn 2018 zu den Feiern zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkrieges 1918 eingeladen hatte. Die Regierung in London hatte dies als "historischen Akt der Versöhnung" gewertet.

Prinz Charles hielt seine Rede auf Deutsch und Englisch

Steinmeier hatte damals handschriftlich auf seinen Kranz geschrieben: "Honoured to remember side by side, grateful for reconciliation, hopeful for a future in peace and friendship." Darauf bezog sich Prinz Charles jetzt in seiner Rede im Bundestag. "Seite an Seite gedenken, dankbar für Versöhnung, hoffnungsvoll für eine Zukunft in Frieden und Freundschaft", sagte der Prinz.

Heute stünden sein Land und die Bundesrepublik in fast allen denkbaren Bereichen als Partner zusammen - "im Bewusstsein unserer Vergangenheit", aber zuversichtlich, was die Zukunft angehe. "Gemeinsam sind wir eine unverzichtbare Kraft für das Gute in der Welt", sagte der Prinz.

Gemeinsam verteidigten beide Länder entschlossen Werte, die man teile - als Verfechter der Menschenrechte und der regelbasierten internationalen Ordnung weltweit.

Er wies Befürchtungen zurück, daran könne sich wegen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union etwas ändern. "Wir sind so sehr in die Zukunft des jeweils anderen Landes eingebunden, dass unsere nationalen Interessen - auch wenn sie unterschiedlich sein mögen - immer miteinander verflochten sein werden", sagte der Prinz, der seine Rede abwechselnd auf Deutsch und Englisch hielt.

Steinmeier änderte Form des Totengedenkens

Es gab am Sonntag noch eine weitere Besonderheit. Traditionell sprechen Bundespräsidenten bei der Veranstaltung im Bundestag ein Totengedenken. Steinmeier änderte jetzt aber seine Form. Bisher hieß es in dem Text unter anderem: "Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind."

Steinmeier änderte diese Stelle jetzt in: "Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind. Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land." Steinmeier beziehe dadurch "ausdrücklich Geschehnisse der jüngeren Geschichte und Gegenwart in das Gedenken ein", erklärte das Bundespräsidialamt.

Vor der Gedenkstunde im Bundestag hatte Prinz Charles zusammen mit Steinmeier, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und anderen Repräsentanten der Verfassungsorgane in der Neuen Wache in Berlin Kränze an der Bronzeskulptur "Mutter mit totem Sohn" von Käthe Kollwitz niedergelegt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde dabei von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vertreten. Auf dem Kranz von Prinz Charles lag eine Karte, auf die der britische Thronfolger geschrieben hatte: "In everlasting remembrance of all victims of conflict and tyranny." ("In ewiger Erinnerung an alle Opfer von Konflikten und Tyrannei.")

Die anschließende Gedenkstunde im Bundestag endete dann mit der Europa- und der Nationalhymne. Diesmal durften die Teilnehmer aber nicht mitsingen - wegen der Corona-Pandemie.

© SZ/mala/odg
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