Agrarpolitik:Vogelschützer verteidigen Ökoflächen

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Verbandschef kritisiert Forderung nach Getreideanbau auf Brachland.

Von Christian Sebald, Hilpoltstein

Im Streit um die Freigabe von landwirtschaftlichen Brachflächen für den Getreideanbau übt der Chef des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Norbert Schäffer, scharfe Kritik an Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU). "Ökologie ist kein Luxus, sondern unverzichtbar, um auf Dauer fruchtbare Böden zu haben und Lebensmittel erzeugen zu können", sagt Schäffer. "Wer die aktuell 20 000 Hektar landwirtschaftlichen Brachflächen Bayerns opfert, die für die Artenvielfalt von herausragender Bedeutung sind, befeuert ohne Not die Biodiversitätskrise."

Hintergrund des Streits sind der Krieg in der Ukraine und die drohenden Ausfälle bei den Getreideimporten. Kaniber verlangt als Gegenmaßnahme, den heimischen Getreideanbau hochzufahren und dafür auf die Flächenstilllegung zu verzichten - also Agrarflächen zu aktivieren, die aus ökologischen Gründen nicht bewirtschaftet werden. "Wir steuern in vielen Teilen der Welt und in der Ukraine selbst auf eine Lebensmittelkrise, wenn nicht sogar auf eine Hungersnot zu", sagte Kaniber erst dieser Tage wieder. "Wir müssen darauf reagieren."

In Bayern gibt es etwa 3,1 Millionen Hektar Agrarfläche, zwei Drittel davon sind Ackerland. Die 20 000 Hektar landwirtschaftliches Brachland machen also gerade mal 0,65 Prozent der gesamten Agrarfläche und ein Prozent der Äcker im Freistaat aus. Ab 2023 sind die Bauern verpflichtet, vier Prozent ihres Ackerlands stillzulegen, wenn sie in den Genuss von Agrarzuschüssen der EU kommen wollen. Experten halten freilich eine Stilllegung von zehn Prozent des Ackerlands für erforderlich, um die Artenvielfalt zu fördern.

Wenn die Bauern tatsächlich mehr Getreide für Lebensmittel anbauen sollen, gibt es dafür laut Schäffer drei Hebel. "Erstens weniger Fleisch essen", sagt er. "Ein großer Teil des hiesigen Getreides, Maises und Sojas landet in den Mägen von Schweinen und Rindern, statt auf dem Teller." Zum Zweiten den Anbau von Energiemais für Biogasanlagen einschränken. Und zuletzt weniger Lebensmittel wegwerfen. "Große Teile der Ernten landen nicht im Handel, sondern werden aus überwiegend ästhetischen Gründen aussortiert", sagt Schäffer. Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) hält ebenfalls wenig von Kanibers Forderung. Zwar hat die EU-Kommission den Mitgliedstaaten ermöglicht, Getreideanbau auf landwirtschaftlichen Brachflächen zuzulassen. Aber Özdemir will die Option nicht ziehen.

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