Bayerntrend AfD verliert in Umfrage, Grüne legen zu

Der Landtag in neuer Zusammensetzung: Von links nach rechts sitzen im Plenum die Grünen, SPD, Freie Wähler, CSU, FDP und AfD. Insgesamt sind es 205 Abgeordnete.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Drei Monate nach der Bayern-Wahl und inmitten des Wechsels an der Parteispitze ist die CSU in der Wählergunst leicht abgesackt, auch die AfD verliert.
  • Grüne, FDP und Freie Wähler legen in der Umfrage zu. Auch Ministerpräsident Markus Söder gewinnt an Zustimmung - noch größer ist der Zuwachs beim stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger.
  • Die Grundstimmung im Freistaat hat sich offenbar verbessert, eine Mehrheit blickt zuversichtlich auf die Verhältnisse in Bayern.
Von Wolfgang Wittl

Drei Monate nach der Landtagswahl blicken die Bayern wieder mit einem besseren Gefühl in die Zukunft. Für mehr als die Hälfte der Bürger bieten die Verhältnisse im Freistaat Anlass zur Zuversicht, das sind acht Prozentpunkte mehr als noch im September. Gut ein Drittel ist eher beunruhigt - ein Minus von elf Prozentpunkten. Das geht aus der repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap im Auftrag des BR-Politikmagazins "Kontrovers" erstellt hat. Damit beginnt sich die aufgewühlte Stimmung nach einem hart geführten Wahlkampf wieder zu beruhigen.

Die wachsende Zufriedenheit hat auch mit der Arbeit der Staatsregierung zu tun. 57 Prozent der Befragten sind damit zufrieden, 41 Prozent üben Kritik. Die Koalition aus CSU und Freien Wählern wird somit erheblich besser bewertet als zuvor die CSU-Alleinregierung, mit der am Ende die Hälfte unzufrieden war. Auffällig ist: Die Anhänger der Freien Wähler sehen das Bündnis negativer als etwa die der FDP - und dies, obwohl die FW als Regierungspartei besser abschneiden als die CSU. 45 Prozent der Bayern sind mit den Freien Wählern zufrieden, 28 Prozent nicht. Mit der CSU überwiegt die Unzufriedenheit (55 Prozent).

Ministerpräsident Markus Söder, der mit den schlechtesten Werten eines CSU-Spitzenkandidaten in die Wahl gegangen war, legt in der Gunst der Wähler wieder zu. 55 Prozent der Befragten äußern sich zufrieden über seine Arbeit, das sind vier Punkte mehr als zuletzt. 40 Prozent sind noch skeptisch. Noch größer ist der Zuwachs beim stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger. Trotz eines holprigen Starts in die Regierung steigen seine Werte um neun Punkte auf 49 Prozent, nur ein Viertel der Wähler ist mit der Arbeit des Freien-Wähler-Chefs nicht zufrieden. Besonders einverstanden zeigen sich die Anhänger der CSU mit der schwarz-orangen Koalition (84 Prozent).

Bei den Werten der Partei schlägt sich diese Zufriedenheit nicht nieder. Würde am Sonntag im Freistaat gewählt, käme die CSU lediglich auf 35 Prozent - gut zwei Prozentpunkte also unter dem Landtagswahlergebnis, jedoch zwei mehr als in der letzten Umfrage vor der Wahl. "Klar ist: Wir haben als CSU noch einen weiten Weg vor uns. Den werden wir konsequent gehen", sagt Söder, der am 19. Januar als Nachfolger von Horst Seehofer zum neuen CSU-Chef gewählt werden soll. Über seine verbesserten persönlichen Werte und die erhöhte Akzeptanz der Staatsregierung zeigt sich Söder erfreut. Kleiner Trost für die CSU: Ihr wird auf allen Feldern die größte Kompetenz zugeschrieben - nur in der Umweltpolitik dominieren die Grünen.

Die Grünen setzen ihren Höhenflug fort und steigen auf 21 Prozent. Für Fraktionschef Ludwig Hartmann ist dies der Beleg, "dass unsere Themen die Menschen in Bayern weiter bewegen und bei der schwarz-orangen Koalition zu kurz kommen". Söders "Greenwashing-Versuche" seien "allzu offensichtlich", findet Hartmann. Auch die Freien Wähler legen als drittstärkste Kraft auf 13 Prozent zu. "Wir bleiben auf dem Teppich und arbeiten wie gewohnt für die Bürger und für Bayern weiter", sagt Aiwanger. Die AfD verliert als Landtagsneuling zwei Punkte auf acht Prozent. Die FDP verbessert sich auf sechs Prozent.

Auf Platz vier und wieder knapp vor der AfD liegt jetzt die SPD, sie verharrt aber bei dürftigen neun Prozent. Landeschefin Natascha Kohnen rutscht im Zufriedenheitsranking von 42 auf 29 Prozent ab, auch in den eigenen Reihen überzeugt sie nur gut die Hälfte der Wähler. Die Zahlen werden ihren Kritikern vor dem Parteitag Ende Januar Auftrieb geben. Andererseits begrüßen 72 Prozent der SPD-Anhänger, dass Kohnen Landeschefin bleiben will. Nur jeder dritte Bayer findet, dass die SPD auf die richtigen Themen setzt.

Als wichtigste Probleme werden die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik genannt (37 Prozent), das sind sieben Punkte weniger als zuletzt. Danach folgen Schule und Bildung (20), Wohnen und Mieten sowie mit steigender Dringlichkeit Infrastruktur und Verkehr (jeweils 16). Auch Umwelt und Klimaschutz legen leicht zu (13). Bei der Abschiebung ausländischer Straftäter bevorzugen die Bayern eine konsequente Anwendung des bestehenden Rechts (60), eine Verschärfung der Gesetze wünschen sich gerade mal 35 Prozent der Befragten. Bundesinnenminister Horst Seehofer, der für das Thema zuständig ist, wird weiterhin überaus kritisch gesehen (68 Prozent). Auch in der CSU befindet sich der scheidende Chef im Minus (46:54).

Positiv wird CSU-Vize Manfred Weber bewertet (33:9, in der Partei sogar 45:6). Weber will dieses Jahr EU-Kommissionspräsident werden, allerdings geben 58 Prozent der Befragten an, ihn nicht zu kennen. Obwohl die EU auch skeptisch betrachtet wird, sprechen sich 73 Prozent der Bayern für eine intensivere Zusammenarbeit in Europa aus.