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Innenminister:Soldat Herrmann meldet sich zum Dienst

Gut getarnt: Joachim Herrmann im Feldanzug mit Oberst Björn Schulz, Brigadekommandeur in Cham (links), bei der Wehrübung.

(Foto: Kurt Fuchs/Bundeswehr/oh)

Bayerns Innenminister ist Oberstleutnant der Reserve, nimmt regelmäßig an Wehrübungen teil. Nun nutzte er die Gelegenheit für ein Bekenntnis.

Zunächst kriecht Joachim Herrmann in den Schützenpanzer hinein, vom "modernen Komfort" im Puma berichtet stolz ein junger Soldat - dem zusammengekauerten, stattlichen Innenminister mag man diesen Zustand im Augenblick nicht so recht ansehen, daher geht's lieber rasch hinauf auf das Gefährt, hinter das Kanonenrohr. Spannende Informationen gibt es dort: "Man braucht weniger Munition, weil der erste Schuss immer sitzt", erfährt der CSU-Politiker.

Dann lässt er sich - wieder die Leiter hinabgestiegen, durchaus elegant - ein Sturmgewehr erklären ("Kampfwertsteigerung sensationell") und schaut mit einem Laserentfernungsmesser übers Kasernengelände. Nebenan, bei der Panzerbrigade in der Nordgaukaserne im oberpfälzischen Cham, geht es weniger gediegen zu. Rekruten liegen aufgereiht in der Wiese auf dem Bauch, zur nicht nur theoretischen Waffenkunde: Sturmgewehr zerlegen, unter zackigen Befehlen. Man wird sie zwischendrin hören, wenn Herrmann, im Flecktarn, später zum Vortrag ansetzt.

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Bayerns Innenminister ist Oberstleutnant der Reserve, dazu gehören Wehrübungen - 19 Stück habe er seit seinem Grundwehrdienst absolviert, sagt er. Wie nun seit Montag vergangener Woche, am Dienstag ist Cham die letzte Station. Er nutzt sie für ein Bekenntnis der Staatsregierung zur Bundeswehr, betont das "von Vertrauen geprägte Miteinander zwischen Bundeswehr und bayerischen Sicherheitsbehörden", seinem Beritt. Für die zivil-militärische Kooperation ist er oberster Ansprechpartner im Freistaat. So sei es "wichtig, eigene Kenntnis von den personellen und technischen Fähigkeiten der Bundeswehr zu haben, sich auf dem Stand zu halten".

Im Katastrophenschutz sei die Bundeswehr wichtiger Baustein des bayerischen Hilfeleistungssystems. Als Beispiele nennt er Unterstützung mit Hubschraubern beim Transport von Spezialkommandos der Polizei zum Einsatzort oder die ABC-Abwehr. Wie effektiv die Bundeswehr mit Material und Soldaten helfe, habe sich bei den Flutkatastrophen gezeigt und vergangenen Winter beim starken Schneefall. "Viele Soldaten haben Dächer freigeräumt," so erlebten die Bürger "die Leistungsfähigkeit und die Hilfe unserer Bundeswehr hautnah". Zudem habe man 2018 erstmals taktisch den terroristischen Ernstfall geübt, mit Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr und Rettungsdienst.

Aber es geht Herrmann auch um etwas anderes: Imagepflege. Die ist wohl nötig in Zeiten, in denen die Bundeswehr nur mediale Aufmerksamkeit erfährt, wenn Flugzeuge nicht fliegen oder Gewehre nicht schießen. Wobei an diesem Tag alles einen guten Eindruck macht, das Wort "modern" fällt häufig. Es gibt eine Panzerfaust und ein Infrarotvorsatzgerät für den Reservisten zu bestaunen. "Mhmm, aha, soso."

"Nicht von ständigem großen Respekt geprägt"

Doch die Imagefrage stellt sich allgemeiner, in Zeiten, in denen die Streitkräfte im öffentlichen Leben kaum mehr eine Rolle spielen, höchstens als Gegenstand von Witzen. Herrmann formuliert das moderater: "in Zeiten, in denen die Bundeswehr nicht von ständigem großen Respekt geprägt ist". Eben das sei aber maßgeblich für die Motivation der Soldaten; wenngleich in Regionen wie Cham die "Verankerung in der Gesellschaft" spürbar sei. Daher wolle er mit der Übung "demonstrieren, dass wir in Bayern an der Seite der Bundeswehr stehen. Sie ist ja kein Selbstzweck". Nach der Wiedervereinigung habe man ein "Gefühl ewiger Sicherheit" gehabt, dies sei mit Blick auf die Ukraine oder den Nahen Osten vorbei. Dazu brauche man noch bessere Ausstattung und personellen Aufwuchs.

In Form des Zwei-Prozent-Ziels, also diesem Anteil am Bruttoinlandsprodukt für die Verteidigung? US-Präsident Donald Trump wirft Deutschland regelmäßig vor, zu wenig zu investieren. Die Bundesregierung habe das Ziel im Rahmen der Nato mit beschlossen, "im Übrigen auch die SPD", sagt Herrmann mit Seitenhieb auf jüngste Debatten im Bund. Auch die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) habe es bekräftigt. Bayern werde "in Berlin alles dafür tun, sich diesem Ziel schrittweise anzunähern"; auch wenn das "nicht von einem Tag auf den anderen" gehe. Die Staatsregierung wolle das "für unsere Sicherheit - nicht wegen einer einzelnen Person in Amerika".

Während der Wehrübung bekleidet der Minister den Posten eines Stabsoffiziers im Bereich der zivilmilitärischen Zusammenarbeit. Unter anderem stand ein Besuch der Universität der Bundeswehr an, da ging es um Cybersicherheit. Außerdem war Herrmann in Neuburg an der Donau beim Taktischen Luftwaffengeschwader. Er habe sich, fasst das Ministerium zusammen, "Einblicke in Aufgaben, aktuelle Entwicklungen und technische Neuerungen" verschafft. Anfragen von Medien, die gerne einen im Schlamm robbenden Politiker fotografiert hätten, musste sein Sprecher absagen. Wobei das auch daran liegt, dass ein Oberstleutnant eher robben lässt.

Und was wäre, im Verteidigungsfall der Bundesrepublik, konkret der Job des Reservisten? Herrmann dient beim Landeskommando Bayern, es organisiert zum Beispiel die Unterstützung alliierter Streitkräfte im Land, zuvorderst aber zivil-militärische Kooperation. Herrmann wäre also im Ernstfall damit betraut, wie er sagt, "den Kontakt zur Staatsregierung" zu unterhalten. Man darf feststellen: Soldat Herrmann wäre für die Aufgabe formidabel geeignet.

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