Bergdrama am Hochkalter:Retter müssen im Tal warten

Lesezeit: 2 min

Bergdrama am Hochkalter: Am Montagabend konnte für kurze Zeit ein Hubschrauber zu einem Suchflug auf Sicht aufsteigen. Doch von dem Verunglückten fehlt jede Spur.

Am Montagabend konnte für kurze Zeit ein Hubschrauber zu einem Suchflug auf Sicht aufsteigen. Doch von dem Verunglückten fehlt jede Spur.

(Foto: Bergwacht Ramsau)

Die Bergwacht Ramsau kann wegen extremer Wetterbedingungen weiterhin nicht zu einem 24-Jährigen aus Niedersachsen vordringen. Er war am Samstag am tief verschneiten Hochkalter verunglückt und wird seither vermisst. Noch gibt es aber Hoffnung.

Von Matthias Köpf, Ramsau

Die Bergretter im Berchtesgadener Land, die schon seit Samstag einen verunglückten 24-jährigen Bergsteiger aus Niedersachsen vom mehr als 2600 Meter hohen und inzwischen tief verschneiten Hochkalter holen wollen, haben auch am Dienstag im Tal bleiben müssen. Die Wetterverhältnisse am Berg mit mittlerweile bis zu drei Metern Neuschnee, vereistem Fels, dichten Wolken und starken Windböen ließen einen Aufstieg der Retter weiterhin nicht zu.

Der Mann, der alleine auf die Hochtour aufgebrochen war, hatte am Samstagnachmittag einen Notruf abgesetzt, weil er vom Weg auf einem Grat in steiles Gelände abgerutscht war. Alle Versuche der Retter, ihn mit technischen Mitteln zu orten oder sich zu Fuß zur vermuteten Unglückstelle auf über 2400 Metern hinaufzukämpfen, sind bisher an den extremen Wetterverhältnissen gescheitert. An seinem Mobiltelefon haben sie den Verunglückten zuletzt am Samstagabend erreicht.

Angesichts der dichten und tief hängenden Wolken am Hochkalter waren bisher nur einige wenige kurze Helikopterflüge möglich, bei denen der Hubschrauber am Samstag einige Mitglieder der Bergwacht Ramsau direkt unterhalb der Wolkengrenze abgesetzt hatte. Diese waren dann zwar nach stundelanger Anstrengung auf etwa 2600 Meter Höhe vorgedrungen, hatten bei Schneefall, Sturm und extrem eingeschränkter Sicht aber kaum eine Chance, den Vermissten in dem unübersichtlichen Gelände zu finden. Ähnliche Versuche am Sonntag hatte der Einsatzleiter ebenfalls abbrechen müssen, um seine Leute nicht selbst in Lebensgefahr zu bringen.

Erst am Montagabend hatte sich dann doch noch eine Gelegenheit für einen Suchflug mit dem Hubschrauber geboten: Die Untergrenze der Wolken hob sich für eine gute Stunde bis auf etwa 2300 Meter, ein Polizeihubschrauber unternahm mit Bergrettern an Bord einen Flug auf Sicht. Der Neuschnee scheint nach der Schätzung eines erfahrenen Ramsauer Bergführers in den Rinnen unterhalb des Grats inzwischen bis zu drei Meter hoch zu liegen. Der Vermisste war bis Sonnenuntergang nirgends zu entdecken - auch auf den Aufnahmen nicht, die von Bergwacht-Helfern später noch die halbe Nacht lang genau durchgesehen und mit entsprechender Software analysiert wurden.

Bergdrama am Hochkalter: Die Schneehöhe in den Rinnen am Hochkalter schätzt ein erfahrener Ramsauer Bergführer vom Hubschrauber aus auf bis zu drei Meter.

Die Schneehöhe in den Rinnen am Hochkalter schätzt ein erfahrener Ramsauer Bergführer vom Hubschrauber aus auf bis zu drei Meter.

(Foto: Bergwacht Ramsau)

Die sogenannte Recco-Boje, mit der sich beispielsweise die Elektronik von Mobiltelefone oder Notebook aufspüren lässt, konnte die Bergwacht bis Dienstagabend immer noch nicht einsetzen. Dazu müsste der Helikopter etwas über das Suchgebiet kommen, denn die Sonde strahlt ihr Suchsignal nach unten ab. Am Mittwoch soll sich die Wetterlage bessern, spätestens am Donnerstag sollen Suchflüge mit der Recco-Boje möglich sein.

"Die Einsatzkräfte sind bis ans Limit gegangen", beschreibt der Leiter der Bergwacht-Region Chiemgau, Nik Burger, den bisherigen Einsatz. Auch nach mehreren Tagen unter extremen Bedingungen gebe man die Hoffnung nicht auf, den Verunglückten lebend zu finden. So etwas sei in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen. Nach Burgers Einschätzung ist der 24-Jährige in einen Wettersturz geraten, wie er in den Bergen oft auftreten kann. Der Aufstieg auf den Gipfel des Hochkalter gilt auch bei stabilen spätsommerlichen Wetterbedingungen als anspruchsvoll.

Zur SZ-Startseite

Klimawandel
:Das Ende der Gletscher

Die Eismassen in Bayerns Bergen schmelzen in diesem Sommer schneller als in den vergangenen Jahren. Womöglich schon in ein paar Monaten wird es nur noch vier von ihnen geben. In zehn Jahren wohl überhaupt keinen mehr.

Lesen Sie mehr zum Thema