Politik in Bayern Seine erste Watschn bekam Arnold wegen Willy Brandt

Als nächstes soll ein Konzept zum sozialen Bodenrecht erarbeitet werden. Arnold will sich mehr von den Grünen abgrenzen. Der konventionellen Landwirtschaft steht er nicht allzu kritisch gegenüber. In der Asylpolitik vertritt er einen eher konservativen Kurs, anders als Landeschefin Natascha Kohnen. Sie unterstützte Arnold bei der Wahl, Stellvertreterdienste aber gehörten nicht zu seinem Wesenszug, sagt dieser. Kohnen vermied das Thema Flüchtlinge im Wahlkampf, Arnold findet, das war das Problem. Bei ihm daheim leben viele mit kleiner Rente und großer Sorge, ob das Geld für alle reicht. Ohne sachlichen Grund dürfe es keine Privilegierung von Flüchtlingen geben, sagt er. Wer abgeschoben wird, sei Sache der Gerichte.

Auch Arnold entschied über Abschiebefälle. Sein Spitzname war "Richter Gnadenlos". Ein Scherz, und trotzdem: Arnold habe sicher härter durchgegriffen, als es einige in der SPD für gut heißen würden, sagt Thomas Jung, Oberbürgermeister von Fürth. Er selbst stimmt mit ihm in fast allem überein: "Arnold folgt der Vernunft und die ist nicht so oft links angesiedelt." Sie trafen sich im Keller einer katholischen Kirche bei einer Silvesterfeier. 1979 war das. Elf Jahre war Arnold Jungs Vize als Vorsitzender in Fürth und "immer loyal". Eine Stadt wie Fürth, "ein sehr großes Dorf", erde einen, sagt Jung: "Arnold ist der Garant dafür, dass die SPD sich nicht in abwegige Themen flüchtet, sondern mit dem beschäftigt, was die Menschen bewegt."

Mit 16 trat Arnold in die SPD ein und zwar am ersten Mai, dem Tag der Arbeit. Die Symbolik war ihm wichtig. Seine erste Watschn bekam er als Ministrant von einem Prälaten, weil er jubelte, als Willy Brandt die Wahl gewonnen hatte. Der Vater war Parteimitglied, seine Mutter bei der Gewerkschaft. Marx auswendig lernen war nicht Arnolds Sache, die Jusos waren es auch nicht.

Die SPD aber werde er nie verlassen. "Das ist ganz tief drinnen", sagt er. Warum? "Solidarität", da ist es wieder, das Wort. 2012 spürte er, was das bedeutet. "Er war abgestürzt, wir haben ihm alle geraten, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen", erinnert sich Jung. Arnold aber wollte nicht. Kaum jemand glaubte, dass er alleine mit dem Trinken aufhören könnte. Sie irrten. Arnold könnte von seiner Stärke sprechen, er spricht von seiner Fraktion: "Diese Fraktion hat mich gestützt. Deshalb muss ich ihr etwas zurückgeben."

Es wird hart nur noch mit 22 Abgeordneten, Arnold weiß das. Plötzlich ruft er aus: "Wir brauchen mehr Freude!" Seine Botschaft trägt er natürlich auf dem Leib. Er deutet auf sein Hemd: "Die Zukunft der SPD." Es ist rosarot.

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